# taz.de -- Merz' holprige Regierungsbildung: Vermeidbare Krise
> Das Managementchaos fügt sich in ein Bild. Das eines stümperhaft
> handelnden Mannes, den in entscheidenden Momenten die Intuition verlässt.
(IMG) Bild: Wer über soziale Intelligenz verfügt, dem gelingen auch Personalwechsel ohne Totalschaden
Wenn man Friedrich Merz so reden hört, könnte man fast vergessen, dass die
CDU ihn erst im dritten Anlauf zum Parteichef wählte. Oder dass ihn seine
Regierungskoalition bei der Kanzlerwahl ein Mal durchfallen ließ. Merz
schluckte alle Anzeichen dafür, dass ihm selbst seine eigenen Leute nicht
vertrauen, herunter. Wer die bemerkenswerte Kunst des Kanzlers, Schläge
einzustecken, damit verwechselte, dass er nun endlich für Frieden in den
eigenen Reihen gesorgt hätte, wird aktuell eines Besseren belehrt.
Mehr als ein Jahr nach dem Beginn seiner Kanzlerschaft und nur wenige
Wochen vor drei Landtagswahlen hat Merz die halbe CDU gegen sich
aufgebracht – und seine Partei in eine vermeidbare Krise geführt. Es ist
bemerkenswert, welche Welle an Gefühlen dem hängen- [1][aber
fallengelassenen Verkehrsminister Patrick Schnieder] entgegenschlug, der
seinen Rücktritt selbst erklären musste, um seine Selbstachtung zu wahren.
Die Kritik an Merz ist auch deshalb so deutlich, weil sich sein
Managementchaos in ein Bild einfügt. Das eines stümperhaft handelnden
Mannes, den in entscheidenden Momenten Intuition und jedwede Fähigkeit zu
empathischem Handeln verlassen. Nun attackiert der rheinland-pfälzische
Landesverband den Kanzler frontal. Schon zuvor brauchte Merz Nachhilfe aus
Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und der Frauen-Union, um in der
Affäre mit Jens Spahn zu der für die CDU richtigen Entscheidung zu
gelangen.
Mit der Beorderung seines [2][ihm treu ergebenen CDU-Generalsekretärs
Carsten Linnemann] zum Gesundheitsminister kratzt Merz alles zusammen, was
ihm in der Regierung den benötigten Rückhalt verschafft. Doch es hilft
nichts: Das Merz-Lager muss demonstrieren, dass es wieder Ruhe in Partei
und Regierung bekommen kann. Sonst könnte den Kanzler nach den
gescheiterten Landtagswahlen das gleiche Schicksal wie Schnieder ereilen –
dann aber wohl ganz ohne Hängepartie.
27 Jul 2026
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