# taz.de -- Angriff auf die Informationsfreiheit: Der Autoritarismus ist längst da – auch ganz ohne AfD
> Innenminister Dobrindt will gezielt die Arbeit der Plattform
> „FragdenStaat“ bekämpfen, die regelmäßig Politskandale aufdeckt. Es ist
> Zeit, aufzuwachen.
(IMG) Bild: Hat es mit seinen Plänen für das IFG gezielt darauf abgesehen, die Plattform „FragDenStaat“ zu bekämpfen: Innenminister Dobrindt
Nicht nur will die Bundesregierung das [1][Informationsfreiheitsgesetz
(IFG) aushebeln], sie behauptete auch noch dreist, dass es dabei um mehr
Transparenz ginge. Orwell lässt grüßen – denn in Wirklichkeit ist das
Gegenteil der Fall: Die Reform der schwarz-roten Koalition wird bedeuten,
dass es für Presse, Bürger:innen und Organisationen bedeutend
schwieriger wird, [2][an behördeninterne Informationen zu kommen]. So viel
war schon bekannt.
Inzwischen wissen wir durch eine Recherche des MDR außerdem: Innenminister
Alexander Dobrindt hat es mit seinen Plänen für das IFG ganz gezielt darauf
abgesehen, die Plattform „FragDenStaat“ zu bekämpfen. Aus einem internen
Schreiben geht nämlich hervor, dass das Bundesinnenministerium eine
Identifizierungspflicht für alle Menschen einführen wollte, die einen
IFG-Antrag stellen. Erklärtes Ziel der Maßnahme: „FragDenStaat“ könne dann
„nicht weiterhin als Strohmann eingesetzt werden“.
Warum der Minister die NGO handlungsunfähig machen will, liegt auf der
Hand: „FragdenStaat“ macht es jedem Menschen niedrigschwellig möglich,
einen IFG-Antrag zu stellen und so Behörden zu zwingen, interne
Informationen herauszugeben. Zahlreiche Polit-Skandale sind dank der
Organisation ans Licht gekommen.
Wenn der Autoritarismus kommt, dann taucht er nicht eines Tages auf und
sagt: Hallo, jetzt bin ich hier und ich bin der Autoritarismus. Nein, er
schleicht sich ein an allen Ecken des politischen Systems und sagt bei
jeder Gelegenheit: Hallo, ich bin eine kleine Maßnahme für Ordnung oder
Recht oder gegen Terrorismus. Nur wer gut aufpasst, kann all diese kleinen
Gelegenheiten zusammen betrachten und feststellen: Da kommt der
Autoritarismus.
Wenn die, die unser aller Planet vor dem deutschen Wachstumswahn retten
wollen, als Terroristen markiert und mit der vollen Härte des Rechtsstaates
bestraft werden; wenn Proteste gegen die Kriegsverbrechen eines verbündeten
Staates routinemäßig [3][nieder geprügelt werden]; wenn Preise an
Buchhandlungen nur noch [4][nach politischer Gesinnungsprüfung der
Nominierten] vergeben werden; wenn der Staat plötzlich private Chats
mitlesen darf; und wenn die Regierung Bürgern und Presse Informationen
verwehren will, die sie in ein schlechtes Licht rücken könnten: Dann
[5][ist der Autoritarismus längst da]. Dafür braucht es die AfD gar nicht.
Deswegen sollte sich der Antifaschismus auch nicht nur sie zum Gegner
nehmen.
26 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /IFG-Reform-auf-Bundesebene/!6192998
(DIR) [2] /Kolumnist-hat-sich-verliebt/!6181936
(DIR) [3] /Polizeigewalt-auf-Gaza-Demos/!6122379
(DIR) [4] /Kritik-am-Haber-Verfahren/!6161518
(DIR) [5] /Nach-den-Anschlaegen-auf-Strommasten/!6162836
## AUTOREN
(DIR) Pauline Jäckels
## TAGS
(DIR) Alexander Dobrindt
(DIR) Innenministerium
(DIR) Schwerpunkt Pressefreiheit
(DIR) Transparenz
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Autoritarismus
(DIR) Kommentar
(DIR) Informationsfreiheitsgesetz
(DIR) Informationsfreiheit
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Pressefreiheit in Europa
(DIR) Bundesregierung
(DIR) Wolfram Weimer
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Bundeszentrale für politische Bildung: Zurück zu den antikommunistischen Wurzeln
Die Bundeszentrale für politische Bildung soll sich wieder mehr mit
Linksextremismus beschäftigen. Linke sollte das weder überraschen noch
empören.
(DIR) IFG-Reform auf Bundesebene: Der autoritäre Staatsumbau nimmt Fahrt auf
Schwarz-Rot will das Informationsfreiheitsgesetz de facto abschaffen. Es
ist der schwerste Angriff auf staatliche Transparenz in der Geschichte der
BRD.
(DIR) Beschluss von Schwarz-Rot: Drastische Einsparung bei der Informationsfreiheit
Die Koalition will Anfragen an Staat und Behörden beschneiden. Das sei der
schwerste Angriff auf staatliche Transparenz, kritisiert die Initiative
„Frag den Staat“.
(DIR) Kolumnist hat sich verliebt: Ich habe ein Gesetz kennengelernt und bin total verknallt
Was in Behörden passiert, geht grundsätzlich die Öffentlichkeit an. Ist ja
kein Selbstzweck, was die da machen. Dafür gibt's ein tolles Gesetz.