# taz.de -- Kolumnist hat sich verliebt: Ich habe ein Gesetz kennengelernt und bin total verknallt
       
       > Was in Behörden passiert, geht grundsätzlich die Öffentlichkeit an. Ist
       > ja kein Selbstzweck, was die da machen. Dafür gibt's ein tolles Gesetz.
       
 (IMG) Bild: Das Informationsfreiheitsgesetz IFG ist eine richtig gute Sache – nur nicht aus Sicht der Regierenden
       
       taz | Als die wochentaz noch taz.am wochenende hieß, gab es eine schöne
       Rubrik, die Liebeserklärung. Darin liebten wir jede Woche heiß und innig
       etwas oder jemanden, der, die oder das sonst wenig Wohlwollen von der taz
       bekommt. 2017 erschien in der Rubrik zum Beispiel mal eine
       [1][Liebeserklärung an Donald Trump], über der mein Name steht, aber das
       ist eine andere Geschichte.
       
       Diese Woche wird die Liebeserklärung wiederbelebt. Denn ich habe jemanden
       kennengelernt und bin total verknallt. Es ist ein bisschen spröde, aber
       jetzt, da ich es besser kennengelernt habe, muss ich dauernd an es denken.
       Beim Aufstehen. Auf dem Fahrrad. Bei der Arbeit. Es ist jünger als ich,
       gerade mal 20 Jahre alt. Aber ich finde, das merkt man gar nicht. Es hat
       auch echt schon viel erlebt.
       
       Es ist das Informationsfreiheitsgesetz. Ich darf seinen Kosenamen benutzen
       und IFG sagen. Viele wissen gar nicht, dass es das IFG gibt. Aber viele,
       die es mal kennengelernt haben, sind genauso begeistert wie ich.
       
       Die Idee ist einfach: In einer liberalen Republik (res publica, falls mein
       früherer Lateinlehrer noch die taz liest: Hallo, Herr Heyde!) geht alles,
       was in Behörden passiert, grundsätzlich die Öffentlichkeit an. Ist
       schließlich kein Selbstzweck, was die da machen. Man muss nur einen Antrag
       stellen, dann liefert einem die Behörde zum Beispiel Dokumente und interne
       Mails, die sich Beamte zu einem Thema geschrieben haben. So zumindest die
       Theorie.
       
       ## Club der unanonymen IFG-Lover
       
       Gerade hat das IFG herausgefunden, [2][dass sich der Sprecher von Wolfram
       Weimers Behörde mit dem Sprecher von Weimers Unternehmen bei einer
       Presseanfrage abgesprochen hat.] Und, aber das nur nebenbei, dass die
       Herren sich duzen. Außerdem verrät das IFG, dass Weimer im November immer
       noch Mails vom Sprecher seiner Firma bekam – dabei spielt der
       Kulturstaatsminister doch angeblich gar keine Rolle mehr in dem
       Unternehmen.
       
       Ich weiß, ich bin spät dran mit meiner Liebeserklärung. Es gibt längst
       einen Club der unanonymen IFG-Lover. Er heißt [3][Frag den Staat] und
       buddelt jede Woche tolle Dinge mit dem IFG aus. In dieser Woche zum
       Beispiel, dass eine NGO, die Armin Laschet nahe steht, Millionen
       Steuergelder bekam, aber wenig dafür tut.
       
       Das IFG ist also nicht monogam, aber das ist okay für mich. Man muss nicht
       mal Journalist sein, jede darf einen Antrag stellen. Jetzt, wo wir uns ein
       bisschen kennengelernt haben, weiß ich aber auch, dass es nicht perfekt
       ist. Behörden wehren sich oft mit Händen und Füßen, Dokumente freizugeben.
       Dann braucht das IFG Geld für einen Anwalt. Ein bisschen elitär ist es also
       doch.
       
       Das Hauptproblem ist aber ein anderes: das IFG ist bedroht. In Berlin wurde
       es gerade beschnitten. Die schwarz-rote Landesregierung hat den Anschlag
       auf das Stromnetz als Vorwand genommen und behauptet, die Bürger wüssten zu
       viel über Dinge, die sie nichts angingen. Jetzt kann sie deutlich leichter
       Anfragen ablehnen und mit Sicherheitsgründen argumentieren.
       
       ## SPD standhaft, aber darf man sich darauf verlassen?
       
       Auch auf Bundesebene sollte das IFG abgeschafft werden. In den
       Koalitionsverhandlungen setzte sich Philipp Amthor für die Union dafür ein.
       Ausgerechnet Amthor: Der ist wohl auf Rache aus, weil das IFG herausfand,
       dass er das Briefpapier des Bundestags nutzte, um für die Firma Augustus
       Intelligence zu lobbyieren. Er bekam dafür Anteile am Unternehmen. Gut,
       dass die SPD bei den Koalitionsverhandlungen standhaft blieb und die
       Abschaffung des IFG verhinderte. Aus Erfahrung weiß man aber: Darauf kann
       man sich nicht verlassen.
       
       Anders als Philipp Amthor ist das IFG nicht käuflich. Aber es kostet Geld,
       mit ihm zu arbeiten. Wenn Sie also können, spenden Sie doch an Frag den
       Staat. Denn ohne Transparenz gibt es keine liberale Demokratie.
       
       31 May 2026
       
       ## LINKS
       
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