# taz.de -- Drohnenvorfall am Leipziger Flughafen: Das Zeitalter der elektronischen Kriegsführung
> Und jetzt? Bitte kein Kompetenzgerangel zwischen Zuständigkeiten, kein
> hektisches Freigeben von Kompetenzen. Aber vor allem bitte: keine Panik!
(IMG) Bild: Ein Spezialist der Polizei entfernt einen Sprengsatz auf dem Flughafen Leipzig/Halle am 5. August
Einen besseren Zeitpunkt hätte es vermutlich kaum geben können. Die
Republik kämpft müde gegen die Hitze, endlich sind im ganzen Land
Sommerferien. Und ausgerechnet jetzt wird eine Drohne mit Sprengsatz
[1][auf dem Leipziger Flughafen gefunden]. Da muss sogar der Innenminister
seinen Italien-Urlaub unterbrechen.
Alexander Dobrindt greift gleich tief in den politischen Phrasenkasten und
spricht von einem „hybriden Anschlagsszenario“. Ja, der Fall ist ernst zu
nehmen, und ja, es ist ein Glück, [2][dass der Sprengsatz nicht hochging].
Dobrindts Gerede von den „fremden Mächten“, die vermutlich dahinterstecken
könnten, sorgt aber nicht wirklich für einen rationalen Umgang mit dem
Flugobjekt, auf dem Territorium einer kritischen Infrastruktur.
Lange rangen Bundesregierung und Parlament um [3][ein Gesetz, das den
Schutz von Flughäfen, von Energieversorgern, von Bahnstrecken] – eben
allem, was zur kritischen Infrastruktur der Republik gehört, stärken
sollte. Nach etlichen Verzögerungstaktiken – übrigens seitens der Union –
kam es schließlich zum Kritis-Dachgesetz.
Demnach sollen vor allem die Betreiber für mehr Schutzmaßnahmen sorgen –
wie das genau funktionieren kann, bleibt in vielen Fällen offen oder
unklar. Zugleich gründete Dobrindt weitere Abwehrzentren und
Krisenzentralen, um sich der Abwehr von Drohnen anzunehmen.
Doch ausgerechnet am Flughafen Leipzig wurde diese Art der Drohnen gar
nicht bemerkt. Immerhin soll jetzt ganz schnell nachgerüstet werden mit
Geräten zur Drohnenabwehr. Also bis spätestens Ende des Jahres, wenn man
den Aussagen des Bundesluftfahrtverbands glauben darf.
## Ein Blick gen Osten hätte genügt
Trotzdem lässt sich nicht leugnen, dass der Leipziger Drohnenfund offenbar
immer noch für Überraschungen sorgte. Dabei hätte ein Blick in den Osten
oder Nordosten Europas genügt. Dort kommt es seit Monaten zu
Drohnensichtungen, sogar Nato-Kampfjets mussten in Estland und Lettland
zwei Flugobjekte abschießen.
Vermutet wird, dass die russische Armee ukrainische Drohnen auf dem Weg zu
militärischen Zielen in Russland digital vom Weg abkommen lässt und auf
Nato-Territorium lenkt. Wir sind im Zeitalter der elektronischen
Kriegsführung angekommen. Und die macht nun mal auch nicht vor Deutschland
halt.
Und jetzt? Bitte kein Kompetenzgerangel zwischen Zuständigkeiten, bitte
kein hektisches Freigeben von Kompetenzen an etwa die Bundespolizei, die
dann Drohnen im Notfall gleich abschießen darf. Aber vor allem bitte keine
Panik! Mehr Realitätssinn und Bewusstsein für die Zeichen der Zeit.
6 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Tanja Tricarico
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