# taz.de -- Elektronische Kriegsführung: Stören, verwirren, verunsichern
       
       > Drohnen von ihrer Route abkommen zu lassen, ist Teil der elektronischen
       > Kriegsführung. Vor allem in den Staaten in der Grenzregion zu Russland.
       
 (IMG) Bild: Am Samstag drang eine ukrainische Drohne in den Luftraum von Nato-Staat Bulgarien ein
       
       Es ist eine Nachricht, die sich in unregelmäßigen Abständen wiederholt.
       [1][Eine Drohne dringt in den Luftraum von Nato-Staaten ein.] Am stärksten
       betroffen sind die Länder in der Grenzregion von Russland oder Belarus.
       Also insbesondere die baltischen Staaten, Rumänien, Polen. Und jetzt auch
       Bulgarien.
       
       Erst am Samstag explodierte ein solches Flugobjekt nahe einer Gas-Pipeline.
       Wie das bulgarische Verteidigungsministerium meldete, handelt es sich
       ziemlich sicher um eine Drohne vom Typ Maya, wie sie von ukrainischen
       Streitkräften genutzt wird. Und Sofia bemühte sich darum, schnell
       klarzustellen, dass es sich wahrscheinlich um ein Versehen handelt.
       
       Die Drohne soll via Rumänien in den bulgarischen Luftraum eingedrungen
       sein, und zwar in unmittelbarer Nähe des Grenzübergangs Kardam nahe dem
       Schwarzen Meer. Und in „1.000 Metern Entfernung zur Verdichterstation der
       Transbalkan-Gaspipeline.“ Also einem militärisch durchaus interessanten
       Ziel.
       
       Seit Beginn der russischen Vollinvasion in der Ukraine kommt es immer
       wieder zu solchen Vorfällen. Erst im Mai und Juni haben [2][Nato-Kampfjets
       in Estland] und Lettland Drohnen abgeschossen. In beiden Fällen gingen die
       Flugobjekte auf dünnbesiedeltem Gebiet nieder. Vor dem Abschuss müssen die
       Standorte sorgfältig geprüft werden.
       
       Laut Ivo Müürsepp, Wissenschaftler am Fachbereich Elektronik an der
       Technischen Universität Tallinn, ist die GPS-Störung von Drohnen eine
       weitverbreitete Taktik in aktuellen Kriegen. „Es ist so, als würde jemand
       versuchen, dir etwas zuzuflüstern“, sagt Müürsepp. „Jetzt geh’ zwei
       Schritte nach links und dann weiter. Und die Störung ist so, als würde
       jemand anderes neben diese flüsternde Person treten und einfach anfangen zu
       schreien, sodass du diese Anweisungen einfach nicht mehr hören kannst.“
       
       ## Zwei Fliegen mit einer Klappe
       
       Mit dieser Taktik kommen die Drohnen von ihrem eigentlichen Ziel ab. In der
       Fachsprache heißt das Jamming, also das bewusste Stören von Signalen. Mit
       am stärksten betroffen sind Lettland, Litauen, Estland, aber auch Finnland.
       Auch in der Straße von Hormus oder in der Region rundherum kommt die
       Technik zum Einsatz.
       
       In der elektronischen Kriegsführung sind solche Methoden immer dann
       interessant, wenn es darum geht, zum einen die Drohnen des Gegners vom Weg
       zu taktischen Zielen abzubringen und zum anderen für Verwirrung und
       Verunsicherung bei dessen Verbündeten zu sorgen. Es sei kein Geheimnis,
       dass Russland solche Anlagen nutzt. So würden „zwei Fliegen mit einer
       Klappe“ geschlagen, sagt Müürsepp.
       
       Eine andere Methode ist Spoofing. Dabei wird bewusst eine andere Position
       suggeriert und damit versucht, die Route zu ändern. Wenn ein Pilot die
       Information bekommt, in Finnland zu sein, aber gerade erst über der Ostsee
       war, dann wird die Person wohl bemerken, dass es sich um Spoofing handeln
       könnte, und dann auf andere Navigationswege ausweichen. So leicht ist es
       aber nicht in jedem Fall. „Wenn sie einen von Anfang an schrittweise in die
       Irre führen wollen, ist es wirklich schwer zu erkennen“, sagt Mürsepp.
       
       GPS-Signale zu stören, ist laut Expert:innen nicht sehr schwer, da das
       Signal von Satelliten kommt, die etwa 20.000 km von der Erde entfernt sind.
       Wenn das Signal auf der Erde ankommt, ist es relativ schwach. Besonderes
       Gerät ist also nicht notwendig. Jammer werden längst auch an den Grenzen
       von den Nato-Staaten eingesetzt, um eine etwaige Bedrohung durch Drohnen
       abzuwenden.
       
       ## Auch Landwirtschaft und ziviler Luftverkehr betroffen
       
       Und auch in Deutschland [3][wird nach den Drohnenvorfällen am Flughafen
       Leipzig/Halle darüber offen diskutiert]. Allerdings gibt es auch Forschung
       dazu, dass Russland offenbar ein eigenes spezielles Satellitensystem
       aufgebaut hat, das in der Lage ist, GPS zu stören, und eine viel größere
       Reichweite hat.
       
       Laut Müürsepp hat das Jamming oder Spoofing aber nicht nur Auswirkungen auf
       Militärisches. Sondern auch auf die moderne Landwirtschaft etwa bei
       selbstfahrenden Mähdreschern. „Wenn es Ungenauigkeiten von ein paar Metern
       gibt, dann besteht die Gefahr, dass sie gegen einen Felsen oder etwas
       Ähnliches prallen.“ Das könnte tiefgreifende Folgen haben. Tatsächlich
       haben finnische Landwirte solche Problem bereits gemeldet. Das estnische
       Landwirtschaftsministerium bestätigte der taz, dass Signalstörungen zwar zu
       merken seien, es bisher aber keine nennenswerten Auswirkungen gebe. Bisher.
       
       Ganz auf GPS-Signale zu verzichten, ist aktuell schwierig bis unmöglich.
       Und deren Störung Teil der elektronischen Kriegsführung – aller Seiten.
       
       9 Aug 2026
       
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 (DIR) Tanja Tricarico
       
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