# taz.de -- Neue Haushaltspläne: Zweckentfremdung von Klima-Milliarden
> SPD-Finanzminister Lars Klingbeil legt den Etatplan für 2027 vor.
> Einnahmen aus dem Emissionshandel sollen nächstes Jahr Haushaltslöcher
> stopfen.
(IMG) Bild: „Ähh, Entschuldigung? Das Emissionszertifikat brauche ich für den Bundeshaushalt“
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) entzieht anderen Ministerien
massiv Mittel, um den Bundeshaushalt für 2027 aufzustellen. So will er
knapp 3 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds für Zwecke
verwenden, die nichts mit Klimaschutz zu tun haben. Der Haushalt des
Gesundheitsministeriums soll im Vergleich zu diesem Jahr um ein Drittel
sinken.
Das Bundeskabinett wird den Budget-Entwurf an diesem Montag beschließen,
danach beginnen die Verhandlungen im Bundestag. Der Kernhaushalt für
nächstes Jahr umfasst 555 Milliarden Euro, 30 Milliarden mehr als 2026.
Eine wesentliche Ursache dafür sind die steigenden Ausgaben fürs Militär.
Das ist aber nicht alles, hinzu kommen Extratöpfe: 55 Milliarden Euro im
Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität, 30 Milliarden im
Sondervermögen für die Bundeswehr und etwa 30 Milliarden Euro im Klima- und
Transformationsfonds. Die Gesamtausgaben des Bundes belaufen sich damit auf
ungefähr 670 Milliarden Euro.
In dem Etat spiegelt sich die schwierige wirtschaftliche Lage. Unter
anderem wegen der Kriege im Nahen Osten und der Ukraine sowie der
Zollpolitik der USA lahmt das Wachstum. Die Steuereinnahmen fließen
spärlicher, gleichzeitig steigen die Kosten etwa der Bundesagentur für
Arbeit um 5,2 Milliarden Euro. Das Finanzministerium (BMF) musste eine
Lücke von 34 Milliarden Euro zwischen zu hohen Ausgabewünschen der
Ministerien und niedrigen Einnahmen schließen. Das gelang, indem der
BMF-„Rasenmäher“ die Ausgaben aller Ressorts um jeweils 1 Prozent
beschnitt, eine alte Rücklage angezapft wurde und die Verschuldung im
Vergleich zu 2026 stieg.
## Klingbeil zapft KTF an
Den [1][Klima- und Transformationsfonds (KTF)] will Klingbeil
beispielsweise mit 2,7 Milliarden Euro anzapfen. Dieses Geld stammt aus
Einnahmen des Emissionshandels, die bisher für den Klimaschutz reserviert
waren. Der KTF ist überhaupt ein schwieriges Thema – dieser Spezialetat ist
noch nicht fertig und soll erst am 15. Juli ins Kabinett.
Die Ministerien ringen, um wie viel etwa die KTF-Mittel [2][für die]
[3][energetische Gebäudesanierung] sinken werden. Anscheinend sollen
gutverdienende Haushalte weniger Zuschüsse beispielsweise für die
Heizungssanierung erhalten. „Ausgerechnet im Hitzesommer sollen beim
Klimaschutz Milliarden gestrichen werden“, kommentierte
Grünen-Haushaltsexperte Sebastian Schäfer, „das ist nicht nur sehr
kurzsichtig, sondern ein Bruch zentraler Versprechen“.
Der Etat von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sinkt zum
Beispiel, weil der Bundeszuschuss zur gesetzlichen Krankenversicherung ab
2027 dauerhaft um 2 Milliarden Euro gekürzt wird. Statt 22 Milliarden in
2026 hat Warken 2027 insgesamt nur noch 14 Milliarden Euro zur Verfügung.
Auch andere Ministerien müssen kürzen – so stehen weniger Mittel für
Wohngeld und Elterngeld zur Verfügung.
## 124 Milliarden Euro werden 2027 investiert
Es wird allerdings nicht nur gespart, die Regierung investiert auch in den
Aufschwung, der hoffentlich irgendwann einsetzt. Sie kann das tun, weil vor
anderthalb Jahren die Schuldenbremse gelockert wurde, wodurch Hunderte
Milliarden Euro zusätzlicher Kredite erlaubt sind. Nach Berechnungen des
BMF betragen die Investitionen 2027 immerhin 124 Milliarden Euro. 18
Milliarden Euro davon will man für Straßen, Schienen, Brücken und Kanäle
ausgeben, 9 Milliarden Euro für Digitalisierung.
Der Posten, der am stärksten wächst, [4][sind die Verteidigungsausgaben].
Statt 120 Milliarden in diesem Jahr stehen 2027 fast 150 Milliarden Euro
zur Verfügung. Die sogenannte Nato-Quote soll 2029 schon 3,5 Prozent der
Wirtschaftsleistung erreichen. Der [5][Etat von Arbeitsministerin Bärbel
Bas] [6][(SPD)] wächst ebenfalls leicht auf gut 200 Milliarden Euro.
Ohne die erhebliche zusätzliche Verschuldung wäre das alles nicht zu
bezahlen. Sie Summe der neuen Kredite erreicht im kommenden Jahr wohl gut
200 Milliarden Euro. Die Kehrseite: Auch die Zinsen steigen, die der Bund
für seine Schulden zahlt. 42 Milliarden Euro sind damit gleich wieder
futsch.
4 Jul 2026
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## AUTOREN
(DIR) Hannes Koch
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