# taz.de -- Klima- und Transformationsfonds: Von wegen Dorfverschönerungs-Programm
> Als Mittel, um Ententeiche hübsch zu machen, stellt die Union den Klima-
> und Transformationsfonds dar. Experten sehen ein grundsätzliches
> Problem.
(IMG) Bild: Ein Ziel des Klima- und Transformationsfonds ist auch der Ausbau der klimafreundlichen Mobilität in den Städten
Was Nettes, „das man auch noch machen kann“ – so setzte der
CDU-Fraktionsvize Mathias Middelberg kürzlich in einem Interview im
Deutschlandfunk den Ton über die Debatte zum KTF, zum Klima- und
Transformationsfonds des Bundes. Er speist sich aus Mitteln des
Emissionshandels, der CO₂-Bepreisung und Zuweisungen aus dem Sondervermögen
Infrastruktur und Klimaneutralität. Sein Auftrag: Kommunen, Bürger:innen
und Unternehmen Geld für Klimaschutz und -anpassung bereitzustellen. 2025
zahlte der Fonds 36,7 Milliarden Euro aus.
Der aktuelle Haushalt des KTF wird am Dienstag vorgestellt. [1][Bekannt ist
schon, dass daraus 2,7 Milliarden Euro in den normalen Haushalt wandern
sollen.] Kein Problem, laut Middelberg. [2][In seinem Interview] berichtete
er aus seinem Wahlkreis Stadt Osnabrück, wo aus einem „gammeligen
Ententeich“ mit 1,3 Millionen Euro aus dem KTF „ein schöner Ententeich“
gemacht worden sei. Das bedeute „null Effizienz fürs Klima“ und sei „eher
ein Dorfverschönerungsprogramm“.
Bei dem sanierten Ententeich handelt es sich um ein Regenrückhaltebecken
der Gemeinde Belm. Der Wasserverband Wittlage hatte es im Rahmen des
Projekts „Wald-Wasser-Park am Ententeich“ mit Fördermitteln aus dem
Programm „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“ erneuert, weil in dem
versiegelten Gebiet bei Starkregen häufig die Keller benachbarter Häuser
vollliefen. Dass Middelberg, dem das Projekt bekannt ist, über
Dorfverschönerung spricht, kommentiert der Abwasserverband nicht.
Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) jedenfalls ist sauer über den
aktuellen Umgang mit dem KTF. „Der Klima- und Transformationsfonds wurde
geschaffen, um zusätzliche Investitionen in Klimaschutz, Transformation und
Infrastruktur zu finanzieren“, schreibt der VKU. Wenn nun Mittel aus dem
Emissionshandel zum Stopfen von Haushaltslöchern im Kernhaushalt genutzt
würden, verliere der KTF seine eigentliche Funktion.
Das sei allerdings nichts Neues, sagt Holger Bär, Finanzreferent beim Forum
Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft. „Die jeweiligen Bundesregierungen
entscheiden politisch und nach Kassenlage, was sie aus dem KTF finanzieren,
oder was sie in den Kernhaushalt schieben.“ So habe die Ampelregierung eine
Zeitlang Chip-Fabriken mit KTF-Mitteln gefördert. Schwarz-Rot nutze ihn, um
Industrie und Verbraucher:innen zu entlasten. [3][Während die
Investitionen in Klimaschutz insbesondere bei der Bundesförderung für
effiziente Gebäude sinken, änderte Schwarz-Rot im letzten Jahr sogar das
KTF-Gesetz, um aus dem Klimaschutzfonds klimaschädliche
Gaspreissubventionen zu zahlen.]
Bär fehlt eine grundsätzliche Diskussion darüber, was der KTF leisten soll.
Verschiedene Studien der vergangenen Jahre hätten in Deutschland in den
kommenden 10 bis 15 Jahren einen öffentlichen Finanzbedarf von jährlich 30
bis 90 Milliarden Euro berechnet, um Wirtschaft und Gesellschaft
klimaneutral umzugestalten, sagt Bär. Die Mittel des KTF reichten dafür
absehbar nicht aus. Die Grundidee, dass die klimaschutzbezogenen Einnahmen
entsprechende Ausgaben finanzierten, sei zwar gut.
## Was soll der KTF leisten?
„Bis Mitte der 30er-Jahre müsse aber viel mehr öffentliches Geld in die
Dekarbonisierung investiert werden'“, sagt Bär, „danach sinkt der Bedarf
deutlich.“ Doch von der Bundesregierung gebe es keine Aussage, wie hoch sie
die Bedarfe in den unterschiedlichen Sektoren einschätze und wie sie
verlässlich finanziert werden könnten. „Sie sieht den KTF nicht als
langfristiges, strategisches Investitionsinstrument“, kritisiert Bär,
„sondern als Nebenhaushalt“. So leiste die Bundesregierung Kritikern
Vorschub, die Klimaschutz als Dauersubvention darstellen und nicht als das,
was es ist: eine heutige Investition, um die Belastungen durch den
Klimawandel in der Zukunft zu senken.
Der KTF sei für viele Städte und Gemeinden ein entscheidender Hebel, um
Investitionen in eine moderne und klimafreundliche Infrastruktur zu
finanzieren, sagt André Berghegger, Hauptgeschäftsführer des Deutschen
Städte- und Gemeindebundes. Über die aus dem KTF finanzierten
Bundesförderprogramme würden unter anderem die energetische Sanierung
kommunaler Gebäude, Klimaanpassungsmaßnahmen sowie kommunale
Klimaschutzprojekte unterstützt.
Davon profitieren vor Ort die kommunale Wärmeplanung, die energetische
Sanierung von Schulen, Kitas und Verwaltungsgebäuden, der Ausbau
klimafreundlicher Mobilität oder Investitionen in eine sichere und
zukunftsfähige Energieversorgung. „Wir erwarten, dass der Bund den KTF als
zentrales Instrument der Transformation verlässlich ausstattet und
kommunale Investitionen weiterhin wirksam unterstützt“, sagt Berghegger.
14 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Neue-Haushaltsplaene/!6193452
(DIR) [2] https://www.deutschlandfunk.de/haushalt-2027-im-kabinett-interview-mathias-middelberg-unions-fraktionsvize-100.html
(DIR) [3] /Klimaschaedliche-Subventionen/!6191709
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(DIR) Heike Holdinghausen
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