# taz.de -- Entwurf des Umweltministeriums: Unklarer Zeitplan für Gesetz zum Schutz von Moor und Wald
       
       > Umweltminister Schneider legt einen Gesetzentwurf zur Stärkung der
       > natürlichen Infrastruktur vor. Ob die Regeln in Kraft treten, ist
       > ungewiss.
       
 (IMG) Bild: Torfmoose: Durch die Zerstörung ihrer Lebensräume, überwiegend Moore und Feuchtheiden, sind die Moose stark gefährdet
       
       Drei Tage lang hatten Umweltexperten in dieser Woche Zeit, um Stellung zum
       Gesetz zur Stärkung der natürlichen Infrastruktur zu nehmen. Das „Natif“
       war lange erwartet worden. [1][Während die Bundesregierung in den
       vergangenen Monaten eine Vorschrift nach der anderen änderte, um schneller
       Straßen, Parkplätze oder Kasernen bauen zu können], blieben die dem
       Naturschutz dienenden Regeln im Gesetzgebungsprozess zwischen den
       Ministerien stecken.
       
       Das Natif enthält zahlreiche Artikel, die das Bundesnaturschutzgesetz
       ändern. Es soll zum Beispiel regeln, wie Eingriffe in die Natur durch den
       Bau von Straßen oder Gebäuden kompensiert werden müssen oder ob und wie in
       Naturschutzgebieten gebaut werden darf. Laut Entwurf stellt es eine
       Weiterentwicklung des schon von der Ampelregierung geplanten
       Naturflächenbedarfsgesetz dar. Das Anliegen – dass Naturschutz Flächen
       benötigt – soll also im Natif aufgehen.
       
       Ein Zeitplan, bis wann der Entwurf im Kabinett oder gar, nach der
       Sommerpause, im Bundestag beschlossen werden könnte, existiert noch nicht.
       Schon munkelt man in Berlin, die CDU-geführten Ministerien wollten das
       Gesetz in die ewigen Sommerferien schicken.
       
       Der anhaltende Biodiversitätsverlust sei zusammen mit dem fortschreitenden
       Klimawandel und der zunehmenden Verschmutzung der Umwelt eine der drei
       existenziellen ökologischen Herausforderungen, begründet Umweltminister
       Carsten Schneider (SPD) die Notwendigkeit des Gesetzes. Die Bundesregierung
       wolle beide Ziele – den Erhalt der biologischen Vielfalt und den schnellen
       Ausbau von Verkehrs- und Energieinfrastruktur – zugleich erreichen.
       
       ## Lob vom Naturschutzbund
       
       Der vorliegende Entwurf schaffe eine wichtige Grundlage,
       Naturschutzmaßnahmen gezielter umzusetzen und diejenigen besser zu
       unterstützen, die Naturschutz in der Fläche leisten, kommentiert
       Jörg-Andreas Krüger, Präsident des Naturschutzbunds, das Vorhaben.
       Landwirtinnen und Landwirte, die mit ihrer Bewirtschaftung
       Gemeinwohlleistungen für Natur, Klima und Wasser erbringen, müssten dafür
       künftig stärker honoriert werden.
       
       Das Umweltministerium habe in seinem ursprünglichen Gesetzentwurf „gute
       Vorschläge gemacht“, kommentiert der Verband WWF den Entwurf. Im Zentrum
       stehe ein überragendes öffentliches Interesse für ein Netz aus
       Schutzgebieten und anderen bedeutenden Naturräumen. Andere Ministerien
       hätten diesen Entwurf aber so massiv abgeschwächt, dass er kaum noch
       Wirkung entfalten könne.
       
       Die Beschleunigungen beim Bau von Bundesstraßen und Autobahnen dürften
       nicht auf Kosten unserer grün-blauen Lebensadern gehen, warnt der Bund für
       Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) – also der Flüsse, Moore, Wiesen
       und Wälder. „Doch genau das passiert.“
       
       Der Bundestagsabgeordnete Jan-Niclas Gesenhues (Grüne), ehemals
       Parlamentarischer Staatssekretär im Umweltministerium, kritisiert das Natif
       in seiner jetzigen Form. Der Umweltminister habe sich hier über den Tisch
       ziehen lassen und das Freikaufen von Naturzerstörung und die Entrechtung
       der Umweltverbände mitgemacht und damit seine wichtigsten Verhandlungshebel
       für ein wirklich schlagkräftiges Natürliche-Infrastruktur-Gesetz aus der
       Hand gegeben.
       
       9 Jul 2026
       
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