# taz.de -- Völkische Gruppe indoktriniert Kinder: Wo die Jungadler fliegen
> Seit Jahren veranstaltet die völkische Gruppe „Jungadler“ konspirativ
> Zeltlager und indoktriniert Kinder – und hat Verbindungen bis zur AfD.
(IMG) Bild: Konspirativer Kreis: Neubulach, 30. Mai 2026. Der rechtsextreme Jungadler trifft sich für eine „Eheleite“, eine völkische Hochzeit
Es sind Szenen an diesem Samstag Ende Mai im kleinen Neubulach im
Schwarzwald, die auch Wanderer stutzen und anhalten lassen. Ganz am
Ortsrand, hinter einer Veranstaltungsscheune, der Faktorei, schreitet am
Morgen eine Art Prozession auf eine frisch abgeheute, hügelige Wiese. Vor
den Bäumen steht eine Tischreihe, feierlich gedeckt mit weißen Laken. Nur
der nahe Waldrand spendet Schatten, dahinter geht es hinab zu einem
Bergwerk. Voran geht ein junges Paar, sie im langen weiß-grauen Kleid, in
den Haaren ein Blumenkranz, er passend dazu mit grauer Weste. Und hinter
ihnen mehr als 150 Personen. Die Frauen und Mädchen ebenso in
traditionellen Kleidern, auch die Männer und Jungen in Tracht. Auf der
Wiese bilden sie einen zeremoniellen Kreis, tanzen und singen, musizieren
mit Gitarren, die Hitze schwirrt. Es wirkt wie ein altertümliches
Spektakel.
Später zieht die Gruppe wieder zurück in die Scheune. Hinter den Gebäuden
sind schwarze Jurten zu sehen, wie sie Pfadfinder benutzen. Der Hof ist
zugeparkt mit Autos, viele mit Dachzelten, dazu Kleinbusse, in denen sich
übernachten lässt. An der Fassade des Gebäudes ist ein Reichsadler zu
erkennen und der Schriftzug: „Deutsches Schutzgebiet“.
Es ist eine „Eheleite“, eine heidnische Hochzeit, die diese Gesellschaft am
30. Mai in Neubulach feiert, einem Kurort mit knapp 6.000 Einwohnenden, 50
Kilometer vor Stuttgart. Die Braut Inga W., eine Handwerkerin, kommt aus
einem nahen Dorf. Der Bräutigam Hartmut B., der als Musiker auftritt, wuchs
in der Nähe des bayerischen Freising auf. Und beide kommen aus
einschlägigen Familien – aus völkischen Familien, die sich selbst als
Sippen bezeichnen.
Denn diese Hochzeit ist mehr als ein ausgelassenes Fest. Es ist ein Treffen
einer Szene, die sich als nationalistische Avantgarde versteht. Die
heidnische Rituale pflegt, um eine antimoderne Lebenswelt von Generation zu
Generation weiterzureichen. Sie soll damit auch den Zusammenhalt dieser
Szene stärken und auch den einer Organisation, der die Frischvermählten
angehören: der Jungadler.
## Verbindungen zur AfD
Es ist eine Gruppe, die Kinder in Zeltlagern zu Härte drillt, die ihnen
NS-Größen als Vorbilder vermittelt. Die sich bundesweit organisiert und
Verbindungen bis zur AfD und der Identitären Bewegung hat. Die sich äußerst
konspirativ gibt. Und bei der sich die Frage stellt, ob sie nicht eine
Nachfolgerin der [1][2009 verbotenen rechtsextremen Heimattreuen Deutschen
Jugend (HDJ)] ist – und damit ebenso verboten gehört.
Und dennoch hatten die Sicherheitsbehörden die Gruppe lange nicht auf dem
Schirm. Erst vor gut einem Jahr scheinen die Jungadler dort wirklich ins
Visier geraten zu sein – durch eine Anzeige ausgerechnet gegen einen
Brandenburger Oberstaatsanwalt, der die Gruppe unterstützt haben soll. Doch
der Jungadler macht weiter.
Die Eheleite in Neubulach gewährt einen Blick hinter die Kulissen einer
äußerst abgeschotteten Szene. Und es sind gleich mehrere Familien mit Bezug
zum Jungadler, die anreisen. Ihre Gesichter prangen nach taz-Recherchen auf
internen Fotos der Gruppe. Diese Fotos zeigen die Jugendlichen auf
Wanderungen in Wäldern, auf Wiesen neben ihren Jurten, marschierend mit
einer schwarzen Dreiecksfahne mit Sonnensymbol. Fast immer in blauen
Kleidern und Hemden, beides Erkennungszeichen der Jungadler.
Nach Neubulach reisen die jungen Ehepaare und Jugendliche nun aus anderen
Gemeinden in Baden-Württemberg an, aus Bayern, Niedersachsen, Sachsen,
Mecklenburg-Vorpommern oder aus Hessen – und einige auch aus Österreich.
Viele der Familien tauchen bereits seit Jahrzehnten in der völkischen
rechtsextremen Szene auf, gehörten zu inzwischen verbotenen Gruppen wie der
[2][Wiking-Jugend], der HDJ, der [3][Artgemeinschaft] – oder zum noch
aktiven „Sturmvogel/Deutscher Jugendbund“, den der niedersächsische
Verfassungsschutz als rechtsextremistisch einstuft. Die Zusammenkunft in
Neubulach zeigt, wie vernetzt die Szene weiter ist – und mittendrin der
Jungadler.
[4][Schon 2017 erwähnte die taz-Autorin Andrea Röpke Jungadler-Aktivitäten
in Mecklenburg in einem Bericht.] Zuletzt berichtete die Zeit als Erste
ausführlicher über die Gruppe und zeigte deren Verbindungen in die AfD auf.
Seit etwa 15 Jahren veranstaltet der Jungadler bereits bundesweit
Zeltlager, organisierte auch Fahrten ins polnische Schlesien, das ehemalige
„Reichsgebiet“.
Man sei ein „kleiner, aber schneidiger Jugendbund“, heißt es in einem
internen Papier in Frakturschrift. Neue Familien sollten „bewusst“
ausgewählt werden. Die Warnung: „Achtung – nicht jeder, der ‚national‘
denkt oder aus ‚völkischen Kreisen‘ kommt, ist auch für unseren Jugendbund
der richtige.“ Neuzugänge sollten „nach ihrem Charakter, ihrer Familie und
deren Umfeld sowie nach ihrem Alter beurteilt werden“. Die Entscheidung für
eine Aufnahme trifft demnach die „Gefährtenschaftsführung“.
Aufgebaut ist die Gruppe in „Horte“, die Namen tragen wie „Barbarossa“ für
den Ableger in Bayern, „Dragoner“ im Norden, „Wolfswald“ in Sachsen-Anhalt
und Sachsen oder „Rote Milane“ in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.
Die Horten seien die „Säulen des Bundes, wie die Familien, die des Volkes“,
wird intern festgehalten. Und: Anspruch der Gruppe sei die
„Persönlichkeitsprägung junger Menschen“.
Wie die aussieht, geht ebenso aus Jungadler-Schriften hervor. Dort werden
dem Nachwuchs NS-Dichter wie Herbert Böhme oder Georg Stammler vermittelt.
Zitiert wird auch Marie Adelheid Reuß zur Lippe, die „braune Prinzessin“,
wie sie in der Szene genannt wurde, die sich im NS-Staat für Eugenik und
„Rassenhygiene“ einsetzte. Verschickt wurden Einladungen zu einer
„Führerschule“, in denen die „Hortenführer“ die „notwendigen theoretischen
und praktischen Grundlagen“ vermittelt bekommen. Führerschulen gab es auch
in der „Hitlerjugend“.
Für die Kinder und Jugendlichen führt die Gruppe in eine völkische
Parallelwelt, die sie nur noch schwer verlassen können – und die schon seit
Jahrzehnten aufgebaut wird. Nur sieben Jahre nach dem Verbot der
Hitlerjugend bildete sich 1952 die paramilitärische Wiking-Jugend. Über
einen Zeitraum von 42 Jahren drillte diese Organisation nach eigenen
Angaben bis zu 15.000 Jugendliche. Erst 1994 erfolgte das Verbot.
Wenig später übernahm die Heimattreue Deutsche Jugend. Auch dort wurden
Zeltlager errichtet und Kinder völkisch indoktriniert, sollten für die
„Blutreinheit“ eintreten. Rund 400 Mitglieder soll die HDJ am Ende gezählt
haben. [5][Das Bundesinnenministerium warf der Gruppe bei ihrem Verbot im
Jahr 2009 vor], sie verbreite „rassistisches und nationalsozialistisches
Gedankengut“ auch schon an Grundschulkinder.
Doch auch nach diesem Verbot blieb es nicht lange ruhig. Weil nun der
Jungadler auftauchte. Mit Gesichtern, die man schon aus der HDJ oder
Wiking-Jugend kannte, aber auch aus anderen völkischen Gruppen wie dem
„Freibund“. Allerdings: Diesmal gibt sich die Gruppe noch konspirativer,
vermeidet jede Öffentlichkeitsarbeit – anders als die HDJ, die noch
Werbevideos veröffentlichte. „Wichtig“, wird intern gewarnt, es werde keine
Werbung auf Veranstaltungen gemacht, auch nicht in Zeitungen – von denen
bezeichnenderweise als Beispiele [6][die rechte Junge Freiheit] und das
[7][rechtsextreme Compact-Magazin] aufgeführt werden. Einladungen zu
Treffen werden nicht digital versandt, bis heute.
Dennoch konnte die taz nun ihre jüngste Zusammenkunft in Neubulach
aufspüren. Und das Hochzeitspaar Inga W. und Hartmut B. und ihre Familien
zeigen exemplarisch, in welcher politischen Welt sich der Jungadler bewegt.
Die Braut Inga W. stammt aus einer Familie mit langer völkischer
Vergangenheit. Schon ihre Eltern gehörten zur Wiking-Jugend, später tauchte
das Paar auch bei der HDJ auf. Inga W.s Zwillingsbruder ist auf einem
HDJ-Kalenderblatt von 2006 in Uniform abgelichtet. Auf einem späteren Foto
ist er wiederum als Mitarbeiter des [8][weit rechten österreichischen
Internetsenders AUF1] zu sehen.
Und Inga W. selbst ist auf gleich mehreren Fotos der Jungadler abgelichtet.
In Trachten sitzt sie auf Veranstaltungen, lacht in die Kamera, reckt eine
Gitarre in die Höhe. Und Inga W. löst auch den Anspruch vieler völkischer
Familien ein, ihren Nachwuchs zu Höchstleistungen anzutreiben. Als
Handwerkerin wurde sie in der Ausbildung mit einem Preis prämiert, sie ist
auch musikalisch engagiert.
Auch die weitverzweigte Familie von Bräutigam Hartmut B. genießt in der
Szene breite Bekanntheit. Seine Mutter wuchs in Argentinien auf. Zur
Hochzeit reisen auch Verwandte aus Bad Aussee in Österreich an. Hartmut B.s
Onkel ist dort Lokalpolitiker der FPÖ. Eine Cousine arbeitete für den
[9][FPÖ-Spitzenpolitiker Herbert Kickl] und ist heute mit einem Aktivisten
der Identitären Bewegung verheiratet. Deren Opa wiederum ist der 2014
verstorbene Rechtsterrorist Manfred Roeder aus Hessen.
Und auch von Hartmut B. gibt es Fotos bei Jungadler-Aktivitäten. Eines
zeigt ihn vor einigen Jahren an der Hand seiner Cousine auf einem
„Älterentreffen“ der Gruppe beim Tanz. 2021 tauchte er dann auch bei
Protesten gegen die Coronamaßnahmen in Österreich auf. Und im Mai 2024
besucht Hartmut B. dann auch einen „Maitanz“ mehrerer völkischer Gruppen,
darunter auch Jungadler, im sächsischen Cossen, das die taz ebenso
beobachten konnte.
Auf der großen Wiese eines Privathofs trafen sich damals die
Gleichgesinnten, mit Blick in das Muldetal. Die Jungadler-Jugendlichen
traten getrennt nach Geschlechtern an, die Mädchen in selbstgeschneiderten
hellblauen Blusen und einheitlich dunklen Röcken mit Tornister und der
schwarzen Dreiecksfahne, die Jungen in groben, dunkelblauen Hemden,
begleitet von dem älteren Hartmut B. Ein Dutzend der jungen Männer stellten
später einen schweren Maibaum auf, schritten danach mit den Frauen in
Festtagskleidung zum Tanz.
Acht Monate später, am 24. Januar 2025, rückte dann die Polizei zu einer
Razzia in Berlin und Brandenburg aus: gegen einen Oberstaatsanwalt der
Generalstaatsanwaltschaft Brandenburg. Sie durchsuchten dessen Büro und
seine Berliner Wohnung, ganz im Süden der Stadt, in einer beschaulichen
Seitenstraße. Seine Frau hatte sich zuvor von dem Juristen getrennt und ihn
angezeigt. Der Verdacht nach taz-Informationen: rechtsextreme
Indoktrinierung der gemeinsamen Kinder, juristisch als Misshandlung von
Schutzbefohlenen bewertet, und die Fortführung einer verbotenen Gruppe –
der HDJ, nun mit dem Jungadler.
Bis heute wird von der Berliner Generalstaatsanwaltschaft gegen den Mann
deshalb ermittelt. Die gibt sich zu dem Fall äußerst zugeknöpft, bestätigt
nur, dass die Ermittlungen noch laufen. Auch der Oberstaatsanwalt selbst
lehnt am Gartenzaun ein Gespräch mit der taz ab, dreht sofort um und läuft
davon. Zumindest in Jugendzeiten scheint er einschlägig aktiv gewesen zu
sein: Sein Name findet sich, samt Adresse, auf einer Mitgliederliste der
Junggothia, einer weit rechten Schülerverbindung aus Berlin.
Zu den aktuellen Vorwürfen prüfen die Ermittler indes auch, inwieweit die
Vorwürfe gegen den Oberstaatsanwalt auch dem Ehestreit entsprungen sind.
Der Verdacht aber, dass ausgerechnet ein Oberstaatsanwalt eine
rechtsextreme Organisation unterstützt oder nur von ihr Kenntnis gehabt
haben könnte, wiegt schwer. Als Jurist in dieser Position hätte er im
Gegenteil Ermittlungen auslösen müssen.
Und: Der Oberstaatsanwalt hat selbst auch familiäre Verbindungen in die
völkische Szene. Sein Schwager ist der [10][AfD-Politiker Laurens Nothdurft
aus Sachsen-Anhalt, dort Ortsbürgermeister in Roßlau] und ein Vertrauter
des AfD-Spitzenkandidaten zur Landtagswahl, Ulrich Siegmund. Nothdurft war
selbst zwischenzeitlich Anführer der HDJ, dessen Frau war
„Bundesmädelsführerin“.
Und Fotos der Jungadler zeigen nun auch mehrere der Kinder von Laurens
Nothdurft. Sieben Kinder hat er insgesamt, die ältesten schon volljährig.
Für das siebte Kind übernahm Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eine
Ehrenpatenschaft, eine traditionelle Geste seines Amtes, um kinderreiche
Familien zu ehren.
Eine taz-Anfrage, warum einige seiner Kinder nun beim völkischen Jungadler
auftauchen, ließ Nothdurft seinen Anwalt beantworten. Nothdurft stehe nicht
in Kontakt zum Jungadler, teilte er mit. Etwaige Nachfolgeorganisationen
der HDJ seien Nothdurft nicht bekannt und er habe die gegen den Jungadler
erhobenen Vorwürfe oder entsprechenden Materialien nicht gekannt. Von
nationalsozialistischem Gedankengut distanziere er sich. Und seine Kinder
würden an diversen Aktivitäten teilnehmen, sich aber nicht politisch
betätigen.
Doch Laurens Nothdurft ist kein Einzelfall. Auch von Peter Felser,
Parlamentarischer Geschäftsführer der AfD im Bundestag, zeigen Fotos des
Jungadlers mehrere seiner Kinder. [11][Zuerst hatte die Zeit darüber
berichtet.] Und auch die leibliche Tochter eines AfD-Vorstands aus
Schleswig-Holstein ist auf Jungadler-Fotos zu sehen – sie war nun ebenso
Gast auf der Eheleite in Neubulach. Aufgewachsen ist sie indes in einer
Familie, die einst bei der Wiking-Jugend führend war. Felser und der
AfD-Landesvorstand aus Schleswig-Holstein ließen taz-Anfragen
unbeantwortet.
Ein Mitstreiter der Jungadler weist im Gespräch mit der taz dagegen zurück,
dass seine Gruppe rechtsextrem sei. Vielleicht hätten einige Eltern eine
einschlägige Vergangenheit, viele andere aber nicht, behauptet der Student,
der seinen Namen nicht öffentlich genannt wissen will. Auch könnten die
Kinder nichts für ihre Eltern. Und: „Man kann überall was finden, wenn man
es drauf anlegt.“ Die Jungadler stünden vielmehr in der Tradition der
bündischen Jugend, die Gruppe sei unpolitisch, fördere nur einen
„kritischen Verstand“, es gehe sonst einzig um gemeinsame Fahrten.
Bei den Jungadlern scheinen die Ermittlungen indes durchaus Diskussionen
ausgelöst zu haben. Zuletzt gab es Hinweise, dass sich Teile der Gruppe
abgespalten haben könnten. Bei der Eheleite in Neubulach ist auffällig,
dass einige der bekannten Mitglieder nicht dabei sind. Der Student will
dazu nichts sagen. Nur: „Die Bünde verändern sich ständig, das ist ein
Dauerzustand.“ Und er habe in die derzeit Verantwortlichen „großes
Vertrauen“. Auch ein Verbot fürchte er nicht. „Da kann ich nur lachen.“
Tatsächlich bleibt das Treiben der Jungadler bis heute ungestört – trotz
der NS-Referenzen, trotz der Indoktrinierung der Kinder in dieser
Parallelwelt. Fragt man bei Sicherheitsbehörden zum Jungadler nach, geben
diese sich ahnungslos – oder zugeknöpft. Von einigen
Verfassungsschutzämtern heißt es, es lägen keine Erkenntnisse zu der Gruppe
vor – oder keine „mitteilungsfähigen“ Informationen.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz und die Landesämter in Sachsen sowie
Baden-Württemberg erklären immerhin, die Gruppe sei „bekannt“. Letzteres
Amt ergänzt noch, dass die Gruppe ein „Jahreswechsellager“ Ende 2024 im
Landkreis Schwäbisch Hall abgehalten habe – und es nimmt eine eindeutige
Einstufung vor, die den Aussagen des Jungadler-Aktivisten widerspricht:
Dass die Jungadler der „rechtsextremistischen völkischen Szene“ zugerechnet
würden.
## Bundesinnenministerium will sich nicht äußern
Vom Bundesinnenministerium unter Alexander Dobrindt (CSU) heißt es, beim
Jungadler äußere man sich „aus grundsätzlichen Erwägungen“ nicht dazu, ob
und gegebenenfalls welche Erkenntnisse man zu der Gruppe habe. Auch zu
möglichen Verbotsplänen äußere man sich grundsätzlich nicht. Spätestens
seit der Durchsuchung des Oberstaatsanwalts in Berlin aber gibt es dort
Hinweise auf den Jungadler. Dass dem so ist, zeigte sich zuletzt auch bei
der [12][Verhandlung vor dem Bundesverwaltungsgericht über das Verbot der
einst ähnlich organisierten Artgemeinschaft] – wo vor Gericht auch der
Jungadler erwähnt wurde.
In Neubulach aber konnte die Gruppe kurz darauf wieder ungestört
zusammenkommen. Und die, die dort anreisen, wirken weiter verschworen und
festverwurzelt in der Szene. Darunter sind Jungadler etwa aus Mittelsachsen
und dem Landkreis Meißen – die als Kinder eine besonders radikale Erziehung
erfuhren. So nahmen zwei Väter ihre Kinder in diesem Frühjahr, und auch in
den zwei Vorjahren, [13][mit zu einem paramilitärischen Aufmarsch nach
Budapest, einem europaweiten Neonazitreffen, bei dem SS und Wehrmacht
verherrlicht werden]. Fotos zeigen die Väter in Flecktarn und historischen
Uniformen, die Kinder darauf sind teilweise vermummt, ein Junge trägt
ebenfalls Uniform. Ähnlich radikal wird der Sohn eines Politikers der
„Heimat“, einst NPD, aus Mecklenburg erzogen: Er nimmt seit Jahren mit dem
Vater an den gewaltbereiten Aufmärschen von Neonazis in Dresden teil,
[14][die dort alljährlich an einen „Bombenholocaust“ der Alliierten zum
Ende des Zweiten Weltkriegs erinnern sollen].
Andere Gäste in Neubulach kommen aus der Lüneburger Heide, es sind Anführer
des rechtsextrem eingestuften „Sturmvogel – Deutscher Jugendbund“. Etwas
verspätet erscheint auch ein früherer Musiker der Rechtsrockband Noie
Werte, die dem verbotenen „Blood & Honour“-Netzwerk zugeordnet wurde.
Das Bild aber prägt vor allem die große Zahl an Kindern und Jugendlichen
vor Ort, die Mädchen in langen Kleidern und mit geflochtenen Zöpfen, die
Jungen diesmal in weißen Hemden und braunen Lederhosen. Auch sie reihen
sich in die Prozession und in den zeremoniellen Kreis der Eheleite ein. Die
nächste Generation des völkischen Lebensbunds.
Mitarbeit: Jean-Philipp Baeck, Timo Büchner
Sie haben Hinweise zur Gruppe Jungadler oder zu anderen völkischen Gruppen?
Kontaktieren Sie gerne taz-Redakteur [15][Konrad Litschko] oder unser
Investigativteam (investigativ@taz.de).
16 Jun 2026
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