# taz.de -- CSU und die Brandmauer in Bayern: Bezirkstag hält AfD-Politiker für Ehrenmann
       
       > Der Bezirkstag Oberfranken hat Michael Genniges (AfD) mit einer
       > Ehrennadel geehrt. Der Kommunalpolitiker ist DIG-Mitglied und kann sich
       > wohl bei der CSU bedanken.
       
 (IMG) Bild: Der AfD-Politiker Michael Genniges spricht bei der Verleihung der silbernen Ehrenmedaille des Bezirks Oberfranken
       
       Ein Verbot des Koran in Deutschland und die Schließung aller Moscheen – das
       unter anderem fordert Michael Genniges aus Bamberg mehrfach bei Facebook.
       Der Mann ist, wenig überraschend, Mitglied der [1][extrem rechten AfD],
       auch Ex-Fraktionsvorsitzender der Partei im Bamberger Kreisrat.
       
       Trotzdem hat der Bezirk Oberfranken Genniges am 28. Mai in feierlicher
       Zeremonie auf Schloss Thurn die Ehrenmedaille in Silber verliehen. Über die
       Auszeichnung stimmen die Bezirksräte ab. Acht von 18 stellt die CSU, drei
       die AfD, der Rest verteilt sich auf die Freien Wähler, die SPD und die
       Grünen. Letztere drei Fraktionen haben laut Informationen des Fränkischen
       Tags mit Nein gestimmt.
       
       Die Empörung über die Entscheidung des Bezirkstags ist groß – unter anderem
       bei der Allianz gegen Rechtsextremismus und auch der Deutsch-Israelischen
       Gesellschaft DIG in Bamberg.
       
       Der Bezirkstag ist eine politstrukturelle Besonderheit des Freistaats
       Bayern: eine dritte Ebene zwischen Gemeinden und Land. Der Bezirk
       finanziert soziale Leistungen wie Wohnheime und Werkstätten, ist Träger von
       Förderschulen und psychiatrischen Kliniken, entscheidet über die Förderung
       von Kulturprojekten – und die Vergabe der Ehrenmedaille aus massivem
       Feinsilber an Persönlichkeiten, „die sich um Oberfranken hohe Verdienste
       erworben haben“.
       
       Michael Genniges aus Scheßlitz bei Bamberg war jahrelang Buchhändler und
       Kleinverleger in der Stadt und Mitinitiator des Bamberger
       Literaturfestivals. „Wenn man in der Begründung gesagt hätte, er bekommt
       die Medaille, weil er so viele Mitarbeiter ausgebildet hat, hätten wir auch
       nicht protestiert“, sagt Jobst Giehler, Vorsitzender der
       Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Bamberg. Der Bezirk würdigt in seiner
       Begründung aber nicht nur Genniges Verdienste um das kulturelle Leben in
       der Region, sondern auch für Verständigung, Dialog und gegen Antisemitismus
       als Vorsitzender der DIG Bamberg. Dies sei, so die Deutsch-Israelische
       Gesellschaft in ihrer Pressemeldung, nicht nur widersprüchlich, sondern
       auch irreführend.
       
       ## Bruch zwischen AfD-Mann und der DIG
       
       Die DIG und Genniges gehen seit 2021 getrennte Wege: Nachdem mehrere
       Vorstandsmitglieder seinetwegen zurückgetreten waren, wurde er in seiner
       Funktion als Vorsitzender abgelöst. Formal sei er bis heute Mitglied, so
       Giehler, ein Ausschlussverfahren aber im Gange. „Ich habe ihn seit 2021 auf
       keiner Veranstaltung mehr gesehen.“ Die menschenfeindliche Grundhaltung der
       AfD sei mit den Werten der DIG nicht vereinbar, seit 2024 ist das auch in
       der Satzung als Unvereinbarkeitsbeschluss formal verankert.
       
       Auch die Nürnberger Allianz gegen Rechtsextremismus wandte sich an den
       Bezirkstag mit der Forderung, die Ehrung zurückzunehmen: „Eine solche
       Ehrung verleiht gesellschaftliche Anerkennung und politische Legitimation
       für eine Partei, die unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung
       zerstören will.“
       
       Als die Bezirksräte im vergangenen November über die Ehrung abstimmten,
       dürfte die Haltung des nun Ausgezeichneten ihnen nicht unbekannt gewesen
       sein. Vorgeschlagen hatte ihn die AfD selbst – wie schon einmal im Jahr
       2024. Damals wurde der Medaillen-Kandidat noch einstimmig abgelehnt.
       
       Möglich war die Mehrheit [2][nur mit Stimmen aus der CSU].
       Bezirkstagspräsident und CSU-Politiker Henry Schramm teilt mit, es hätten
       „keine satzungsgemäßen, formalen oder rechtsstaatlichen Erkenntnisse“ gegen
       Genniges vorgelegen. Er habe wegen seines unternehmerischen und
       ehrenamtlichen Wirkens letztlich für den Kandidaten gestimmt. Der Bezirk
       Oberfranken werde seine internen Regularien und Abläufe nun aber prüfen.
       Mit dem Abstand von wenigen Tagen erklärt Schramm außerdem, er hinterfrage
       sein Abstimmungsverhalten selbstkritisch. Er bedauere, dass der Vorgang
       Kritik und Debatte ausgelöst habe. Die Aberkennung der Ehrung steht
       anscheinend auch im Raum.
       
       Konkrete Fragen nach der grundsätzlichen Ehrungswürdigkeit von
       AfD-Politikern lassen die CSU-Bezirksräte derweil sämtlich unbeantwortet.
       Mit einer Ausnahme: Harald Fichtner, CSU, aus Hof antwortet maximal knapp:
       Nein, er halte Mitglieder der AfD nicht für geeignet, eine Ehrenmedaille zu
       empfangen, und nichts qualifiziere Herrn Genniges. Daraus habe sich sein
       Abstimmungsverhalten ergeben. In seiner Fraktion sahen das offenbar viele
       anders.
       
       22 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Niederlage-fuer-Rechtsextreme/!6188293
 (DIR) [2] https://www.sueddeutsche.de/bayern/oberfranken-csu-afd-bayern-streit-ehrung-michael-genniges-medaille-li.3496851
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Thamm
       
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