# taz.de -- Reichsbürger-Prozess in Frankfurt: Der Hellseher war schuld an den Umsturzplänen
       
       > Wegen Putschplänen steht ein Ex-KSK-Soldat vor Gericht. Er schiebt die
       > Schuld auf Mitangeklagte, belastet sich dabei aber unfreiwillig selbst.
       
 (IMG) Bild: Reichsbürger Prozess: Der ehemalige KSK-Soldat Peter Wörner vor Gericht in Frankfurt am Main, am 30.7.2025
       
       Mehr als zwei Jahre beziehungsweise 135 Verhandlungstage lang hat der
       ehemalige Elitesoldat des Kommandos Spezialkräfte (KSK) vor Gericht
       geschwiegen. Kein Wort hat Peter Wörner zu den Vorwürfen von Terrorismus
       und Hochverrat verloren, die ihn zusammen mit acht weiteren Männern und
       Frauen vor den Staatsschutzsenat des Frankfurter Oberlandesgerichts geführt
       haben: [1][die Vorbereitung eines gewaltsamen Reichsbürger-Putschs],
       angeführt von dem Immobilienunternehmer Heinrich XIII. Prinz Reuß.
       
       Jetzt hat der 58-Jährige, der zuletzt als Survivaltrainer und
       Militariahändler tätig war, überraschend sein Schweigen gebrochen. Es
       sollte wohl ein Befreiungsschlag werden. Doch je länger Wörner am Dienstag
       und Mittwoch redet, desto mehr nähert sich seine Einlassung einem
       Geständnis an.
       
       Wie bereits mehrere Angeklagte vor ihm bekennt sich der Ex-Leutnant zum
       QAnon-Verschwörungsglauben, der besagt, dass Deutschland und die Welt von
       einer pädophilen Elite beherrscht seien, die in unterirdischen Tunneln
       Kinder missbrauchten. Sehr bald würde aber eine internationale Armee namens
       „Allianz“ einmarschieren und für die Rettung sorgen. „Auch ich machte mir
       viele Gedanken um die Befreiung und die Erstbetreuung der Kinder“, sagt er.
       Er und alle anderen, die in Frankfurt vor Gericht stünden, hätten „nur
       Gutes“ gewollt.
       
       Aber: Sie seien in die Irre geführt worden von drei Angeklagten aus den
       parallel laufenden Verfahren in München und Stuttgart. „Wir haben ihnen
       geglaubt, das ist unser Verbrechen“, sagt er. Vor allem einen Mann greift
       Wörner immer wieder an: Thomas T. Der selbsternannte Hellseher hat [2][im
       Münchner Prozess] Umsturzpläne der Gruppe eingeräumt und dabei insbesondere
       die Gewaltbereitschaft von Peter Wörner hervorgehoben.
       
       ## Vision einer Invasion
       
       Der kontert nun, indem er Thomas T. als „graue Eminenz“ darstellt, als
       treibende Kraft und Strippenzieher. Dessen vermeintliche Visionen von einer
       Invasion alliierter Truppen oder einem Angriff auf den Bundestag bemüht
       Wörner als Erklärung für ungefähr alles, was ihm von der Anklage zur Last
       gelegt wird. Eine Schuldzuweisung, die zum Schuldeingeständnis gerät.
       
       Freimütig gibt Wörner zu, das Reichstagsgebäude ausgespäht zu haben –
       mithilfe der damaligen AfD-Abgeordneten und [3][jetzigen Mitangeklagten
       Birgit Malsack-Winkemann]. Und, was diese vehement bestritten hat, mit
       ihrem Wissen: „Klar wurde davon gesprochen, dass es um eine militärische
       Aktion geht“, sagt er. Zwar seien sie davon ausgegangen, dass russische und
       US-amerikanische Soldaten den Löwenanteil der „Aktion in Berlin“ erledigen
       würden. Aber 20 bis 25 Mann hätte auch die Gruppe selbst stellen wollen,
       militärisch ausgerüstet und bewaffnet: „Man geht ja nicht als die sieben
       Schwaben da rein.“ Mit Toten, beteuert er, hätten sie trotzdem nicht
       gerechnet.
       
       Wörner beschaffte Helme, Holster, Schutzwesten und Uniformen. Bei einer
       konkurrierenden Reichsbürger-Truppe, die den Umsturz unter anderem mit
       einer Entführung des damaligen Gesundheitsministers Karl Lauterbach
       erreichen wollte, warb er um kampferprobtes Personal, wenn auch vergeblich.
       Er organisierte ein Schießtraining und besaß illegal eine Waffe, eine
       „Pistole aus belgischer Herstellung für Wehrmacht und Waffen-SS“, wie er
       nicht ohne Stolz mitteilt. Aber die habe er lediglich als Teil seiner
       „Krisenvorsorge“ angeschafft, nicht für den Angriff auf den Bundestag.
       
       ## Angeblich alles auf Befehl
       
       In seiner Erzählung erscheint Wörner als jemand, der immer nur Befehle
       ausgeführt hat – ob er nun Kasernen ausbaldowerte oder Uniformen für die
       Armee des herbeigesehnten neuen Deutschlands entwarf, laut Anklage
       angelehnt an die nationalsozialistische Wehrmacht. Oder wie Wörner sagt:
       „Typisch deutscher Schnitt, modern interpretiert.“
       
       Zu seiner eigenen Motivation hält sich der Mann, der sich von Anwälten mit
       Wurzeln im Neonazi-Milieu verteidigen lässt und in seinem Online-Shop laut
       Medienberichten „Nazi-Rabatt“ gewährt haben soll, auffällig bedeckt. Kein
       Wort dazu, dass er die Bundesrepublik [4][als „blöden Judenstaat“
       bezeichnet haben soll]. Er sei ein „freiheitsliebender Mensch“, sagt er,
       und habe die Bundesregierung für eine „verbrecherische Clique“ gehalten –
       wegen der Coronapolitik. Wenig später erzählt Wörner, der ungeimpft blieb,
       dass er seine eigene Coronainfektion nur mit Glück überlebt habe.
       
       29 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Joachim F. Tornau
       
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       will von seinen Mitverschwörer*innen eigentlich nur ausgenutzt worden
       sein.