# taz.de -- Unvereinbarkeitsliste der AfD: Noch mehr Rechtsextremismus wagen
> Die AfD wählt Anfang Juli ihren Vorstand neu. Höcke will die
> Unvereinbarkeitsliste schleifen – und einen Vertrauten im Vorstand
> installieren.
(IMG) Bild: So offen sind Höckes Arme für Rechtsextreme
Im Falle der Identitären Bewegung wäre es auch die Anerkennung des
faktischen Ist-Zustands: Die Grenzen zwischen der extrem rechten
Organisation und der AfD sind schon lange fließend. Aktivist*innen aus
der [1][von Martin Sellner geprägten Gruppe] arbeiten in Bundestagsbüros,
feilen an Wahlkampagnen mit, stellen in den sozialen Medien AfD-Propaganda
her und beeinflussen die Programmatik der Partei. Und auch andere
[2][extrem rechte Akteure] sind lange fester Teil des politischen Umfelds
der AfD.
Nur auf dem Papier herrscht noch Unvereinbarkeit: Auf der
[3][Unvereinbarkeitsliste der AfD] steht schwarz auf weiß, dass die AfD
keine Mitglieder aufnimmt aus mehreren Hundert extremistischen
Organisationen wie der Identitären Bewegung, mit denen sie teils
mittlerweile eng verflochten ist. Die Unvereinbarkeitsliste ist ein Relikt
aus verlorenen Grabenkämpfen von längst ausgetretenen Parteichefs wie Jörg
Meuthen. Die Liste lehnt sich auch an die Definitionen des
Verfassungsschutzes an, welche die AfD mittlerweile selbst in vielen
Ländern gerichtlich bestätigt als „gesichert rechtsextrem“ führt.
Auf dem anstehenden Parteitag in Erfurt am 4. und 5. Juli würde der
Thüringer Landeschef Björn Höcke die Liste gerne schleifen – und die Partei
noch weiter für extrem rechte Gruppen öffnen. Das geht aus dem der taz
vorliegenden Antragsbuch für den Parteitag vor. Mitunterzeichner sind unter
anderem der Brandenburger Fraktionschef Hans-Christoph Berndt, aber auch
der Landtagsabgeordnete Fabian Jank, der selbst jahrelang bei der
Identitären Bewegung aktiv war. Ziel des Antrags: Die Unvereinbarkeitsliste
soll innerhalb eines Jahres überarbeitet werden. Zuerst hatte der
Nachrichtensender [4][Ntv] darüber berichtet.
Laut einem Sachantrag will Höcke selbst künftig definieren, was in der AfD
als „extremistisch“ gilt: Und zwar nur eine Programmatik, die auf die
„Abschaffung der parlamentarischen Demokratie und Errichtung einer
Diktatur“ abziele. Das Vorgehen müsse dabei „planmäßig und aktiv
kämpferisch“ sein. Ebenso müsse es ein „Bekenntnis und den systematischen
Einsatz von Gewalt (Militanz)“ beinhalten. Damit dürften von einer neuen
Unvereinbarkeitsliste nur noch Terrorgruppen oder offen neonazistische
Kameradschaften ausgeschlossen sein.
## Gnadenfristen für Neonazis
Aber selbst für die gibt es Gnadenfristen: Für aufgeführte Organisationen
wollen die Antragssteller eine Verjährungsfrist einführen. Wenn die
Mitgliedschaft länger als zehn Jahre her ist, soll man trotzdem in die AfD
eintreten dürfen. Nach einer solchen Regelung dürfte theoretisch sogar
Beate Zschäpe Mitglied in der AfD werden.
Und wenn man schon mal dabei ist, die ideologischen Grenzen zu verschieben:
Ebenso müssten die Grünen auf die Unvereinbarkeitsliste aufgenommen werden,
weil sie seit Jahrzehnten an der Zerstörung der Grundlagen Deutschlands
arbeiteten – „solche anti-deutschen Organisationen müssen ebenfalls als
unvereinbar“ gelten, heißt es im Antrag.
Auf dem Parteitag in Erfurt wählt die AfD den Bundesvorstand neu. Die
Doppelspitze Tino Chrupalla und Alice Weidel gilt als gesetzt. Letztere
äußerte sich auf taz-Anfrage nicht zum Höcke-Antrag.
Der Parteitag dürfte durchaus vom Thüringer Landesvorsitzenden geprägt
werden: Höcke hält das Grußwort und will seine rechte Hand, den Thüringer
Bundestagsabgeordneten Stefan Möller, im Bundesvorstand installieren. Nach
taz-Informationen hat das Unterfangen gute Aussichten auf Erfolg. Höcke
selbst traut sich wiederum auch weiterhin nicht für den Bundesvorstand
anzutreten.
Das Antragsbuch ist mit gerade mal 58 Seiten recht schmal. Interessant ist
auch, was alles nicht im darin steht – konflikthaltige Themen blendet die
Partei aus: Keine Anträge gibt es bislang zur lang umstrittenen
Wehrpflicht, dem Verhältnis zu Russland oder zu Trump. Ebenso blendet die
AfD den Umgang mit der Verwandtenaffäre und die mangelnde Aufarbeitung
[5][der Vetternwirtschaft] komplett aus.
Ins Bild der voranschreitenden Radikalisierung bei gleichzeitiger
Professionalisierung passen Anträge zur neu gegründeten
AfD-Jugendorganisation: Diverse Anträge fordern die engere Einbindung der
„Generation Deutschland“ in Parteistrukturen. Das wäre im Einklang mit
einer geschleiften Unvereinbarkeitsliste: auch in der neu gegründeten
Jugendorganisation tümmeln sich zahlreiche Aktivist*innen mit
Verbindungen zu diversen extrem rechten Organisationen – vielfach auch aus
der Identitären Bewegung.
17 Jun 2026
## LINKS
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(DIR) [2] /Goetz-Kubitschek-gegen-Maximilian-Krah/!6098318
(DIR) [3] /Die-AfD-und-die-Identitaeren/!5955016
(DIR) [4] https://www.n-tv.de/politik/Hoecke-will-Unvereinbarkeitsliste-der-AfD-ueberarbeiten-id30976394.html
(DIR) [5] /Vetternwirtschaft-bei-der-AfD/!6152769
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(DIR) Gareth Joswig
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