# taz.de -- Interne Chats in CDU-Fördergeldaffäre: Hinter den Kulissen
> Frag den Staat veröffentlicht Chatverläufe zwischen den Abgeordneten
> Goiny und Stettner und Kultursenatorin Wedl-Wilson. Es sind verstörende
> Einblicke.
(IMG) Bild: Kai Wegner und Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson
„Guten Morgen, liebe Sarah! Zunächst auch von mir herzlichen Glückwunsch
zur Ernennung zur Senatorin! Ich unterstütze Dich gerne bei dieser für
unsere Stadt wichtigen Aufgabe.“
Mit diesem freundlichen Gruß beginnt eine Whatsapp-Kommunikation zwischen
dem CDU-Abgeordneten Christian Goiny und der im vergangenen Mai zur
Kultursenatorin ernannten Sarah Wedl-Wilson. In den folgenden drei Monaten
werden beide bis Mitte Juli mehr als 90 Chatnachrichten austauschen –
allesamt zur [1][Vergabe von Geldern aus einem Sondertopf zur Finanzierung
von Projekten gegen Antisemitismus].
[2][Veröffentlicht wurden die Chats am Donnerstag vom Portal Frag den
Staat]. Dazu gehören auch mehr als 30 Nachrichten, die zwischen
CDU-Fraktionschef Dirk Stettner und der Senatorin ausgetauscht wurden. Die
teilweise bereits bekannte, nun aber vollständig vorliegende Kommunikation,
die lediglich Namensschwärzungen enthält, ermöglicht einen besonderen
Einblick darin, wie CDU-Abgeordnete durch Druck auf die Senatorin – aber
auch durch ihre Mitwirkung – demokratische Standards und aushöhlen und
rechtmäßiges Verwaltungshandeln unterlaufen. Sie geben Einblick in ein
politisches Gebaren hinter den Kulissen, in dem Antisemitismusbekämfung als
Vorwand für einen rechten Kulturkampf dient.
Bereits fünf Tage nach der Begrüßung ist Goinys zugewandter Ton gekippt:
„Bitte spätestens Montag die Bescheide verschicken“, mahnt der Abgeordnete
an. Sein Anliegen: 18 von der CDU ausgesuchte Projekte sollen Gelder durch
die Kulturverwaltung bewilligt bekommen, egal wie.
„Ich möchte aber vorsorglich darauf hinweisen, dass wir nach zweimonatigem
Nichtstun der Verwaltung jetzt nicht in eine detaillierte Antragsprüfung
einsteigen“, lautet Goinys unmissverständliche Anweisung. Wedl-Wilson
reagiert leicht unwirsch, versichert aber ihre Mitarbeit: „Ich hatte dir
zugesagt, dass diese Woche, die noch bis Freitag geht, die ersten Bescheide
rausgehen werden.“ Staatssekretär Oliver Friederici werde fehlende
Unterlagen der Antragssteller „rechtzeitig in nächster Zeit einholen“.
Doch das stellt Goiny noch nicht zufrieden: „Die Formulierung,
‚rechtzeitig, in nächster Zeit‘ ist daher nicht akzeptabel! Die Verabredung
war, dass alle Projekte jetzt so bewilligt werden“, schreibt er. Und:
„Unsere Glaubwürdigkeit hat in der Israelisch-jüdischen Community schon
jetzt erheblich gelitten.“ Wie zuletzt bekannt geworden war, [3][hatte die
CDU die Auswahl der Projekte mit der israelischen Botschaft abgestimmt].
Wedl-Wilson beschwichtigt: „Ich mach [4][erheblichen Druck] und
beschleunige!“
## Saboteure ins Abseits stellen
Als sich Goiny im weiteren Verlauf darüber beschwert, dass es Probleme
gebe, weil die Projekte die geforderte Eigenfinanzierung nach der
Landeshaushaltsordnung nicht leisten können, macht Wedl-Wilson den für sie
vielleicht verhängnisvollen Fehler und schreibt: [5][„Wir können uns aber
drüber hinweg setzen, was wir hiermit tun werden.“]
Weitere formale Anforderungen, die die extrem unter Druck gesetzte
Verwaltung einfordert, bezeichnet der Abgeordnete als „ausgedachte
Formalitäten“, über die sich die Senatorin hinwegsetzen solle. Sie teilt
ihm später mit: „Ich kämpfe täglich gegen die Windmühlen der Verwaltung,
ohne Unterstützung vom Staatssekretär.“ Goiny: „Saboteure müssen wir ins
Abseits stellen!“ Zudem sei es „unumgänglich, beim Regierenden die
Entlassung von Friederici zu beantragen“.
Als im November kritische Presseanfragen eintrudeln, gibt Fraktionschef
Stettner Wedl-Wilson die Marschrichtung vor: „Du kannst darauf entspannt
und vorbereitet antworten, dass es immer um die möglichst schnelle
Unterstützung der Projekte gegen Antisemitismus ging.“
So lautete auch die Sprachregelung, als im Herbst nach der Begründung
gefragt wurde, warum ein Drittel des 10-Millionen-Euro Fördertopfes gegen
Antisemitismus nicht im Juryverfahren vergeben wurde. In einer Antwort im
Hauptausschuss hieß es: „Es werden solche Projekte unterstützt, die im
Haushaltsjahr 2025 durch die Zuwendungsempfangenden tatsächlich umgesetzt
werden können.“
Doch genau diesen Beweis blieb der Großteil der schlussendlich zwölf
geförderten Projekte schuldig. Auf eine taz-Anfrage, ob die geförderten
Projekte bislang umgesetzt seien, hatten zuletzt nur drei überhaupt
geantwortet. Zwei davon geben an, derzeit, also nach Ende des
Projektzeitraums, Film- oder Serienprojekte zu entwickeln. Ein drittes, das
Zera-Institut, hat 2025 lediglich eine öffentliche Veranstaltung
durchgeführt – unter Forschungsleiter Matthias J. Becker, über dessen
geschönten Lebenslauf zuletzt der Spiegel berichtet hatte.
Statt erfolgreiche Projekte gegen Antisemitismus hat die Stadt einen
CDU-Fördergeldskandal bekommen. In den kommenden Wochen werden dazu
zunächst Stettner und Goiny und dann Wedl-Wilson und ihr Vorgänger Joe
Chialo im Untersuchungsausschuss aussagen müssen.
9 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] /CDU-Foerdergeldaffaere/!t6127447
(DIR) [2] https://fragdenstaat.de/artikel/exklusiv/2026/04/cdu-fordermittel-chats/
(DIR) [3] /Antisemitismus-Foerdergeldaffaere-der-CDU/!6160134
(DIR) [4] /CDU-Foerdergeldaffaere/!6158509
(DIR) [5] /Verantwortung-fuer-CDU-Foerdergeldaffaere/!6159474
## AUTOREN
(DIR) Erik Peter
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