# taz.de -- Interne Dokumente zeigen Absprache: Weimers Behörde und Weimers Unternehmen stimmten sich ab
       
       > Wolfram Weimer betont, seine Rollen als Unternehmer und
       > Kulturstaatsminister klar getrennt zu haben. Doch interne Mails werfen
       > neue Fragen auf.
       
 (IMG) Bild: Da kann man sich nur an den Kopf fassen: Wolfram Weimer bei einer Rede am 21. Mai 2026
       
       Erst ein Jahr ist es her, dass [1][Wolfram Weimer] Kulturstaatsminister
       wurde – seitdem bringt er regelmäßig die Kulturbranche gegen sich auf. Eine
       Frage ist dabei zuletzt beinahe in Vergessenheit geraten: Hat Weimer sein
       politisches Amt und seine Rolle als Unternehmer stets sauber getrennt?
       
       Zweifel daran gibt es spätestens seit der Berichterstattung über den
       [2][Ludwig-Erhard-Gipfel]. Die Weimer Media Group, deren Gesellschafter
       Weimer und seine Frau sind, veranstaltet diesen jährlich am Tegernsee. Im
       November 2025 wurde bekannt, dass Tickets zur Veranstaltung für bis zu
       80.000 Euro verkauft wurden. Die Weimer Media Group bewarb sie mit der Nähe
       zu politischen Entscheidern.
       
       Seitdem steht der Vorwurf im Raum, Weimer habe sein geschäftliches
       Interesse und sein politisches Amt nicht sauber getrennt. Weimer bestreitet
       das und verweist darauf, dass er seit Amtsantritt nicht mehr
       Geschäftsführer der Weimer Media Group ist. [3][Zudem kündigte er an, seine
       Anteile an einen Treuhänder zu übergeben.] Es gebe „eine klare Trennung
       zwischen politischem Amt und früherer Tätigkeit als Verleger“.
       
       Doch interne Mails, die der taz vorliegen, zeigen, dass Weimers Behörde und
       die Weimer Media Group in der Kommunikation zur Affäre enger abgestimmt
       waren als bisher bekannt. So haben der Sprecher von Weimers Behörde und der
       Sprecher der Weimer Media Group ihre Antworten auf Presseanfragen zum
       umstrittenen Ludwig-Erhard-Gipfel abgestimmt. Zudem wurde Weimer persönlich
       noch im November 2025 in die Kommunikation der Weimer Media Group
       einbezogen – obwohl er zu diesem Zeitpunkt nach eigener Darstellung keine
       operative Rolle mehr im Unternehmen hatte.
       
       ## Man duzt sich
       
       Die taz hatte bereits Anfang Dezember eine Anfrage nach dem
       Informationsfreiheitsgesetz an Weimers Behörde gestellt. Monatelang bekam
       die taz darauf keine inhaltliche Antwort. Erst nachdem die taz Klage beim
       Verwaltungsgericht Berlin einreichte, erhielt sie Einsicht in einen Teil
       der internen Kommunikation zu der Affäre.
       
       Am 18. November 2025 ging eine Presseanfrage bei der Weimer Media Group
       ein: „Betreff: Eilt: Fragen zum Ludwig-Erhard-Gipfel.“ Es ist ein früher
       Zeitpunkt in dem Skandal, am nächsten Tag bestätigt eine Recherche der
       Zeit, worüber zuerst das rechte Portal Apollo News berichtet hatte.
       
       Der Journalist fragt in der Mail, ob der Minister weiterhin 50 Prozent der
       Anteile an der Weimer Media Group halte und ob der Ludwig-Erhard-Gipfel
       Zugang zu politischen Entscheidern verkaufe.
       
       Der Sprecher der Firma leitet die Anfrage an den Sprecher des
       Kulturstaatsministers, Hero Warrings, weiter. Man duzt sich. „Lieber Hero“,
       schreibt der Firmensprecher, „parallel die Anfrage an uns.“ Weimers
       Sprecher antwortet: „Zu deiner Info. LG Hero.“
       
       ## Mails aus dem Unternehmen gingen an Weimer persönlich
       
       Der Sprecher der Weimer Media Group teilt dem Sprecher der Behörde nun per
       Mail mit, dass man auf fast alle Fragen antworten werde. Der
       Behördensprecher antwortet: „Dann schickste mir die Antwort zu? Danke. LG
       Hero“. Nachdem er die Antwort erhalten hat, bedankt sich der „liebe Hero“
       und schreibt: „Dann beantworte ich nur Frage 4 und du die anderen“.
       
       Der Austausch macht deutlich: Weimers Firma und Weimers Behörde stimmten
       ihre Antworten ab. Zudem hat der Sprecher des Kulturstaatsministers
       Informationen an ein privates Unternehmen weitergeleitet.
       
       Eine aufschlussreiche Information findet sich im Briefkopf der internen
       Mails: Die Mails des Firmensprechers gingen in Kopie an die
       Geschäftsführerin der Weimer Media Group, Christiane Goetz-Weimer, und an
       Wolfram Weimer selbst. Dabei hatte Wolfram Weimer zu diesem Zeitpunkt
       offiziell seit über sechs Monaten keine operative Rolle mehr in der Firma.
       
       Warum wurde Weimer ein halbes Jahr nach dem Ende seiner Tätigkeit als
       Geschäftsführer in die Mails des Unternehmenssprechers einbezogen? Und
       warum stimmte sich die Behörde des Kulturstaatsministers mit einem
       Unternehmen ab, an dem Weimer beteiligt ist?
       
       ## Weimers Adresse ist geschwärzt
       
       Die Weimer Media Group beantwortete bis Redaktionsschluss keine Fragen der
       taz. Weimers Behörde teilte mit, die Presseanfrage habe sich „auf die
       Amtsführung und die (zulässige) wirtschaftliche Beteiligung von Herrn
       Weimer bezogen. Im Interesse einer Beantwortung fand dementsprechend eine
       Abstimmung statt.“ Man sei dann „sehr schnell“ dazu übergegangen,
       Journalisten, die Fragen zur Weimer Media Group stellten, an diese zu
       verweisen.
       
       Die Behörde beantwortete nicht, welche Dokumente genau Weimers Sprecher an
       die Firma schickte. Unbeantwortet blieb auch, ob die Mails der Firma an
       eine private Mailadresse Weimers, an seine Geschäftsadresse oder die
       behördliche gingen – diese Information ist in den Dokumenten geschwärzt.
       
       Sven Lehmann, Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Medien und
       Abgeordneter der Grünen, sagte auf Anfrage der taz: „Ich finde es mehr als
       befremdlich, dass sich Weimers Pressesprecher und der Sprecher der Weimer
       Media Group bei Medienanfragen abgesprochen und Informationen ausgetauscht
       haben.“ Seit Beginn seiner Amtszeit habe Weimer es nicht geschafft, den
       Vorwurf einer Interessensvermischung zwischen seinem Amt als
       Kulturstaatsminister und als Anteilseigner der Weimer Media Group
       auszuräumen. „Nun zeigt sich endgültig, dass diese Vorwürfe berechtigt
       waren“, so Lehmann.
       
       Aurel Eschmann vom Verein Lobbycontrol sagte: „Gerade wegen des
       Interessenkonfliktes wäre ein besonderer Abstand zur Weimer Media Group
       angebracht gewesen.“ Weimers Verhalten sei „eines demokratischen
       Amtsträgers unwürdig und richtet großen Schaden an.“ Bei der geschwärzten
       E-Mail-Adresse von Weimer müsse es sich um eine Privat- oder
       Geschäftsadresse handeln, für die Schwärzung seiner ministerialen Adresse
       gäbe es keinerlei Rechtsgrundlage, so Eschmann.
       
       22 May 2026
       
       ## LINKS
       
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