# taz.de -- Härtere Strafen für Femizide: Gegen patriarchales Besitzdenken
> Femizide sollen künftig generell als Mord bestraft werden. Bisher gelten
> sie häufig als Totschlag. Das könnte das Verständnis solcher Taten
> verbessern.
(IMG) Bild: Laut Bundeskriminalamt tötet bundesweit alle zwei Tage ein Mann seine (Ex-)Partnerin
Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) will, dass [1][Femizide] künftig
generell als Mord bestraft werden. Das sagte sie der Bild am Sonntag. Die
geplante Verschärfung des Strafrechts sieht vor, dass Täter bei
geschlechtsspezifischen Tötungen stets eine lebenslange Freiheitsstrafe
erhalten und frühestens nach 15 Jahren entlassen werden können. Das
Vorhaben kann sinnvoll sein, wenn es das gesellschaftliche Verständnis
solcher Taten verbessert.
Laut Bundeskriminalamt tötet bundesweit alle zwei Tage ein Mann seine
(Ex-)Partnerin. Sehr häufig geht es um Männer, die ihre (Ex-)Partnerinnen
umbringen, [2][weil sie sich trennen wollen oder schon getrennt haben].
Solche Tötungen können auch bisher als Mord strafbar sein, denn hier ist
eindeutig das Mordmerkmal der „niedrigen Beweggründe“ erfüllt. Das Problem
ist also nicht der Wortlaut des Gesetzes, sondern, dass Gerichte oft
Mitleid mit dem Täter haben, der die Trennung „schlecht verkraftet“ habe,
und die Richter den Täter deshalb nur wegen Totschlag verurteilen.
In der Regel folgen solche Tötungen aber nicht auf eine glückliche,
gleichberechtigte Beziehung, sondern auf [3][patriarchal unterdrückerische
Beziehungen], bei denen der Mann die Frau immer mehr kontrolliert, sie
isoliert und ihr kein eigenständiges Leben zugesteht. Tödliche
Partnerschaftsgewalt in solchen Beziehungen ist keine bemitleidenswerte
Tragödie. Es geht um Tötungen aus patriarchalem Besitzdenken.
Würde dies im Strafgesetzbuch als eigenständiges Mordmerkmal verankert,
wären Gerichte (hoffentlich) sensibilisiert, den patriarchalen Charakter
der Beziehung besser aufzuklären. Es würde auch deutlich, in welcher Art
von Beziehung eine Frau besonders gefährdet ist – was auch [4][bei der
Prävention helfen] könnte.
Für das neue Mordmerkmal werden nun Formulierungen diskutiert wie „Femizid“
oder „wer eine Frau tötet, nur weil sie eine Frau ist“ oder
„geschlechtsspezifische Gründe“. Diese Formulierungen sind aber zu weit, zu
eng oder zu ungenau. Vor allem aber vermeiden sie den entscheidenden
Begriff des Patriarchats.
12 May 2026
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(DIR) Christian Rath
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