# taz.de -- Bundestag beschließt Gewaltschutzgesetz: Mit der Fußfessel gegen häusliche Gewalt
> Der Bundestag hat die Gewaltschutzreform beschlossen. Aber reichen
> Fußfesseln und Täterarbeit aus? Kritiker:innen verweisen auf das
> Vorbild Spanien.
(IMG) Bild: Gewalttäter mit gerichtlich verhängten Annäherungsverboten können mit der elektronischen Fußfessel kontrolliert werden
Gerichte haben zukünftig mehr Handhabe, um Opfer von häuslicher und
geschlechtsspezifischer Gewalt zu schützen. Der Bundestag hat am Freitag
eine entsprechende Reform des Gewaltschutzgesetzes beschlossen. Damit ist
es möglich, dass gegenüber Gewalttätern und Stalkern die elektronische
Fußfessel und Anti-Gewalt-Trainings verhängt werden. Justizministerin
Stefanie Hubig (SPD) setzt damit ein Koalitionsvorhaben der schwarz-roten
Regierung um.
Die Maßnahme soll vor allem in Hochrisikofällen wirken: Gewalttäter mit
gerichtlich verhängten Annäherungsverboten können dann mit der
elektronischen Fußfessel kontrolliert werden. Betreten diese eine Warnzone,
die zum Schutz des Opfers gezogen wurde, werden Behörden alarmiert und
können, wenn nötig, das Annäherungsverbot durchsetzen und im schlimmsten
Fall Tötungsdelikte oder schwere Körperverletzungen verhindern.
## Vorbild Spanien
Im Jahr 2024 wurden 265.942 Menschen in Deutschland [1][Opfer von
häuslicher Gewalt], wie aus dem „[2][Lagebild] geschlechtsspezifisch gegen
Frauen gerichtete Straftaten“ des Bundeskriminalamts hervorgeht. Fast
[3][80 Prozent der Opfer waren weiblich]. Mindestens 328 Frauen und Mädchen
wurden im Jahr 2024 von Männern getötet.
Als Vorreiter im [4][Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt gilt
Spanien]: Seitdem dort die Fußfessel 2009 eingeführt wurde, sank die Zahl
getöteter Frauen deutlich. [5][Wie auch in Spanien sollen Betroffene
entscheiden können], ob sie per GPS-Gerät über eine Annäherung des
gewalttätigen Mannes mit elektronischer Fußfessel informiert werden wollen.
Darüber hinaus soll die Fußfessel nicht nur im Gewaltschutz, sondern auch
in Fragen des Umgangsrechts zum Einsatz kommen. Auch Kinder sollen so
besser vor gewalttätigen Elternteilen geschützt werden.
Ein Streitpunkt in der Diskussion war dabei, ob die Betroffene ein
Mitspracherecht bei der Verhängung der elektronischen Fußfessel haben
sollte. Die Mehrheit der Abgeordneten lehnte dies ab, da sonst die Gefahr
bestehe, dass Täter „erheblichen Druck auf die verletzte Person ausüben“,
um eine solche Maßnahme zu verhindern.
## Gewaltkreisläufe durchbrechen
Ein weiterer Bestandteil der [6][Gesetzesreform] betrifft die sogenannte
Täterarbeit. Gewalttäter können nun dazu verpflichtet werden, an sozialen
Trainingskursen und Gewaltpräventionsberatungen teilzunehmen. Handeln die
Täter gegen die angeordneten Maßnahmen, sollen zukünftig auch höhere
Strafen möglich sein. Der Strafrahmen wurde von zwei auf drei Jahre
hochgesetzt. Insbesondere aus den Bundesländern gab es bereits im letzten
Jahr die Forderung einer Strafverschärfung.
Der Schutz von Frauen gegen Gewalt geht in Spanien jedoch weiter. Dort wird
eine algorithmusgestützte Risikoanalyse durchgeführt, um das
Gefährdungspotenzial für Frauen zu bewerten. Die Polizei, Sozialdienste und
Gerichte, die auf geschlechtsspezifische Gewalt spezialisiert sind,
arbeiten vernetzt und können so der Risikostufe entsprechende,
abgesprochene Schutzmaßnahmen ergreifen. Frauen in Spanien erhalten
außerdem einen kostenlosen Rechtsbeistand und psychologische Unterstützung.
Auch haben sie das Anrecht, in der Familienwohnung zu bleiben. Darüber
hinaus gilt in Spanien eine „Nur Ja heißt Ja“-Regelung bei sexualisierter
Gewalt.
Für die frauenpolitische Sprecherin der Linken, Kathrin Gebel, hat die in
Deutschland umgesetzte Reform deshalb wenig mit dem spanischen Modell zu
tun: „Die Bundesregierung muss aufhören, das Spanische Modell auf eine
Fußfessel zu reduzieren.“ Das Gesamtkonzept fehle, um Frauen vor Gewalt zu
schützen. Das spanische Modell wirke, so Gebel, weil Gewalt gegen Frauen
dort als politisches und strukturelles Problem behandelt werde.
## Kein Schlusspunkt
Die Grünen und auch die AfD hatten im Ausschuss der Einführung der
elektronischen Fußfessel zugestimmt. Zugleich forderte Lena Gumnior von den
Grünen jedoch: „Wenn Sie schon nach Spanien schauen, dann auch richtig.“
Dort gelte, so Gumnior seit 2022 auch das „Ja heißt Ja“-Gesetz.
Die schwarz-roten Koalitionspartner begrüßten die Verabschiedung des
Gesetzes am Freitag. Carmen Wegge, rechtspolitische Sprecherin der SPD,
sagte der taz: „Dass die Polizei künftig schon durch eine Warnzone
alarmiert wird, bevor ein Täter die Schutzzone verletzt, wird Leben retten
können.“ Das Gesetz sei aber kein Schlusspunkt, so Wegge, und verweist auf
das Gesetz gegen digitale Gewalt, härtere Strafen für den Einsatz von
K.-o.-Tropfen, die Strafbarkeit von Catcalling sowie Reformen im Sorge- und
Umgangsrecht. Auch Justizministerin Hubig kündigte im Bundestag an, dass es
weitere Maßnahmen zum Gewaltschutz geben werde.
Der Unionsabgeordnete Günter Krings forderte darüber hinaus das
Sexkaufverbot nach nordischem Vorbild, um Frauen weitergehend vor Gewalt zu
schützen. Das Sexkaufverbot ist in der Koalition allerdings umstritten.
8 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Zum-Tag-gegen-Gewalt-gegen-Frauen/!6128745
(DIR) [2] https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/JahresberichteUndLagebilder/StraftatenGegenFrauen/StraftatengegenFrauenBLB2024.html?nn=237578
(DIR) [3] /Anwaeltin-zur-Dunkelfeldstudie-Das-Ausmass-der-Gewalt-in-Beziehungen-ist-erschuetternd/!6153546
(DIR) [4] /Fussfessel-gegen-haeusliche-Gewalt/!6103908
(DIR) [5] /Umgang-mit-Taetern/!6106314
(DIR) [6] https://dserver.bundestag.de/btd/21/058/2105809.pdf
## AUTOREN
(DIR) Amelie Sittenauer
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