# taz.de -- Demos für die Energiewende: „Sie sind gekauft, treten Sie zurück!“
       
       > Tausende Menschen demonstrieren in Berlin gegen die Abwicklung der
       > Energiewende. Im Fokus: die Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche
       > (CDU).
       
 (IMG) Bild: Am Invalidenpark warnte Luisa Neubauer vor einer „Unterwanderung der Energiewende“
       
       Luisa Neubauers Stimme hallt über den sonnigen Platz. Die bunte Menge an
       Leuten, die hier am Samstagmittag im Invalidenpark unter dem Motto
       [1][„Erneuerbare Energien verteidigen!“] demonstrieren, hören gebannt zu,
       wie sie vor einer „Unterwanderung der Energiewende“ warnt. Während sie
       spricht, herrscht nahezu Stille, macht sie eine Pause, erfüllt Jubel die
       Luft. Auf Schildern steht etwa „Es Reiche(t)!“. Einer der Demonstrierenden
       hat sich als Windrad verkleidet.
       
       Von Eltern, die ihre Kinder auf den Schultern tragen, über jugendliche
       Freundesgruppen bis zu älteren Menschen – auf der Demo sind alle
       Altersgruppen vertreten. Viele der üblichen Verdächtigen sind hier, wie die
       Omas Gegen Rechts oder Aktivist:innen von Greenpeace und Fridays for
       Future. Immer wieder aber sind auch Menschen zu sehen, die äußerlich nicht
       das typische Klimademo-Publikum darstellen. Erklärtes Ziel der Proteste war
       es, auch etwa Besitzer:innen von Solardächern oder
       Installateur:innen und Investor:innen im Bereich der erneuerbaren
       Energien anzusprechen – also alle, die ein Interesse daran haben, dass die
       Energiewende nicht einfach so den Bach heruntergeht.
       
       Dieses Ziel zu verfolgen, wird in Reden vielfach der
       Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) vorgeworfen. Deren
       Ressort hatte [2][zuletzt mit einem umstritten „Netzpaket“], [3][der
       Neufassung des Erneuerbaren-Energie-Gesetzes] und [4][des Heizungsgesetzes]
       immer wieder Klimaziele erheblich aufgeweicht. Für den Samstag hatten
       Umweltorganisationen deshalb bundesweit auf die Straße gerufen. Allein in
       Berlin sprachen die Veranstalter:innen von 24.000 und die Polizei von
       9.000 Demonstrierenden. Bundesweit sollen laut Organisator:innen
       80.000 Menschen auf die Straße gegangen sein.
       
       Gegen das fossile Rollback forderte Greenpeace mehr soziale Förderungen für
       Mieter:innen, einen beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien und
       insgesamt mehr „Energiewende für alle anstatt der Lobbypolitik von
       Katherina Reiche.“ Im [5][Aufruf zur Demonstration] hieß es zudem, Öl und
       Gas machten Deutschland erpressbar gegenüber Autokrat:innen wie Trump
       oder Putin. Die Energiepreise würden so in die Höhe getrieben. Auch von
       Extremwetterereignissen aufgrund der Klimakrise seien besonders die
       ökonomisch schwächeren Teile der Gesellschaft betroffen.
       
       ## Politiker:innen fordern Rücktritt
       
       Einer der Demonstrierenden stellt sich der taz als Christian vor. Der
       49-Jährige gehe sonst nicht auf Klimademos, sagt er. Aber momentan
       entwickle sich die Politik der Bundesregierung „in eine ganz falsche
       Richtung“. Er habe eine kleine Tochter, auch für ihre Zukunft sei er heute
       hier. Der 19-jährige Nika – nach eigenen Angaben ebenfalls kein regulärer
       Klimademo-Gänger – sagt der taz, immerhin sei dies ja vielleicht etwas
       Positives der gegenwärtigen Entwicklung: „Dass mal mehr Leute checken, wie
       scheiße das alles ist und was wirklich abgeht“.
       
       Anders als bei vielen Klimademonstrationen kommen auch Politiker:innen
       zu Wort. So etwa [6][Luigi Pantisano von den Linken, der aktuell für den
       Vorsitz seiner Partei kandidiert] und sich auf der Demo dann auch nicht
       zurückhält. „Frau Reiche, Sie sind gekauft, treten Sie zurück“, forderte
       er. Zuletzt hatten [7][Medienberichte] nahegelegt, dass die
       Wirtschaftsministerin und ehemalige Managerin einer Eon-Tochter beim
       Energiekonzern EnBW um Argumentationshilfen für den Bau neuer Gaskraftwerke
       nachgefragt haben soll.
       
       Auch der Grünen-Vorsitzende Felix Banaszak ließ die Menge auf der Demo
       „Reiche, weiche!“ skandieren. Etwas vorsichtiger äußerte sich dagegen die
       SPDlerin Nina Scheer, deren Partei in einer Regierung mit der CDU sitzt.
       Dennoch, sagte Scheer, sollten sich Vorwürfe wie die angefragte
       Formulierungshilfe bewahrheiten, sei das eine „Obstruktion vonseiten des
       Ministeriums und gegen das Gemeinwohl“. Wer so etwas in die Wege leite,
       könne „nicht länger in Verantwortung bleiben.“
       
       19 Apr 2026
       
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 (DIR) Mila Kassem
       
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