# taz.de -- Neue Klimademos angekündigt: Energiewende bei den Fridays
> Die Klimabewegung will gegen die schwarz-rote Energiepolitik auf die
> Straße gehen. Unterstützung erhofft sie sich von der Wirtschaft.
(IMG) Bild: Die Klimabewegung will wieder mehr Menschen mobilisieren, Luisa Neubauer bei einer Protestaktion im September 2025
Klima- und Umweltschutzverbände wollen am Samstag Zehntausende auf die
Straßen bringen, um die erneuerbaren Energien gegen die Politik der
schwarz-roten Bundesregierung zu verteidigen. „Es ist wieder Zeit für
Großproteste, denn Wirtschaftsministerin Katherina Reiche will die enorme
Ausbaudynamik der Erneuerbaren zerstören“, sagte Christoph Bautz,
Geschäftsführer der Kampagnenorganisation Campact.
„Wir bleiben als Demokratie bedroht, solange die Energieversorgung und
unsere wirtschaftliche Entwicklung in den Händen fossiler Autokraten
liegt“, warnte Luisa Neubauer, Sprecherin von Fridays for Future. „Die
Klimakatastrophen sind da, aber selbst wer dafür keinen Blick hat, sieht
jetzt, dass es keine resiliente und zukunftsfähige Wirtschaft gibt, wenn
die Erneuerbaren nicht ausgebaut werden.“
Neben Campact und Fridays for Future rufen auch Greenpeace, Deutsche
Umwelthilfe, WWF, GermanZero und Germanwatch [1][zu den Demonstrationen in
Hamburg, Berlin, Köln und München auf]. Das Bündnis fordert deutlich mehr
Tempo beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Das müsse die Reaktion sein
auf den Krieg im persischen Golf, den Angriff auf die Ukraine, aber auch
die Grönlandkrise, sagte Bautz: „Wir müssen unabhängig werden von fossilen
Autokraten.“
Auch Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK, stellt sich hinter
die Forderungen des Bündnisses: „Wer heute noch mit Gas und Öl heizt,
beschleunigt den Klimawandel, ist aber auch abhängig von denen, die die Öl-
und Gaspreise bestimmen.“
Die Regel abzuschaffen, dass neue Heizungen zu 65 Prozent mit erneuerbaren
Energien betrieben werden müssen, wie es die schwarz-rote Koalition plant,
sei deshalb ein „riesiger Rückschritt“. „Das ist eine Falle, aus der
Menschen nicht mehr herauskommen, und gefährdet eine bezahlbare Zukunft der
Bürger“, sagte Bentele.
## Bündnis will auch Hausbesitzer*innen mobilisieren
Das Bündnis will auch Handwerker*innen, Eigenheimbesitzer*innen und
Unternehmer*innen mobilisieren, die nicht den Kern der Klimabewegung
ausmachen. „Wir sehen einen unglaublichen Zuspruch von Betrieben, die mit
ihrer ganzen Belegschaft kommen wollen“, sagte Neubauer.
Die Erneuerbarenbranche sei bisher nicht besonders laut gewesen, „aber
jetzt reißt ihnen der Geduldsfaden“, so Neubauer. Zu seinen
Unterstützer*innen zählt das Bündnis unter anderem den Bundesverband
Nachhaltige Wirtschaft und den Landesverband Erneuerbare Energien
Mecklenburg-Vorpommern.
Unter Katherina Reiche erarbeitet das Bundeswirtschaftsministerium derzeit
verschiedene Vorschläge, um den Ausbau der Erneuerbaren auszubremsen. Das
legen entsprechende Entwürfe nahe, [2][die an die Öffentlichkeit gelangt
sind]. So sollen Solar- und Windanlagen zum Beispiel nicht mehr garantiert
ans Stromnetz angeschlossen werden.
Am Mittwoch [3][berichtete der Spiegel], dass das Ministerium darüber
hinaus den Konzern EnBW um Argumentationshilfen für Gaskraftwerke und gegen
Großstromspeicher gebeten habe. EnBW will mehr Gaskraftwerke bauen.
Diese Großspeicher seien aber ein „Gamechanger“, sagte der Physiker Harald
Lesch. Wenn zu viel Strom aus Wind und Sonne produziert werde, könnten sie
den überschüssigen Strom speichern und darüber hinaus „dort hingestellt
werden, wo sie gebraucht werden“ – also in die Nähe von Städten und
Industrie, sodass das Stromnetz entlastet wird.
„Ich bin geschockt, dass wir demonstrieren müssen für den gesunden
Menschenverstand, für erneuerbare Energien“, sagte er. Fossile Technologien
zu fördern, wie es das Bundeswirtschaftsministerium vorhabe, verglich Lesch
damit, „in die Häuser der Leute zu gehen und LEDs mit Fackeln zu ersetzen“.
## Neubauer: „Wir schaffen politische Krisen“
Um die „fossil-ideologische“ Politik der Bundesregierung zu stoppen,
„brauchen wir Druck auf allen Ebenen“, sagte Neubauer. Deshalb werde FFF am
24. April Politiker*innen erstmals in ihren Wahlkreisen direkt mit den
Forderungen der Aktivist*innen konfrontieren. Wenn die aktuellen Krisen
nicht ausreichen, „schaffen wir politische Krisen, damit die Regierung
loslegt“, kündigte sie an.
„Protestbewegungen sind mächtig und einflussreich“, sagte Bautz. Sie seien
heute wieder gefragt, um die bereits errungenen Erfolge zu verteidigen.
„Wir sehen einen Zeitpunkt, der eine Chance bietet“, sagte Neubauer.
„Lieber wagen wir was, als uns jetzt kleinzumachen.“
15 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Klimapolitik-der-Bundesregierung/!6166182
(DIR) [2] /Ausbau-der-Erneuerbaren-in-Gefahr/!6164754
(DIR) [3] https://www.spiegel.de/wirtschaft/katherina-reiches-ministerium-bat-enbw-um-argumente-fuer-gaskraftwerke-a-1ce69ada-8eff-444b-a7f9-4eaf4d6e5447
## AUTOREN
(DIR) Jonas Waack
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