# taz.de -- 40 Jahre Tschornobyl: Atomkraft? Immer wieder: Nein, danke
> Konservative Politiker*innen lassen die Zombie-Debatte um Atomkraft
> in Deutschland immer wieder aufleben – eine schlechte Idee.
(IMG) Bild: Die Sperrzone mit einem Radius von 30 Kilometern um das havarierte Atomkraftwerk in Tschornoby bleibt für Jahrtausende unbewohnbar
Krass: Im Jahr 2025 wurden in Deutschland fast 3.000 erlegte Wildschweine
wegen überhöhter Strahlenbelastung vernichtet. Sie fressen sehr viele
Waldpilze, die nach wie vor mit Cäsium-137 belastet sind. Das berichtete
die [1][Bild am Samstag unter Berufung auf das Bundesverwaltungsamt]. Die
Ursache: [2][der Super-GAU von Tschornobyl] (russisch Tschernobyl), der
jetzt fast auf den Tag genau 40 Jahre her ist.
Am 26. April 1986 explodierte der Kernreaktor im Block 4 des Atomkraftwerks
Tschornobyl auf ukrainischem Gebiet, damals in der Sowjetunion. Es ist der
bisher schwerste Unfall in der Geschichte der zivilen Atomkraftnutzung. Die
Folgen dauern an. Das zeigt sich vor Ort, eine Sperrzone mit einem Radius
von 30 Kilometern um den havarierten Block bleibt für Jahrtausende
unbewohnbar. Aber es laufen eben auch verstrahlte Wildschweine durch den
Bayerischen Wald. Fast 2.000 Kilometer vom Ort des Super-GAU entfernt.
Das macht es absolut unverständlich, dass vor allem
Unionspolitiker*innen zu jeder sich bietenden Gelegenheit den
deutschen Atomausstieg infrage stellen. Zum Beispiel vor ein paar Tagen der
Fraktionschef der Unionsfraktion im Bundestag, Jens Spahn. Er könne sich
vorstellen, deutsche Atomkraftwerke wieder in Betrieb zu nehmen, sagte der
CDU-Politiker am Rande eines sogenannten Innovationskongresses der
Fraktion.
Dagegen spricht vieles: AKWs sind zwar emissionsarm (nicht emissionsfrei!),
neue Anlagen sind aber extrem teuer und ihr Bau dauert lange. Nicht einmal
die großen Energiekonzerne sprechen davon. [3][Sie wollen auch nichts von
der Wiederinbetriebnahme ihrer abgeschalteten AKWs wissen].
Natürlich, anderswo stecken Staaten Unsummen an Steuergeld in die
Atomkraft, auch in neue AKWs. Die weltweite Atomstromproduktion erreichte
2024 sogar den bisher höchsten Stand, allerdings nur in absoluten Zahlen.
Gleichzeitig sank der Anteil der Atomkraft am globalen Strommix auf 9
Prozent – weil die erneuerbaren Energien viel schneller wachsen.
Logisch: Windräder und Solaranlagen sind in den vergangenen Jahrzehnten
immer billiger geworden. Sie produzieren keinen radioaktiven Müll, um den
sich nachfolgende Generationen noch Hunderttausende Jahre sorgen müssten.
Und von ihnen geht im Falle von Unfällen oder auch bei kriegerischen
Angriffen keine weltweite Gefahr aus. Deshalb setzte sich [4][die wieder
erstarkende Klimabewegung in Deutschland] auch vor allem für Wind- und
Solarkraft ein – und nur in einer kleinen Minderheit für AKWs.
20 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.bild.de/leben-wissen/wissenschaft/wegen-tschernobyl-wildschweine-in-deutschland-noch-immer-verstrahlt-69de6cebeb7a70750aaf7769
(DIR) [2] /40-Jahre-Tschornobyl/!t5010181
(DIR) [3] /Streit-um-Atomkraft/!6077411
(DIR) [4] /Demos-fuer-die-Energiewende/!6172085
## AUTOREN
(DIR) Susanne Schwarz
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