# taz.de -- Gestärkte Wirtschaftsministerin Reiche: Marktradikale mit großer Fanbase
       
       > Katherina Reiche hat noch nichts auf die Kette gekriegt, auch aus
       > Wirtschaftssicht. Doch ihr ideologischer Überbau schützt sie.
       
 (IMG) Bild: Lichtgestalt des marktradikalen Flügels in der Union: Wirtschaftsministerin Reiche, im Gespräch mit Kanzler Merz
       
       Kurz sah es so aus, als sei CDU-Bundeswirtschaftsministerin Katherina
       Reiche angezählt. Aber sie sitzt fester im Sattel denn je – obwohl die
       Union mit dem Tankrabatt eine Entlastung mitbeschlossen hat, die der
       Christdemokratin aus „ordnungspolitischen“ Gründen mächtig gegen den Strich
       geht, weil sie gegen jegliche Preiseingriffe ist. Die Ministerin ist zur
       Lichtgestalt des marktradikalen Flügels in der Union geworden.
       
       Nachdem Reiche SPD-Finanzminister Lars Klingbeil wegen dessen Vorschläge
       zur Dämpfung der Energiepreise öffentlich brüskierte, ließ [1][Kanzler
       Friedrich Merz umgehend sein Befremden darüber] an Medien streuen. Doch wer
       glaubt, damit sei Reiches Amt in Gefahr, irrt. CDU-Ministerpräsidenten
       nennen sie eine „Stimme der Vernunft“, die Chefs des einflussreichen
       Parlamentskreises Mittelstand und der Jungen Union stehen hinter ihr. In
       der CDU-Vorstandssitzung erhielt sie Applaus. Auch Merz stärkte ihr wieder
       den Rücken.
       
       Dabei: Gründe für eine Abberufung Reiches gäbe es genug. Noch hat sie kein
       großes Projekt abgeschlossen, weder die Ausschreibung neuer Kraftwerke zur
       Absicherung des Kohleausstiegs noch die Einführung eines
       Industriestrompreises. Die deutsche Wirtschaft kommt auch wegen hoher
       Energiepreise nicht in Schwung. Die Ministerin hat offensichtlich keine
       Idee, wie eine Trendwende gelingen kann.
       
       Das stört den Wirtschaftsflügel der Union und seine Ableger in
       Unternehmensverbänden aber nicht. Denn ihnen gefallen die simplen Antworten
       der Ministerin auf die schwierige wirtschaftliche Lage, weil sie sie
       teilen: Die Leute sollen länger arbeiten, der Sozialstaat soll geschleift,
       die Steuern für Unternehmen sollen gesenkt und [2][die Klimaziele vertagt
       werden] – und der Staat soll sich ansonsten raushalten.
       
       Reiche lässt keine Gelegenheit aus, diese Ideen zu präsentieren. Sie hat
       sich damit, obwohl rhetorisch keineswegs für diese Rolle geeignet, zur
       Repräsentantin dieses Unionsflügels gemacht. Und der ist mächtig, auch weil
       der Kanzler im Prinzip genauso denkt.
       
       Das gibt ihr Rückenwind, um ihre verqueren energiepolitischen Vorhaben
       durchzusetzen. Und das wird es ihren Gegnern auch in der eigenen Koalition
       schwerer machen, falsche Weichenstellungen zu verhindern. Das ist bitter.
       Denn Reiche macht genau das, was ihrem Vorhänger Robert Habeck
       fälschlicherweise vorgeworfen wurde: Sie handelt hoch ideologisch, auch in
       Zeiten des Ölschocks.
       
       Statt dem Ausbau der Erneuerbaren einen neuen Schub zu geben, hält sie an
       ihren Plänen fest, die Energiewende brachial abzuwürgen. Aus der CDU wird
       sie niemand daran hindern, auch wenn das Ganze ökonomischer Wahnsinn ist.
       
       14 Apr 2026
       
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