# taz.de -- Ölkonzerne kassieren ab: 37 Millionen Euro Zusatzgewinn pro Tag
> Nach einer Studie von Greenpeace bauen die Ölkonzerne ihre Übergewinne
> während der Waffenruhe im Nahen Osten aus. Der Lobbyverband bestreitet
> das.
(IMG) Bild: Rohöltanker: Durch die Sperrung der Straße von Hormus kommen zurzeit kaum Schiffe aus dem Persischen Golf auf die Weltmeere
Die Mineralölkonzerne in Deutschland können im Zuge des Irankriegs ihre
zusätzlichen Gewinne weiter ausbauen, weil sie Preissenkungen nicht
weitergeben. Das legen die Ergebnisse einer Studie im Auftrag der
Umweltorganisation Greenpeace nahe. Demnach haben Ölkonzerne in Deutschland
in den ersten Tagen der Feuerpause 37 Millionen Euro pro Tag mehr Gewinn
gemacht als vor Kriegsbeginn, [1][das zeigen Berechnungen des
Energieexperten Steffen Bukold] im Auftrag der Umweltorganisation
Greenpeace. In den ersten beiden Kriegswochen lag der Zusatzprofit den
Berechnungen zufolge noch bei 21 Millionen Euro täglich.
Die Mineralölkonzerne in Deutschland profitieren stark davon, dass seit
Beginn des Irankriegs die Ölpreise auf dem Weltmarkt stark schwanken.
Zwischen dem 2. März und dem 12. April haben die Konzerne in Deutschland im
Vergleich zur Vorkriegszeit insgesamt rund 1,2 Milliarden Euro an
zusätzlichen Gewinnen gemacht, zeigt die Untersuchung.
Der Hintergrund: Iran blockiert die Ausfahrt aus dem Persischen Golf,
[2][die Straße von Hormus.] Nur wenige Schiffe konnten seitdem die Meerenge
passieren. Da durch die Straße rund 20 Prozent des globalen Ölbedarfs
transportiert werden, fehlen diese Mengen nun auf dem Weltmarkt. Das hat
die Preise nach oben getrieben. Allerdings führen Zeichen für einen Frieden
und ein Ende der Blockade regelmäßig zu sinkenden Preisen.
Auch zu Beginn der derzeitigen Waffenruhe zwischen Iran und den USA sanken
die Preise. Vom 8. bis 12. April ist der Ölpreis von im Schnitt 100 Dollar
pro Barrel auf 95 Dollar gesunken – und der zusätzliche Gewinn der Konzerne
deutlich gestiegen. Der Studie zufolge lag der durchschnittliche
zusätzliche Gewinn – im Vergleich zur Vorkriegszeit – während der Angriffe
im Benzinmarkt bei im Schnitt 5,1 Millionen Euro täglich und in den Tagen
des Waffenstillstands bei 7,1 Millionen Euro täglich. Im Dieselmarkt lagen
die Übergewinne während der Kriegstage bei durchschnittlich 21,9 Millionen
Euro und während der Feuerpause bei 29,8 Millionen Euro pro Tag.
## Greenpeace fordert Übergewinnsteuer
„Die Ölkonzerne machen schamlos Kasse auf dem Rücken all derer, die von
einem Verbrenner abhängig sind“, sagt Greenpeace-Sprecher Matthias
Lambrecht. „Eine Übergewinnsteuer ist überfällig.“ Auch etliche Umwelt- und
Verbraucherverbände, die Grünen sowie die Linkspartei fordern eine
Übergewinnsteuer, mit der zusätzliche Profite der Mineralölkonzerne
abgeschöpft werden.
Dafür gibt es ein Vorbild: Mit einer Übergewinnsteuer wurden bereits in der
letzten Energiekrise in den Jahren 2022 und 2023 übermäßige Profite der
Mineralölkonzerne abgeschöpft. Damals nahm der deutsche Staat rund 2,5
Milliarden Euro ein. Alle EU-Staaten zusammen erzielten rund 29 Milliarden
Euro. Die Umsetzung fiel in den EU-Mitgliedsländern unterschiedlich aus. In
Deutschland wurde die Steuer auf die Gewinne fällig, die 20 Prozent über
denen der Jahre 2018 und 2019 lagen. Darauf lag der Steuersatz bei 33
Prozent.
Die Übergewinnsteuer muss auf europäischer Ebene eingeführt werden. Die SPD
ist dafür, Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) dagegen, CSU-Chef Markus
Söder will eine Einführung prüfen lassen. Bundesfinanzminister Lars
Klingbeil (SPD) will sich in Brüssel für eine Einführung einsetzen, das ist
[3][Teil der Koalitionsvereinbarung vom vergangenen Wochenende]. SPD und
Union haben sich auch darauf geeinigt, die Mineralölsteuer auf Benzin und
Diesel um 17 Cent pro Liter für zwei Monate zu senken. Die Senkung soll am
1. Mai in Kraft treten.
Davon hält Greenpeace nichts. „Die eigentliche Knappheit am Spritmarkt
steht uns erst bevor“, warnt Lambrecht, denn die Blockade der Straße von
Hormus hält an. „Wenn die Bundesregierung ausgerechnet jetzt Benzin und
Diesel verbilligt, macht sie das Problem nur noch größer.“ In Kürze kommen
die letzten Tanker in Europa an, die den Persischen Golf vor Kriegsbeginn
verlassen haben. Danach droht Öl und damit Sprit knapp zu werden.
## Branchenverband weist Vorwurf der Preistreiberei zurück
Der Lobbyverband der Mineralölkonzerne mit dem futuristischen Namen en2x
bestreitet die Ergebnisse der Greenpeace-Berechnung. „Die Greenpeace-Studie
ist ein rein theoretisches Modell. Die Zahlen stimmen daher nicht“, sagt
ein en2x-Sprecher. Eigene Zahlen zu den Gewinnen der vergangenen Wochen
legt der Verband aber nicht vor.
Die Greenpeace-Studie setze die nationalen Tankstellenpreise in Bezug zu
den Rohölnotierungen, sagt der Sprecher. Entscheidend für die
Tankstellenpreise seien die Notierungen für die fertigen Produkte Benzin
und Diesel etwa in Rotterdam. Diese Produktpreise würden in der aktuellen
Situation aufgrund von Knappheiten immens vom Rohölpreis abweichen,
argumentiert er. Außerdem würden die Raffinerien ihr Rohöl nicht nur zum
offiziellen Börsenpreis einkaufen, sondern teilweise am Spotmarkt mit bis
zu 50 US-Dollar je Barrel Aufschlag.
Der Verband weist den Vorwurf der Preistreiberei zurück. Preissenkungen
würden unmittelbar an die Tankkundschaft gehen, sagt der Sprecher. Der
„Tankrabatt“ soll den Kund:innen komplett zugutekommen. „Die
Steuersenkung bei Benzin und Diesel wird Anfang Mai vollständig an die
Tankkundinnen und Tankkunden weitergegeben“, sagt er.
Eine Übergewinnsteuer lehnt der Verband ab. Eine Einordnung von Gewinnen
als reguläre und als vermeintliche Zufallsgewinne aufgrund der
geopolitischen Situation würde die wirtschaftliche Stabilität der Branche
schwächen, sagt der Sprecher.
15 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.greenpeace.de/publikationen/Oelkrise_Steigende_Uebergewinne.pdf?utm_campaign=verkehr&utm_source=www.greenpeace.de&utm_medium=referral&utm_content=press-release
(DIR) [2] /Strasse-von-Hormus/!6159021
(DIR) [3] /Entlastungen-bei-den-Energiepreisen/!6170173
## AUTOREN
(DIR) Anja Krüger
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