# taz.de -- Hohe Spritpreise: Vergesst die Übergewinnsteuer!
> Damit die Mineralölkonzerne durch den Tankrabatt nicht Reibach machen,
> soll es eine Übergewinnsteuer geben. Doch die ist nicht die Lösung.
(IMG) Bild: Ob Übergewinn oder nicht, die Pumpen drehen sich
Steigen die Spritpreise, steigt in Deutschland auch der Puls vieler
Politiker. Angesichts der leidenschaftlichen Debatte könnte der Eindruck
entstehen, die Republik stünde still, weil Benzin 2,30 Euro je Liter kostet
und nicht mehr 1,85 Euro. Dabei bremsen immer noch zu viele Autos den
Verkehr und stauen sich auf deutschen Straßen. Weil alle Menschen gern
weniger für Benzin zahlen, hat die Bundesregierung den Tankrabatt
beschlossen, der die Steuer auf einen Liter Sprit um 17 Cent senken soll –
wenn alle mitmachen und der Weltmarktpreis wegen des Nahostkrieges nicht
weiter steigt. SPD und Linke wiederum vermuten einen Krisenprofit der
[1][Mineralölkonzerne, den sie per Übergewinnsteuer] abschöpfen wollen.
Als Verbraucher wünscht man sich das enorme Gewese um teuer gefüllte Tanks
auch einmal bei den Gütern des täglichen Bedarfs. [2][Die
Lebensmittelpreise steigen seit Jahren und belasten alle Menschen]. Aber
Sprit ist im Autofahrerdeutschland offenbar wichtiger. Nur: Eine
Übergewinnsteuer ist keine gute Lösung – und hat viele Tücken. Zum einen
taugt sie nicht, um die Verbraucher schnell zu entlasten. Mit ihr ließe
sich höchstens nachträglich etwas finanzieren. Zum zweiten ist es schwer,
genau nachzuweisen, in welchem Umfang ein Konzern von einer Krise
profitiert. Es ist willkürlich, den durchschnittlichen Gewinn der
vergangenen fünf Jahre als Grundlage zu nehmen und alles, was darüber
liegt, zu besteuern. Warum nicht acht Jahre? Oder nur drei?
Ein Unternehmen könnte auch mehr verdient haben, weil es die internen
Kosten gedrückt hat. Außerdem ist unklar, ob am Ende des laufenden
Geschäftsjahres tatsächlich Übergewinne bei den Mineralölkonzernen
angefallen sind. Schließlich ist nicht genau vorhersehbar, wie sich 2026
weiter entwickelt – und damit unklar, wie viel die Steuer einspielt. Zudem
ist nicht einmal klar, ob die Steuer überhaupt rechtens ist. Entsprechende
Klagen gegen die Übergewinnsteuer von 2022/23 liegen derzeit beim
Europäischen Gerichtshof. Ausgang offen.
Es ist erstaunlich, dass gerade [3][dieselbe Debatte geführt wird wie schon
2022], teilweise sogar wortgleich. In einer zunehmend unübersichtlichen
Wirtschaftswelt, in der sich die USA als ordnende Macht verabschiedet
haben, muss sich Deutschland auf Situationen wie die eines steigenden
Ölpreises einstellen. Nötig sind langfristig gültige Regeln, die im Notfall
greifen. Hilfreich wäre, die Abhängigkeit vom Öl zu verringern. Sonst
bleibt es beim kurzfristigen Hickhack mit schlechten Lösungen wie dem
Tankrabatt oder der Übergewinnsteuer. Die gaukeln politisch klares Handeln
vor, bringen den Menschen aber wenig.
16 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Irankrieg-Oelkonzerne-machen-ueber-37-Mio-EUR-Zusatzgewinn-pro-Tag/!6171138
(DIR) [2] /Hohe-Energiepreise/!6171182
(DIR) [3] /Entlastungen-bei-den-Energiepreisen/!6170173
## AUTOREN
(DIR) Björn Hartmann
## TAGS
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Benzin
(DIR) Steuer
(DIR) Preise
(DIR) Erdöl
(DIR) Lebensmittel
(DIR) GNS
(DIR) Benzinpreise
(DIR) Energiepreise
(DIR) Katherina Reiche
(DIR) Friedrich Merz
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Reportage von der Zapfsäule: Keiner sagt hier Tankeschön
Wie kommt der geplante Spritrabatt bei Autofahrenden an? Ein Nachmittag an
der informellen Tankstelle der Bundesregierung.
(DIR) Ölkonzerne kassieren ab: 37 Millionen Euro Zusatzgewinn pro Tag
Nach einer Studie von Greenpeace bauen die Ölkonzerne ihre Übergewinne
während der Waffenruhe im Nahen Osten aus. Der Lobbyverband bestreitet das.
(DIR) Hohe Energiepreise: Andere Länder entlasten die Mehrheit, Deutschland nur Reiche
Griechenland, Australien, Pakistan – sie alle haben gerechte Lösungen für
die Energiekrise gefunden. Die Bundesregierung hat sich dagegen
entschieden.
(DIR) Streit um Maßnahmen gegen Energiekrise: Koalition außer Rand und Band
In der Debatte um Entlastungen geht Wirtschaftsministerin Reiche auf
Finanzminister Klingbeil los. Von Kanzler Merz wird sie dafür
zurechtgewiesen.