# taz.de -- Protestbrief aus dem Bundestag: Liebe Mitglieder der Knesset, bitte keine Todesstrafe!
> Am Montag könnte das israelische Parlament über die Todesstrafe
> abstimmen. Ein rot-grünes Duo appelliert an die Abgeordneten, das
> Verfahren zu stoppen.
(IMG) Bild: Adis Ahmetovic und Deborah Düring
Die Todesstrafe ist in Israel de facto abgeschafft. Bald könnte sie aber
zurückkehren: Das israelische Parlament stimmt möglicherweise schon am
Montag über einen Gesetzesentwurf ab, [1][der Hinrichtungen durch Erhängen
vorsieht und sich laut Kritiker:innen ausschließlich gegen
Palästinenser:innen richtet.] Diese Woche passierte der Entwurf den
zuständigen Fachausschuss.
Protest dagegen kommt jetzt unter anderem aus dem Bundestag: Die
außenpolitischen Sprecher:innen von Grünen und SPD, Deborah Düring und
Adis Ahmetovic, haben die Mitglieder der Knesset in einem Brief
aufgefordert, den Gesetzgebungsprozess zu stoppen. In dem Schreiben, das
der taz exklusiv vorliegt, drücken sie als „Anwälte der einzigartigen
Freundschaft zwischen Deutschland und Israel“ ihre „tiefe Besorgnis“ über
die Pläne aus.
„Wir sind der festen Überzeugung, dass unter keinen Umständen Leben
genommen werden darf“, schreibt das rot-grüne Duo. Das folgt für die beiden
Abgeordneten auch aus dem Völkerrecht. Neben ihrer „grundsätzlichen
Ablehnung der Todesstrafe“ führen sie aber auch eine Reihe spezifischer
Kritikpunkte an.
Erstens bezeichnen Düring und Ahmetovic es als „diskriminierend“, dass der
Entwurf offenbar nur auf Palästinenser:innen abziele. Zweitens
kritisieren sie, dass Ad-Hoc-Tribunale und [2][Militärgerichte im
Westjordanland] über Kapitalverbrechen gegen Zivilist:innen verhandeln
sollen – unter Umgehung herkömmlicher Verfahrensregeln. „Dies wirft
ernsthafte Bedenken hinsichtlich des Rechts auf Gleichheit vor Gericht
auf.“
## Kein Besuch und kurze Fristen
Drittens würden Garantien für faire Verfahren auch darüber hinaus
ausgehöhlt. So würden etwa Ermessensspielräume und Berufungsmöglichkeiten
eingeschränkt, während Angehörige und Anwält:innen nur stark
eingeschränkt Zugang zu Angeklagten erhalten sollen. „Diese Maßnahmen
untergraben die Unabhängigkeit der Justiz und erhöhen das Risiko
unwiderruflicher Fehler“, schreiben Düring und Ahmetovic.
Viertens kritisieren sie, dass Todesurteile [3][laut dem Gesetzesentwurf
schnell vollstreckt werden müssen.] Die Vorgaben schafften „ein
inakzeptables Risiko willkürlicher Tötung“ und widersprächen den Prinzipien
von „Gerechtigkeit und Fairness in Gerichtsverfahren“.
Die beiden Außenpolitiker:innen verurteilen zwar „die schrecklichen
Verluste von Menschenleben und die Sicherheitsprobleme, die Israel
erleidet“. Terrorismus und Gräueltaten erforderten „wirksame
Gegenmaßnahmen“. Der Gesetzesentwurf berge aber die Gefahr gravierender
Menschenrechtsverstöße. „Vor allem würde dies das Leben der israelischen
Bürger nicht sicherer machen, sondern wahrscheinlich Spaltung und
extremistische Narrative begünstigen“, schreiben Düring und Ahmetovic an
die „lieben Mitglieder der Knesset“.
29 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Tobias Schulze
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