# taz.de -- Deutschland und das Völkerrecht: Linke zu Israel ungewohnt einig
> Die Linke-Fraktion fordert, israelische Siedlungen im Westjordanland zu
> sanktionieren und Warenimporte zu verbieten. Sogar Bodo Ramelow ist
> dafür.
(IMG) Bild: Die Linken-Fraktion fordert gezielte Sanktionen gegen israelische Siedlungen im Westjordanland
Die Linke kann sich beim Thema Nahost [1][doch noch einig] werden – oder
zumindest die Linke-Fraktion im Bundestag. Einstimmig hat sie am
Dienstagabend ein Positionspapier beschlossen, das Vizefraktionschefin
Nicole Gohlke und Lea Reisner, Sprecherin für internationale Beziehungen,
vorgelegt haben. Das Papier enthält eine Reihe von Forderungen, die den
deutschen Umgang mit Israels Siedlungspolitik im Westjordanland betreffen.
So fordert die Linke-Fraktion gezielte Sanktionen [2][gegen israelische
Siedlungen] sowie Unternehmen, die sich an ihrem Bau und ihrer
Instandhaltung beteiligen. Waren, die in diesen Siedlungen produziert
werden, sollen vom europäischen Binnenmarkt ausgeschlossen werden. Auch mit
israelischen Universitäten und Forschungseinrichtungen in den besetzten
Gebieten soll es keinerlei Zusammenarbeit geben, und sie sollen von
internationalen Forschungsprogrammen, EU-Förderungen und bilateralen
Wissenschaftsabkommen ausgeschlossen werden. Das gilt insbesondere für die
Ariel University, die sich in der gleichnamigen, tief im Westjordanland
gelegenen Siedlung befindet und die namentlich genannt wird.
Bisher gibt es keine offizielle Kooperation zwischen deutschen Hochschulen
und der Ariel University. Die Forderung betrifft aber auch deutsche
Unternehmen, die in den besetzten Gebieten aktiv sind, auch über Umwege –
etwa Heidelberg Materials. Die UN [3][werfen dem Unternehmen vor, an
völkerrechtswidrigen Geschäften im Westjordanland zu verdienen]; der
Konzern weist diesen Vorwurf zurück. Wenn es nach der Linken geht, sollen
deutsche Unternehmen und Hochschulen künftig verpflichtet werden, ihre
Aktivitäten in den besetzten Gebieten offenzulegen. Falls Firmen dort aktiv
sind, sollten auch sie sanktioniert und von Vergaben durch den deutschen
Staat und die Bundesländer ausgeschlossen werden.
## Scharfe Kritik an Volker Beck
„Der Antrag ist auf meinen Wunsch erarbeitet worden“, betont [4][Bodo
Ramelow], der in der Partei als Freund Israels bekannt ist und etwa den
[5][Zionismusbeschluss seiner Partei in Niedersachsen] scharf kritisiert
hatte. Als Vorstand der Rosa-Luxemburg-Stiftung habe er einst auch das Büro
im Westjordanland betreut und sei über die Entwicklungen dort gut im Bilde,
sagt er der taz. Ramelow ist zudem Mitglied der Deutsch-Israelischen
Gesellschaft (DIG). Deren Präsident, der Grünen-Politiker Volker Beck,
hatte das vorab geleakte Papier in der Welt als „rhetorisch geschickten
Dreh zur Delegitimierung des Staates Israel“ kritisiert.
Ramelow dagegen wirft Beck vor, „jede Distanz zu Netanjahu und seinen
rechtsradikalen Ministern verloren“ zu haben. Israels Premier habe
klargemacht, dass der Ausbau der Siedlungen dazu diene, einen
palästinensischen Staat zu verhindern. „Wenn wir unser Bekenntnis zu einer
Zweistaatenlösung ernst nehmen, dürfen wir nicht dazu schweigen, was dort
passiert, denn es führt nur zu mehr Gewalt und Zerstörung“, so Ramelow.
„Die Linksfraktion unterstützt keine pauschalen oder undifferenzierten
Boykottaufrufe als allgemeine politische Strategie“, stellt sie in ihrem
Beschluss klar. Es gehe ihr vielmehr um konkrete Maßnahmen und Sanktionen
gegen die völkerrechtswidrige Besetzung. Die Partei beruft sich dabei auf
ein [6][Gutachten des Internationalen Gerichtshofs (IGH) aus dem Jahr
2024], das die israelische Besetzung der seit 1967 besetzten
palästinensischen Gebiete als unrechtmäßig einstuft und Staaten auffordert,
daraus Konsequenzen zu ziehen.
## Risiko der Komplizenschaft
Auch die Bundesregierung lehnt die israelische Besetzungs- und
Siedlungspolitik im Westjordanland als völkerrechtswidrig ab. Zugleich will
sie aber ihre [7][Zusammenarbeit mit Israel ausbauen]. „Dass Deutschland
die Kooperation mit Israel insbesondere im Sicherheitsbereich ausweiten
möchte, ist angesichts der aktuellen israelischen Politik ein fatales
Zeichen, auch unabhängig von der Besetzung“, sagt Nicole Gohlke. „Dass es
ein reales Risiko gibt, durch diese Zusammenarbeit auch die illegale
Besetzung weiter zu stützen, macht diese Entscheidungen nur noch weniger
akzeptabel.“
25 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Streit-ueber-Israel-in-der-Linkspartei/!6164762
(DIR) [2] /Israels-genehmigt-illegale-Siedlungen/!6140678
(DIR) [3] /Heidelberg-Materials/!6122645
(DIR) [4] /Bodo-Ramelow-ueber-Bundestagswahlkampf/!6059522
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(DIR) [6] /Gutachten-zum-Westjordanland/!6024766
(DIR) [7] /Eine-bessere-PR-Botschafterin-als-Julia-Kloeckner-kann-sich-Netanjahu-nicht-wuenschen/!6153998
## AUTOREN
(DIR) Daniel Bax
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