# taz.de -- Siedlergewalt im Westjordanland: Siedlermilizen außer Rand und Band
       
       > Am Wochenende haben Siedler erneut palästinensische Dörfer angegriffen.
       > Auslöser soll in diesem Fall der Tod eines 18-jährigen Siedlers gewesen
       > sein.
       
 (IMG) Bild: Nach der Gewalt: Ein ausgebranntes Haus in der Ortschaft Deir al-Hatab bei Nablus
       
       Sechzehn palästinensische Dörfer sind in einer Nacht [1][angegriffen]
       worden. Das schreibt am Sonntagnachmittag der palästinensische Botschafter
       in Deutschland, Laith Arafeh, auf X. Videos, die Nutzer*innen und Medien
       verbreiten, zeigen lichterloh brennende Autos und Häuser, schreiende,
       herumrennende Männer, Blaulicht und Sirenen sowie wegfahrende Krankenwagen.
       Menschen eilen zu den Bränden mit Eimern in der Hand.
       
       Auslöser soll der Tod eines 18-jährigen Siedlers gewesen sein. Laut
       israelischen Medien fuhr der junge Mann am Samstagnachmittag in einem
       Geländefahrzeug mit seinem Bruder und einem weiteren Israeli in der Nähe
       des [2][illegalen Außenpostens] Shuva Yisrael Farms nahe Nablus, als es zur
       Kollision mit einem palästinensischen Wagen kam. Den Vorfall stufte die
       Polizei zunächst als Verkehrsunfall ein.
       
       Israelische Politiker*innen, darunter Finanzminister Bezalel Smotrich,
       bezeichneten ihn jedoch als Angriff. Sicherheitskräfte teilten laut der
       israelischen Zeitung Haaretz mit, der Vorfall werde nun als möglicher
       Terroranschlag untersucht. Auf Nachfrage spricht die israelische Polizei
       von einem „parteiischen und ungenauen Framing der Ereignisse“. Man habe die
       Informationen nach und nach aktualisiert, als neue Erkenntnisse ans Licht
       kamen. Die Untersuchung laufe noch.
       
       [3][Auf X sprach Smotrich indes bereits von „Mord“, der junge Mann sei
       „gefallen, als er unser Land verteidigte, indem er am Land von Samaria]
       [biblischer Name für einen Teil des Westjordanlands, Anm. d. Red.]
       festhielt“. Der rechte Politiker hat in der Vergangenheit immer wieder für
       eine Annexion des Westjordanlands plädiert.
       
       ## King David’s Bataillons im Westjordanland unterwegs
       
       Der Regionalrat für Samaria schrieb in einer Mitteilung auf Facebook, nach
       Angaben der Überlebenden hätte das palästinensische Fahrzeug vor der
       Kollision beschleunigt. Bestätigt ist das nicht. Doch die Aussagen haben Öl
       ins Feuer gegossen. In Online-Gruppen von Siedlern wird der Unfall als
       Terrorangriff gewertet und zur Rache aufgerufen.
       
       In einem Whatsapp-Kanal verabredeten sich Siedler*innen am Sonntag um 17
       Uhr an mehreren Kreuzungen im Westjordanland, um gegen den mutmaßlichen
       Angriff zu protestieren sowie die „Vertreibung des Feindes“ und die
       Aufhebung der Oslo-Abkommen zu fordern. Im Chat ist zudem von „Vertuschung“
       die Rede.
       
       Die Journalistin Matan Golan schrieb in einem Post auf X, einige radikale
       Siedler bezeichneten sich inzwischen als „King David’s Batallions“, was auf
       eine Art selbsternannte Miliz hindeutet. Ein Screenshot legt nahe, dass die
       Gruppe Verantwortung für Angriffe in Jalud, Sebastia und Fandaqumiya
       beansprucht.
       
       Am Sonntag kam es erneut zu Zwischenfällen. In mehreren Dörfern setzten
       Dutzende Siedler Autos und Gebäude in Brand. Ein Sprecher des
       Palästinensischen Roten Halbmondes bestätigt, sie hätten am Wochenende neun
       Menschen behandelt, einer davon mit Schusswunde.
       
       ## In den frühen Morgenstunden kamen die Angreifer wieder
       
       Die Angreifer warfen zudem Steine und versperrten Straßen. In Jalud
       sprühten sie „Rache für Jehuda“, den 18-jährigen Verstorbenen, an eine
       Wand. Zweimal kamen die Siedler ins Dorf, erzählt Ratsvorsitzender Raed Haj
       Mohammad, am Samstag und am frühen Sonntagmorgen. Zunächst beschädigten sie
       vier Autos, versuchten, sie in Brand zu setzen, müssten aber zurückweichen,
       als die Bewohner*innen herbeieilten.
       
       Dann kamen sie in den frühen Morgenstunden wieder, über 100 Männer,
       schlugen Fenster ein, setzten Autos und Gebäude in Flammen. „Sie waren
       maskiert und wir wissen nicht, wer sie sind, aber sie kamen aus den
       umliegenden Siedlungen, wie man auf Überwachungskameras sieht.“
       
       Haaretz sprach unter Berufung auf Sicherheitskreise von 20 Attacken. Fünf
       Israelis soll das Militär inzwischen festgenommen haben. Eine Anfrage zu
       den Ereignissen am Samstag und Sonntag ließen Polizei und Militär
       unbeantwortet. Laut einem Bericht der Times of Israel soll indes ein
       Infanteriebataillon ins Westjordanland geschickt worden sein, das
       eigentlich für den Einsatz im Libanon gedacht war.
       
       Bereits seit Beginn des Irankriegs ist die Zahl der Angriffe durch radikale
       Siedler im Westjordanland stark gestiegen. Mindestens sechs Palästinenser
       wurden dabei getötet. Das Büro für die Koordinierung humanitärer
       Angelegenheiten der Vereinten Nationen (OCHA) zählt vom 28. Februar bis
       Mitte März insgesamt 14 Opfer und 135 Verletzte, mehr als die Hälfte davon
       werden auf Siedlergewalt zurückgeführt. Im gleichen Zeitraum wurden fünf
       Israelis verwundet.
       
       24 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Serena Bilanceri
       
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