# taz.de -- Angriff auf palästinensische Familie: Im Westjordanland patroullieren Siedler in Uniform
> Wer waren die Soldaten, die am Wochenende die Familie Bani Odeh
> erschossen? In den Fokus israelischer Medien rücken die Grenzpolizei und
> sogenannte Siedlersoldaten.
(IMG) Bild: Große Trauer um die vier Mitglieder der Familie Odeh, die während einer Armeeoperation in Tammun, Westjordanland, getötet wurden
Spät am Samstagabend fahren sechs Mitglieder der palästinensischen Familie
Bani Odeh – die Eltern und vier Kinder – aus der Stadt Dschenin in ihr Dorf
Tammun im nördlichen Westjordanland zurück. Sie haben Einkäufe getätigt für
das Fest Eid al-Fitr zum Ende des Ramadans. Auf ihrem Weg treffen sie auf
einen Trupp der israelischen Grenzpolizei.
Die eröffnen das Feuer auf das Auto und töten vier Familienmitglieder:
Vater Ali Chaled Bani Odeh, 37; Mutter Waad Othman Bani Odeh, 35; den
siebenjährigen Othman, der Berichten zufolge besondere Bedürfnisse hatte
und blind war; den fünfjährigen Mohammed. Zwei weitere Kinder werden leicht
verletzt. Der elfjährige überlebende Sohn erzählt danach: Die Soldaten
hätten ihn und seinen Bruder nach den Schüssen geschlagen, sie ausgezogen.
Gewalttaten israelischer Streitkräfte gegen Palästinenser im Westjordanland
sind allgemein keine Seltenheit: In den vergangenen Monaten hat die
israelische Armee (IDF) [1][groß angelegte Razzien in Städten im gesamten
Westjordanland durchgeführt], in Tulkarem, Hebron – oder auch im Dorf
Tammun der Familie Bani Odeh. Das Militär erklärt, gegen Milizen
vorzugehen; viele Palästinenser empfinden ihr Vorgehen aber als
Kollektivbestrafung.
Dabei sterben auch Zivilisten: Etwa im Januar 2025 wurden im Rahmen einer
Operation [2][zwei Kinder durch einen Drohnenangriff in Tammun getötet.]
Laut den Vereinten Nationen wurden seit dem 7. Oktober 2023 im
Westjordanland insgesamt über 1.000 Palästinenser durch das Militär oder
Siedler getötet.
## „Schwerwiegender professioneller Fehler“
Oft schaffen es diese Vorfälle kaum in die großen Schlagzeilen der
israelischen Nachrichten. Diesmal sprechen in Israel viele darüber.
Laut ersten Berichten hatten Männer in Militäruniform die Familie
erschossen. [3][Beim öffentlich-rechtlichen Sender Kan 11] zitierten
Moderatoren Mitglieder des Verteidigungsapparats so: Das Verhalten der
Soldaten – sei „unverhältnismäßig“ und ein „schwerwiegender professioneller
Fehler“ gewesen.
Die Times of Israel schreibt: Als das Auto der Bani Odehs auf Tammun
zufuhr, habe sich gerade eine „Spezialpatrouille“ der Grenzpolizei bereit
gemacht, in das Dorf einzudringen. Die Grenzpolizei ist eine etwas
ungewöhnliche Einrichtung: Sie operiert unter dem Dach der Armee und ein
Teil ihrer Angehörigen wird aus dem breiten Pool der Wehrpflichtigen
rekrutiert. Doch eigentlich ist sie Teil der Polizei, [4][die dem
rechtsextremen Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir untersteht].
Kan 11 wies auch darauf hin, dass das Verteidigungsministerium nach einem
„besonders schweren Vorfall“ im vergangenen November in Dschenin bereits
erwogen hatte, den Einsatz der Einheit der Grenzpolizei auszusetzen. Damals
wurden zwei palästinensische Verdächtige aus nächster Nähe erschossen –
nachdem sie ihre Hände zur Kapitulation erhoben hatten.
## Oder töteten doch Siedlersoldaten die Familie?
In der nachfolgenden Berichterstattung änderte sich jedoch die Darstellung:
Die Schützen seien gar keine normalen Soldaten der israelischen
Streitkräfte gewesen. [5][Auf Kanal 13 erklärte] ein Diskussionsteilnehmer
einer Talkrunde, dass es sich bei den Tätern um [6][„Hagmar-Soldaten“]
handelte – also um Einheiten der Reserve, die sich aus israelischen
Siedlern im Westjordanland zusammensetzen. Die sollen eigentlich primär
ihre eigenen Siedlungen bewachen.
Diese Hagmar-Soldaten tragen Uniformen und werden vom Militär unterstützt
und bewaffnet, vom Staat bezahlt. Sie agieren aber als eigenständige
Einheit. Wie sie vorgehen, wird kaum überprüft. Immer wieder beteiligen sie
sich an Gewalttaten von Siedlern im Westjordanland. Mindestens zwei Fälle
sind bekannt, bei denen diese „regionalen Kommandos“, wie sie auch genannt
werden, wohl unbewaffnete Palästinenser töteten.
Nadav Weiman, Direktor der Nichtregierungsorganisation Breaking the
Silence, sagt: Sie agierten „faktisch als Siedlermilizen innerhalb der
Reihen des israelischen Militärs“.
## Lob für den Mord an der Familie
Auch Kan 11 berichtete: Die Schützen seien nicht nur „Soldaten“ – sie seien
auch Mitglieder der gewalttätigen Hilltop Youth. Das sind besonders für
ihre Gewalttätigkeit bekannte radikale Siedler.
[7][So hatte der bekannte Hilltop-Youth-Siedler Elischa Jered die Schüsse
auf die Familie auf X gelobt]. Erst vor Kurzem wurde Jered in der Knesset
zu einer „Ehrungszeremonie“ für die israelischen Siedlungen empfangen. An
der nahmen viele Minister der rechtsextremen Koalition von Premier Benjamin
Netanjahu teil, darunter Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir.
Ben Gvir hatte, nachdem in Dschenin auf die beiden Palästinenser mit ihren
zur Kapitulation erhobenen Hände geschossen worden war, den für diese
Einheit Verantwortlichen befördert.
Nach den tödlichen Schüssen auf die Familie Bani Odeh kündigte die
Grenzpolizei an, eine Untersuchung einzuleiten. Bislang wurde niemand der
mutmaßlichen Beteiligten zur Vernehmung vorgeladen.
Hinweis: Im Text fand sich ein Fehler bei der Zuschreibung eines Zitats.
Wir haben das korrigiert.
17 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Gewalt-im-Westjordanland/!6131466
(DIR) [2] https://www.haaretz.com/middle-east-news/palestinians/2025-01-08/ty-article/.premium/three-palestinians-including-two-children-killed-in-idf-drone-strike-in-west-bank/00000194-45e0-db8c-aff5-dff254310000
(DIR) [3] https://x.com/kann_news/status/2033257278187417632?s=20
(DIR) [4] /Todesstrafe-in-Israel/!6145589
(DIR) [5] https://x.com/amitkalderon_/status/2033287130655400435?s=20
(DIR) [6] https://www.theguardian.com/world/2026/jan/30/settler-only-idf-units-functioning-as-vigilante-militias-in-west-bank
(DIR) [7] https://x.com/ElishaYered/status/2033076930459685068?s=20
## AUTOREN
(DIR) Tamar Ziff
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