# taz.de -- Siedlergewalt im Westjordanland: Erneut Palästinenser von Siedler erschossen
       
       > Ein 25-Jähriger ist das nächste Opfer einer gewalttätigen
       > Auseinandersetzung. Im Anschluss nimmt das israelische Militär Dutzende
       > Palästinenser fest.
       
 (IMG) Bild: Ein neuer Tag, eine neue Gewalttat: Der Körper des getöteten jungen Mannes wird durch die Straßen getragen
       
       Ein Mann in den Zwanzigern ist das neueste Opfer der Gewalt radikaler
       Siedler im Westjordanland. Odeh Awawda wurde laut der palästinensischen
       Nachrichtenagentur Wafa von einem Siedler am Rande des Dorfes Deir Dibwan
       nahe [1][Ramallah] in den Rücken geschossen. Er verstarb kurz nach seiner
       Ankunft im Krankenhaus am Mittwochabend. Zeitgleich stürmten israelische
       Truppen das Dorf und nahmen Dutzende Palästinenser fest. Ein Video zeigt
       über 30 Männer, die in einer Reihe entlang einer Straße abgeführt werden.
       
       Das israelische Militär bestätigt, dass seine Truppen Auseinandersetzungen
       zwischen Israelis und Palästinensern verhindern wollten. Nach Angaben der
       israelischen Zeitung Times of Israel hätten sie jedoch keinen Schuss auf
       die Dorfbewohner*innen abgefeuert. Daher könne die Kugel, die Awawda
       getroffen hat, nur aus der Waffe eines Siedlers stammen.
       
       Die Soldat*innen haben dann die Israelis aus dem Dorf „evakuiert“ und in
       die nächste Polizeistation gebracht, so das Militär weiter. Es ist unklar,
       ob jemand für die Tötung zur Rechenschaft gezogen wurde. Außerdem schreibt
       das Militär, man habe mehrere Palästinenser festgenommen, die im Verdacht
       standen, Steine geworfen zu haben. Auf welchen Beweisen eine derartige
       Massenfestnahme beruhte, ist unklar. Die Behörden haben alle Inhaftierten
       kurze Zeit später wieder freigelassen.
       
       ## Letzter Siedlerangriff vor weniger als 48 Stunden
       
       [2][Weniger als 48 Stunden zuvor hatten Siedler zwei weitere Menschen im
       Westjordanland umgebracht.] Einer von ihnen war noch ein Kind, 14 Jahre
       alt. In al-Mughajir, einem Dorf nördlich von Ramallah, das immer wieder von
       Gewalt betroffen ist, hatten Siedler am Montag in der Nähe einer Schule das
       Feuer eröffnet. Dabei starben der 14-Jährige sowie ein 32-jähriger
       Verwandter eines Schülers. Vier weitere Menschen wurden verletzt.
       
       Laut Augenzeugenberichten wurden [3][die Siedler von Soldaten begleitet.
       Ein Video zeigt einen Mann in Uniform], der mehrere Sekunden lang aus einem
       Gewehr feuert. Palästinensische Medien identifizierten ihn nach eigenen
       Angaben als Reservisten; laut Medienberichten wurde er anschließend vom
       Dienst suspendiert. Ob er verhaftet wurde, ist unbekannt.
       
       Das israelische Militär hatte nach Berichten über Steinwürfe auf ein
       Fahrzeug von Israelis seine Truppen ins Dorf geschickt. Der Reservist soll
       sich zunächst in dem Auto befunden und im Anschluss das Feuer auf
       „Verdächtige“ im Dorf eröffnet haben.
       
       ## Neun Tote durch Siedlergewalt in zwei Monaten
       
       Seit dem Beginn des Irankriegs Ende Februar ist die Gewalt im
       Westjordanland weiter entflammt. Laut dem Büro der Vereinten Nationen für
       die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten kamen bis Sonntag 28
       Palästinenser*innen um, mindestens neun davon durch Siedler. Etwa 300
       Menschen wurden bis Ende März verletzt, mehr als die Hälfte durch
       israelische Zivilist*innen. [4][Das israelische Militär selbst
       dokumentierte für das Jahr 2025 im Schnitt 2,4 Siedlerangriffe pro Tag.]
       
       Sehr selten werden indes Siedler und israelische Soldaten für Verbrechen
       gegen Palästinenser angeklagt, geschweige denn verurteilt. [5][Laut der
       israelischen Nichtregierungsorganisation Yesh Din] endeten lediglich 3
       Prozent aller Anzeigen von Palästinenser*innen gegen Israelis bis
       Anfang 2025 mit einer Verurteilung.
       
       23 Apr 2026
       
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