# taz.de -- Siedlerterror im Westjordanland: Die Gewalt eskaliert, der Staat bezahlt
       
       > Mehr als fünf Milliarden Euro flossen seit 2022 von der israelischen
       > Regierung an Siedler. Deren Gewalttätigkeit gegenüber Palästinensern
       > nimmt zu.
       
 (IMG) Bild: Israelische Flaggen an einer Bushaltestelle neben einem palästinensischen Dorf im Westjordanland im Februar 2026
       
       kna/taz | Die israelische Friedensorganisation Peace Now wirft Israels
       Regierung unter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vor, öffentliche
       Gelder zugunsten [1][von Siedlungen in den besetzten palästinensischen
       Gebieten] zu plündern. Seit dessen Amtsübernahme im Dezember 2022 seien
       Milliardenbeiträge in den Siedlungsbau geflossen, „oft auf Kosten
       übergeordneter nationaler Interessen“, beklagte die Gruppe in einem am
       Freitag veröffentlichten Bericht.
       
       Die Regierung betreibe „einen regelrechten Raub öffentlicher Gelder
       zugunsten einer kleinen Gruppe innerhalb der Regierungsbasis“. Während für
       den Verteidigungshaushalt fast alle Bereiche von Finanzkürzungen betroffen
       seien und die kriegsbetroffenen Gemeinden im Norden und Süden des Landes
       noch gar nicht mit dem Wiederaufbau begonnen hätten, schütte die Regierung
       Geld in Siedlungen und Außenposten, so Peace Now.
       
       Laut dem Bericht flossen in den vergangenen Jahren umgerechnet 5,3
       Milliarden Euro Regierungsgelder in Siedlungen und Siedlungsaußenposten,
       die selbst nach israelischem Recht illegal seien.
       
       Nach Berichten israelischer Medien wurden in den vergangenen Tagen fünf
       neue dieser Siedlungsaußenposten errichtet. Vier der neuen Außenposten
       entstanden in sogenannten A-Gebieten, die gemäß den Osloer Abkommen aus den
       1990er Jahren unter vollständiger Kontrolle der Palästinensischen
       Autonomiebehörde stehen.
       
       Außenposten und landwirtschaftliche Außenposten seien mit mindestens 235
       Millionen Euro unterstützt worden, private Sicherheitsdienste für rund
       [2][3.500 bis 4.000 Siedler in Ostjerusalem] mit 135 Millionen Euro und
       Tourismusprojekte in Ostjerusalem sowie dem besetzten Westjordanland mit
       262 Millionen Euro.
       
       ## Zunehmender Terror durch israelische Siedler
       
       Ein Toter, 14 Verletzte und 5 neue israelische Siedlungsaußenposten in den
       besetzten palästinensischen Gebieten: Das ist laut örtlichen Berichten das
       Ergebnis der jüngsten Welle von Gewalt radikaler jüdischer Siedler gegen
       Palästinenser. Demnach verübten Siedler am Donnerstag an drei verschiedenen
       Orten Angriffe. [3][Sie treten mittlerweile sogar als Miliz auf.]
       
       Am Morgen wurden bei einem Angriff von rund 40 Siedlern auf ein
       palästinensisches Dorf im Norden des besetzten Westjordanlandes mindestens
       vier Anwohner verletzt. Am Nachmittag wurde ein palästinensischer Bewohner
       Ostjerusalems in den Kopf geschossen; drei weitere Palästinenser wurden
       verletzt, so die israelische Zeitung Ha’aretz am Freitag unter Berufung auf
       Armeeangaben. Einen dritten Angriff mit sieben Verletzten meldete demnach
       der palästinensische Rettungsdienst Roter Halbmond in der Nähe des
       palästinensischen Dorfes Ramin, ebenfalls im Norden des Westjordanlandes.
       
       Am Samstag war ein 18-jähriger jüdischer Siedler aus der Siedlung Elon
       Moreh bei der Kollision mit einem palästinensischen Fahrzeug getötet
       worden. Der Fall wurde zunächst als Verkehrsunfall behandelt, bevor
       israelische Polizei und Armee eine Untersuchung wegen eines mutmaßlichen
       Anschlags einleiteten. In sozialen Medien waren daraufhin Racheaufrufe
       verbreitet worden.
       
       [4][Die palästinensische Außenministerin Varsen Aghabekyan Shahin] warnte
       am Donnerstag vor Medienvertretern vor einem eskalierenden
       Siedlerterrorismus. Die Lage im besetzten Westjordanland werde von Stunde
       zu Stunde schlimmer: Seit Jahresbeginn verzeichnete die zuständige
       Beobachterstelle rund 1.000 Angriffe. Dabei seien 10 Palästinenser getötet
       worden. Mehr als 1.500 Palästinenser habe man seit Jahresbeginn gewaltsam
       vertrieben.
       
       Das israelische Militär selbst dokumentierte im Jahr 2025 insgesamt 867
       Angriffe von Siedlern auf Palästinenser, das sind etwa 2,4 Fälle pro Tag.
       Die mutmaßlichen Täter erfahren fast nie juristische Konsequenzen.
       
       27 Mar 2026
       
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