# taz.de -- Westjordanland: Die Akteure hinter dem Siedlungsbau
       
       > Die EU-Sanktionen gegen vereinzelte israelische Siedler*innen und
       > Organisationen sind in Kraft getreten. Wer sind die Leute?
       
 (IMG) Bild: Eines der Gesichter hinter der Siedlerbewegung: Daniella Weiss während einer Demonstration, die fordert, den Gaza-Streifen wieder zu besiedeln
       
       Lange hat die Europäische Union darüber gestritten und sich interstaatlich
       gezankt – doch am Donnerstag sind die erweiterten EU-Sanktionen [1][gegen
       vereinzelte israelische Siedler*innen] und Siedlerorganisationen in
       Kraft getreten. Betroffen sind vier Vereine und drei Personen: Daniella
       Weiss und ihre Organisation Nachala, Meir Deutsch und der Verein Regavim,
       Avichai Suissa und die Nichtregierungsorganisation Hashomer Yosh sowie die
       Genossenschaft Amana.
       
       Amana ist eine Vereinigung, die Siedler*innen im Westjordanland
       unterstützt. Sie hilft ihnen sowohl finanziell als auch über eine
       verbundene Firma beim Landkauf und Aufbau von Projekten, damit sie weitere
       Siedlungen auf dem Gebiet errichten. Sogar Außenposten, die selbst unter
       israelischem Recht illegal sind, soll der Verein ins Leben verholfen haben.
       Viele der Außenposten werden nachträglich von der israelischen Regierung
       legalisiert, bleiben aber völkerrechtswidrig.
       
       Großbritannien, Kanada und die USA hatten Amana bereits zuvor sanktioniert.
       In der aktuellen Mitteilung des Europäischen Rats steht, seit seiner
       Gründung habe Amana „eine Schlüsselrolle bei der Initiierung, Finanzierung
       und Ermöglichung von mindestens 30 gewalttätigen Außenposten und Siedlungen
       gespielt – darunter auch solche, die von EU-sanktionierten Personen
       gegründet wurden“. [2][Von diesen Ortschaften gehe Gewalt gegen
       Palästinenser*innen aus und sie trügen zu deren Vertreibung bei.]
       
       ## Landnahme durch illegale Farmen
       
       Amana wurde Ende der 70er Jahre von der Siedlerbewegung Gush Emunim
       gegründet. Sein Ziel ist, „Gemeinschaften in Judäa, Samaria und den
       Golanhöhen“ unter anderen zu entwickeln. Seine Arbeit diene dazu, eine
       „starke, lebendige Präsenz in jenen einzigen Gebieten zu sichern, die dem
       unvermeidlichen Überlauf aus dem überfüllten Tel Aviv eine hohe
       Lebensqualität bieten können“.
       
       Ze’ev Hever, ein Ex-Mitglied der israelischen Terrororganisation Jewish
       Underground und Geschäftsführer von Amana, sagte 2023 in einem Interview,
       mit illegalen Außenposten bzw. mit Farmen könne man im Vergleich zu
       Siedlungen mehr als doppelt so viel Land besetzen. Jewish Underground war
       eine Untergrundbewegung, die Verbindungen zur religiös-nationalistischen
       Gush Emunim hatte und bis 1984 bestand. Ihren Mitgliedern werden mehrere
       Anschläge vorgeworfen: auf palästinensische Bürgermeister, die teils dabei
       verstümmelt wurden, auf eine Moschee und eine Hochschule.
       
       Eine prominente Sanktionierte ist außerdem Daniella Weiss. Die 80-Jährige
       ist das Gesicht der Siedlerbewegung Nachala, die sie Mitte der Nuller Jahre
       mitgegründet hat. Weiss ist in Bnei Brak, nordöstlich von Tel Aviv,
       aufgewachsen. Dann zog sie mit Ehemann und Kindern in eine verlassene
       Militärbasis nahe Kedumim im Westjordanland. Beeinflusst wurde sie von der
       radikalen, zionistischen, paramilitärischen Bewegung Lehi Underground, so
       steht es in ihrer Biografie auf der Webseite von Nachala. Lehi stellte sich
       vor der Gründung Israels gegen die Briten und war für mehrere
       Terroranschläge verantwortlich.
       
       Weiss engagierte sich dann in der Gush-Emunim-Bewegung und wurde
       vorübergehend Bürgermeisterin von Kedumim, das inzwischen 13 Wohnviertel
       und ein Industriegebiet umfasst. In Interviews trägt sie oft typisch
       ultraorthodoxe Kleidung: weiße Bluse, langen, schwarzen Rock sowie ein
       buntes Kopftuch um die Haare. Den Kampf on the ground, auf den Hügeln des
       Westjordanlandes, hat sie bis heute nicht aufgegeben. Kanada hatte sie
       bereits 2024 unter Sanktionen gestellt.
       
       ## Mit blau-weißen Luftballons an Gazas Grenze
       
       Ihr Verein Nachala plädiert für die Annexion des Westjordanlands sowie des
       Gazastreifens. Seit dem Krieg in Gaza hat sie mehrfach Gruppen von
       Siedler*innen an die Grenze des Kriegsgebiets geführt, sie hielten
       israelische Flaggen und weiß-blaue Luftballons in den Händen und sangen „Am
       Yisrael Chai“ - „Das Volk Israel lebt“. Weiss fordert nach wie vor die
       Rückkehr von Jüd*innen nach Gaza. 2005 hatte die israelische Regierung
       alle Siedlungen in dem Streifen geräumt und ihre Streitkräfte abgezogen.
       
       Die Sanktionen führen jetzt dazu, dass die Betroffenen nicht in die EU
       einreisen dürfen, ihre Vermögen in der EU werden zudem eingefroren. Israels
       Premierminister Benjamin Netanjahu hatte die Entscheidung, die bereits
       Mitte Mai fiel, heftig kritisiert. [3][Während Israel und die USA „Europas
       Drecksarbeit“ erledigten, so Netanjahus offizielles Büro auf X, setze die
       EU israelische Bürger mit Hamas-Terroristen gleich. Das sei „moralischer
       Bankrott“.]
       
       29 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Itamar-Ben-Gvir-und-die-Gaza-Flotte/!6180935
 (DIR) [2] /Gewalt-im-Westjordanland/!6129409
 (DIR) [3] https://x.com/IsraeliPM/status/2053916549321506984
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Serena Bilanceri
       
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