# taz.de -- Gewalt im Westjordanland: Ein Tag, drei Tote
       
       > Ein Auto aus dem Konvoi eines Ministers überfährt einen Palästinenser auf
       > dem Schulweg. Weiter nördlich wird ein 13-Jähriger wohl von Siedlern
       > erschossen.
       
 (IMG) Bild: Wut über Siedlerangriffe: Palästinenser nahe Ramallah nach der Tötung zweier Zivilisten, 21. April 2026
       
       Ein 16-jähriger Palästinenser ist an diesem Dienstagmorgen nahe der Stadt
       Hebron im Westjordanland getötet worden. Laut Berichten wurde er von einem
       Auto überfahren, als er gegen sechs Uhr morgens auf dem Weg zu seiner
       Schule war. Das Fahrzeug gehört Berichten nach zur Sicherheitsfirma Magen;
       diese schützt unter anderem israelische Ministerinnen und Minister.
       
       Nach Angabe der Times of Israel ist bislang unklar, für welchen
       israelischen Minister das Fahrzeug unterwegs war. In der Gegend um Hebron –
       im Arabischen al-Chalil genannt – leben der israelische [1][Minister für
       Innere Sicherheit, Itamar Ben Gvir,] sowie die Ministerin für die
       Siedlungen, Orit Strock. Ha’aretz berichtet mit Bezug auf eine anonyme
       Quelle, dass das Fahrzeug in einem Konvoi der Ministerin Strock unterwegs
       war. Das Büro von Ben Gvir erklärte, das Fahrzeug habe nicht dazugehört.
       
       Die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa berichtet, der Vorfall habe
       sich an der Route 60 ereignet. Diese Autobahn verläuft horizontal durch das
       Westjordanland und verbindet viele größere israelische Siedlungen
       miteinander und mit Jerusalem.
       
       In solchen Siedlungen leben auch die beiden Minister: Ben Gvir siedelt in
       einem Außenbezirk von Kirjat Arba. Die Siedlung ist eine der ältesten im
       Westjordanland – und auch dafür bekannt, dass dort das Grab von Baruch
       Goldstein liegt. [2][Der Siedlerterrorist] erschoss im Februar 1994 29
       muslimische Gläubige in der Ibrahimimoschee in Hebron und verletzte über
       100 Personen.
       
       Die Moschee gehört zur Anlage des Grabs der Patriarchen, das sowohl für
       Juden – wegen des Patriarchen Abraham – als auch Muslime – wegen des
       Patriarchen Ibrahim – eine große Bedeutung hat. Auf Goldsteins Grab,
       gelegen in einem Park in Kirjat Arba, werden bis heute als Zeichen des
       Respekts immer wieder Steine abgelegt. [3][Ben Gvir gilt als Anhänger
       Goldsteins und seiner Ideologie.]
       
       Strock lebt in der Siedlung in der Altstadt von Hebron. Diese Altstadt,
       einst das lokale Zentrum palästinensischen Lebens, ist heute abgesehen von
       den israelischen Siedlern und wenigen palästinensischen Bewohnern [4][eine
       Geisterstadt. ]
       
       ## Siedlerangriff auf Schule nahe Ramallah
       
       Nach einem Bericht des palästinensischen Roten Halbmonds wurden außerdem am
       Dienstag zwei Palästinenser in al-Mughajir nahe der De-facto-Kapitale
       Ramallah erschossen. Die Times of Israel berichtet, die Opfer seien ein
       13-jähriges Kind und ein 38 Jahre alter Mann. Die palästinensische
       Autonomiebehörde gibt das Alter des Mannes mit 32 an.
       
       Ein Augenzeuge berichtet der israelischen Zeitung, fünf Siedler, teils in
       ziviler Kleidung, teils in Uniform, hätten ihre Tiere nahe der Schule am
       Rand des Dorfes geweidet. Später hätten sie das Feuer auf die Schule
       eröffnet, auf die Fenster geschossen. Der 13-jährige Junge sei auf dem Weg
       zur Toilette gewesen, als er so getötet wurde.
       
       Daraufhin seien die Familien angerufen worden, ihre Kinder abzuholen. Einer
       der Verwandten sei der 38-Jährige gewesen, der im Anschluss erschossen
       wurde. Ein Statement der Armee gibt es bislang laut Times of Israel nicht.
       [5][Das Außenministerium der palästinensischen Autonomiebehörde erklärte
       auf X], der Vater des 13-jährigen Jungen sei bereits 2019 von Siedlern
       erschossen worden.
       
       Siedlergewalt ist im Westjordanland Alltag geworden: Nach Angaben der
       israelischen Armee gab es im Jahr 2025 im Schnitt 2,4 Angriffe pro Tag. Die
       Vereinten Nationen zählen mehr als das Doppelte. Nach Angabe der
       Nichtregierungsorganisation B’tselem wurden 25 Palästinenser zwischen 2020
       und 2025 von Siedlern getötet, hinzu kommen Dutzende Verletzte,
       Sachbeschädigung, Brandstiftung und Diebstahl. In bewaffneten
       Auseinandersetzungen Getötete sind hierbei nicht berücksichtigt.
       
       Juristische Konsequenzen für die mutmaßlichen Täter gibt es kaum: [6][Laut
       der Organisation Yesh Din enden 94] Prozent aller Untersuchungen von
       Siedlergewalt ohne Anklage.
       
       21 Apr 2026
       
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 (DIR) [5] https://x.com/PalestinePMO/status/2046546297071530218?s=20
 (DIR) [6] https://www.yesh-din.org/en/data-sheet-law-enforcement-on-israeli-civilians-in-the-west-bank-settler-violence-2005-2024/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lisa Schneider
       
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