# taz.de -- Öl und Gas aus dem Golf: IEA-Chef warnt vor heftigstem Energieschock „aller Zeiten“
       
       > Die fossile Energiekrise stellt asiatische Staaten vor große Probleme.
       > Ein Gewinner der Krise ist jedoch schon klar: Chinas Batteriesektor.
       
 (IMG) Bild: Gasmangel in Vietnam: Motorradfahrer warten darauf, tanken zu können
       
       Heftiger als die Gaskrise nach Russlands Angriff auf die Ukraine 2022,
       sogar drastischer als die Ölpreisschocks der 1970er: Fatih Birol, Präsident
       der Internationalen Energieagentur IEA, bezeichnet die Lage an den fossilen
       Energiemärkten als die schwerste Energiekrise aller Zeiten. Daran wird auch
       eine mögliche Deeskalation im Krieg zwischen Iran und den USA und Israel
       nichts ändern, obwohl der Ölpreis nach US-Präsident Donald Trumps
       Ankündigung eines Angriffsstopps auf Energieanlagen sank.
       
       Der Angriff der USA und Israels auf Iran führt derzeit zu deutlich
       geringeren Öl- und Gasexporten aus der Golfregion. Durch die Straße von
       Hormus wurden vor dem Krieg etwa 20 Prozent der globalen Öl- und
       Flüssiggasproduktion [1][in fast hundert Schiffen pro Tag] transportiert.
       Derzeit passieren nur eine Handvoll Schiffe die Meerenge. Dazu kommen
       Angriffe beider Seiten auf Energieinfrastruktur wie Raffinerien oder
       Gasfelder.
       
       Während der zwei aufeinanderfolgenden Ölkrisen in den 1970er-Jahren habe
       die Welt „jeweils etwa fünf Millionen Barrel Erdöl pro Tag verloren“, sagte
       Birol. „Bis heute haben wir elf Millionen Barrel pro Tag verloren, also
       mehr als zwei große Ölschocks zusammengenommen“, fügte er hinzu.
       
       ## Selbst ein Kriegsende würde Märkte nicht entspannen
       
       Das gleiche Bild zeigt sich beim Gas: Birol zufolge sei doppelt so viel Gas
       von Verbraucher*innen weltweit abgeschnitten wie [2][nach Kriegsbeginn
       2022]. Im Verlauf des Krieges seien bislang mindestens 40 Energieanlagen in
       der Region „schwer oder sehr schwer beschädigt“ worden.
       
       Selbst wenn der Krieg ende und die Meerenge wiedereröffnet werde, brauche
       es eine „lange Zeit“, bis beschädigte oder stillgelegte Öl- und Gasfelder
       wieder in Betrieb genommen werden könnten. „Bei manchen wird es sechs
       Monate dauern, bei anderen viel länger“, sagte Birol [3][der Financial
       Times]. Wegen iranischer Angriffe auf die größte Gasförderanlage der Welt,
       Ras Laffan, wird Katar laut Energieminister Saad al-Kaabi noch drei bis
       fünf Jahre 17 Prozent weniger Flüssiggas liefern können.
       
       Über 80 Prozent der fossilen Energieexporte der Golfregion gehen nach
       Asien. Die letzten Flüssiggastanker, die noch durch die Straße von Hormus
       kamen, wurden aber inzwischen Richtung Europa umgelenkt, wo Einkäufer die
       stark gestiegenen Preise bezahlen können, im Gegensatz zu ärmeren
       asiatischen Ländern wie Pakistan oder Vietnam. Nur eines der sieben Schiffe
       blieb auf seinem ursprünglichen Asienkurs und legte am vergangenen
       Donnerstag in China an, so eine Analyse [4][der Financial Times].
       
       Pakistans Flüssiggasterminals erwarten deshalb, Ende des Monats kein Gas
       mehr ins pakistanische Netz einspeisen zu können. Die Regierung
       Bangladeschs hat die Universitäten geschlossen, um Energie zu sparen. In
       den Philippinen und Vietnam werden Unternehmen angehalten, ihre
       Mitarbeiter*innen von zu Hause aus arbeiten zu lassen, um den
       Kraftstoffbedarf zu verringern. China und Japan werden das teurere Gas
       teilweise mit mehr Kohle- und Atomstrom ersetzen.
       
       ## Ein Gewinner der Krise sind Chinas Batteriehersteller
       
       Die Denkfabrik Ember warnt in einem [5][Bericht] am Montag allerdings die
       Länder Süd- und Ostasiens davor, sich auf Kohle zu verlassen. Würde zum
       Beispiel Thailand seine Kohlekraftwerke auf 70 Prozent Kapazität hochfahren
       – 2024 waren es durchschnittlich 62 Prozent –, würde das etwa 263 Millionen
       US-Dollar zusätzlich kosten und 3,2 Millionen Tonnen CO₂ ausstoßen. Die
       gleiche Menge Strom mit neuen, sauberen Solaranlagen zu erzeugen, wäre
       demnach 35 Prozent billiger.
       
       Außerdem, darauf weist Ember hin, kann Kohle auch in Ländern wie Indien und
       Indonesien, die den Brennstoff vor Ort fördern können und nicht importieren
       müssen, nur den Gas- und Ölbedarf des Stromsektors kompensieren. Autos,
       Lkws und Industrie wären weiter von Öl- und Gasimporten aus der Golfregion
       abhängig. Die einzige Lösung dafür sei es, auch diese Sektoren zu
       elektrifizieren und [6][mit billigen erneuerbaren Energien zu betreiben].
       
       Südkoreas Präsident Lee Jae Myung forderte schon zu Beginn des Irankriegs,
       den Ausbau der erneuerbaren Energien im Land zu beschleunigen. Die
       asiatischen Länder stünden am „Scheideweg“, schreiben die
       Ember-Expert*innen: „Sie können sich zu Elektrostaaten entwickeln, die
       Emissionen reduzieren und Klimaziele einhalten, oder Petrostaaten bleiben,
       die größere Energieanfälligkeiten riskieren.“
       
       Ein Gewinner der fossilen Energiekrise ist [7][bereits der chinesische
       Batteriesektor]: CATL, BYD und Sungrow haben sogar die derzeit hohe Profite
       einstreichenden Ölkonzerne ExxonMobil, BP und Chevron an den Börsen
       ausgestochen. Die Öl- und Gasschocks „verändern das ganze
       Energieparadigma“, [8][sagte] Neil Beveridge, Analyst bei der
       Beratungsfirma Bernstein. „Selbst, wenn der Krieg nächsten Monat endet,
       gibt es kein Zurück.“ (mit afp/rtr)
       
       23 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.iea.org/data-and-statistics/data-tools/middle-east-maritime-chokepoints-shipping-monitor?utm_campaign=IEA+newsletters&utm_medium=Email&utm_source=SendGrid
 (DIR) [2] /Ende-der-russischen-Gaslieferungen/!5953386
 (DIR) [3] https://www.ft.com/content/09524a74-db3c-4aef-b4f7-51eda3068320?syn-25a6b1a6=1&utm_campaign=IEA+newsletters&utm_medium=Email&utm_source=SendGrid
 (DIR) [4] https://www.ft.com/content/64c5a600-1fc8-4370-b5d6-8a0bc273a33f?syn-25a6b1a6=1
 (DIR) [5] https://ember-energy.org/latest-insights/overcoming-fossil-lock-in-is-pivotal-for-asia-to-buffer-against-energy-shocks/
 (DIR) [6] /Steigender-Oelpreis-und-Klimaschutz/!6161263
 (DIR) [7] /Kampf-gegen-die-Erderhitzung/!6123497
 (DIR) [8] https://www.ft.com/content/b122ca1f-fc99-4749-9764-f1998b84dd07?syn-25a6b1a6=1
       
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 (DIR) Jonas Waack
       
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