# taz.de -- Spion in der vordersten Reihe: Tusk wirft Ungarn Weitergabe von EU-Infos an Moskau vor
       
       > Laut polnischem Premier soll Amtskollege Orbán Russland zeitnah über
       > Absprachen von EU-Gipfeln Bescheid geben. Gleiches gilt für
       > Außenministertreffen.
       
 (IMG) Bild: Viktor Orbán beim EU-Gipfel: Seinetwegen sagt Amtskollege Donald Tusk beim Treffen der Staats- und Regierungschef nur noch das Nötigste
       
       rtr | Polens Ministerpräsident Donald Tusk ‌hat Ungarn vorgeworfen,
       Russland zeitnah über Absprachen auf EU-Gipfeln zu informieren. „Dass
       Orbáns Leute Moskau bis ins kleinste Detail über die EU-Gipfeltreffen
       informieren, dürfte niemanden überraschen“, schrieb der proeuropäische
       Regierungschef am Sonntag auf der Plattform X mit Blick auf den ungarischen
       Regierungschef. „Wir hatten diesen Verdacht schon lange“, schrieb Tusk
       weiter und erklärte damit auch seine ‌zurückhaltende Haltung auf
       EU-Gipfeln: „Das ist einer der Gründe, warum ich nur dann das Wort
       ergreife, wenn es unbedingt nötig ist, und nur so viel sage, wie unbedingt
       nötig ist.“
       
       Zuvor hatte die Washington Post berichtet, Ungarns Außenminister Péter
       Szijjártó solle mehrfach aus EU-Außenministertreffen heraus mit dem
       russischen Außenminister Sergej Lawrow telefoniert und ihn über die
       Beratungen informiert haben. Szijjártó selbst sprach auf X von
       „Falschmeldungen“.
       
       Orbán, der als Putin- und Trump-nah gilt, hatte am Donnerstag auf dem
       EU-Gipfel [1][verhindert, ‌dass ein 90-Milliarden-Euro-Kredit der EU an die
       Ukraine ausgezahlt werden kann]. Er zog damit deutliche Kritik der
       EU-Staats- und Regierungschefs auf sich. [2][Auch Kanzler Friedrich Merz
       warf ⁠ihm „grobe Illoyalität“ vor], weil Orbán im Dezember einen
       EU-Beschluss mitgetragen hatte.
       
       [3][Im April sind in Ungarn Parlamentswahlen]. In Umfragen liegt die
       Opposition vorne. US-Vizepräsident JD Vance will im Wahlkampf deshalb ‌nach
       Budapest reisen, ‌um sich für Orbáns Wiederwahl einzusetzen. Der polnische
       ⁠Außenminister Radosław Sikorski kritisierte auf X, dass der
       nationalkonservative polnische Präsident Karol Nawrocki am Montag zur
       Unterstützung Orbáns in die ungarische ‌Hauptstadt reisen wolle. Orbán habe
       Ungarn ‌durch „Nationalismus und Diebstahl“ zum ärmsten EU-Land gemacht.
       Ungarns Außenminister Szijjártó wiederum warf Sikorski vor, er wolle die
       oppositionelle Tisza-Partei unterstützen.
       
       22 Mar 2026
       
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