# taz.de -- AfD im Autoritarismus-Index: Globalisierte Globalisierungsfeinde
> Wie gut die AfD international vernetzt ist, zeigt eine aktuelle Studie.
> Dabei geht es auch um Korruptionsvorwürfe, Spionage und Propagandahilfe.
(IMG) Bild: Rechtshilfe: Ungarns Premierminister Órban (l.) und die AfD-Co-Vorsitzende Weidel
Heimliche Besuche von Parteichefin [1][Alice Weidel beim chinesischen
Botschafter], [2][Pseudo-Wahlbeobachtung in Russland], [3][Wahlkampfhilfe
aus Ungarn] und zunehmende [4][Vernetzung mit autoritären Kräften
weltweit]: Die extrem rechte AfD ist mittlerweile ein zentraler Akteur in
einem globalen Netzwerk. Das zeigen die Daten der Organisation [5][„Action
for Democracy“], in denen sie weltweit Verbindungen, Vernetzungsversuche,
Recherchen und auffällige Propaganda-Botschaften seit Anfang 2024
ausgewertet und in einem Index des globalen Autoritarismus zusammengeführt
hat.
142 Einträge weist die extrem rechte AfD seit Beginn der Datenerhebung bis
Anfang März 2026 auf. Sie reichen von Netzwerktreffen, dem Teilen von
Propaganda-Botschaften bis hin zu Korruptionsverdacht sowie belegten
Spionage-Aktivitäten. Ihre größten Bezugspunkte überraschen nicht wirklich:
51 der Einträge haben mit Russland zu tun, 42 mit Ungarn, 36 mit dem Marine
Le Pens französischen Rassemblement National, 25 mit Giorgia Melonis
italienischen Fratelli d'Italia, 21 Einträge finden sich zur
österreichischen FPÖ, 17 zu Reform UK, 14 mit der chinesischen Regierung.
Die USA unter Trump tauchen nicht eigens als autoritärer Player auf, weil
die Autoren des Indexes die USA noch nicht als autoritäres Regime einstufen
– entsprechend fehlt in der Statistik etwa auch der zuletzt ausgebrochene
MAGA-Tourismus der AfD. Der Name Trump taucht in der Statistik dennoch
30-mal als Bezugspunkt auf.
Es finden sich Fälle wie der des chinesischen Spion Jian G., der im Büro
des damaligen EU-Abgeordneten Maximilian Krah von der AfD auf dem
Silbertablett gelieferte sensible Dokumente ausspähte und zu fast 5 Jahren
Haft [6][wegen schwerer Spionage verurteilt wurde] – auch gegen Krah wird
im Zusammenhang noch ermittelt. Ähnlich soll es bei Wladimir Sergeijenko,
der wohl unter russischer Kontrolle steht, sein: Er sollte in einem
AfD-Bundestagsbüro [7][Waffenlieferungen an die Ukraine erschweren].
Ermittlungen gibt es auch gegen Petr Bystron, weil dieser aus dem
russischen Einflussnetzwerk um das Propaganda-Portal „Voice of Europe“ Geld
entgegengenommen haben soll. Ein sächsischer Landtagsabgeordneter soll gar
auf seiner Zwiebelfarm im mit Russland verbündeten Belarus politische
Häftlinge für sich arbeiten lassen. Bei ihm gab es kürzlich eine
[8][Zoll-Razzia]. Alle AfD-Politiker betonten ihre Unschuld und sprachen
von „politisch motivierten“ Ermittlungen.
## Hilfe bei Propaganda
Deutlich häufiger aber finden sich in den Daten propagandistische
Zusammenarbeit und Vernetzungstreffen. So tauchen Forderungen, die ins
Playbook des Kreml passen, in der Kategorie „softe Propaganda“ auf – 45 der
Einträge fallen unter diese Kategorie.
Als harte Propaganda gelten wiederum Delegationsreisen nach Russland,
Wahlkampfunterstützung, EU-Abstimmungen im Sinne Russlands oder auch
Eingriffe des [9][Tech-Oligarchen Elon Musk in den Wahlkampf] – 22 solcher
Ereignisse sind dort aufgeführt. In Summe zeigt sich eine systematische und
auch ideologisch-strategische Vernetzung. Hinzu kommen Zusammenkünfte wie
das ungarische CPAC-Treffen – eines von 25 Vernetzungsereignissen, an denen
sich die AfD beteiligte.
## Eine Hand wäscht die andere
Vom Austausch profitieren alle Seiten: Weidel ließ sich im Wahlkampf vom
ungarischen Autokraten Viktor Orbán wie ein Staatsgast hofieren, im
Gegenzug diffamiert die AfD in dessen Wahlkampf den Oppositionellen Péter
Magyar als „Handpuppe der EU“. Die AfD kann sich über Pseudo-Außenpolitik
als vernetzt und handlungsfähig normalisieren und Orbán bekommt prominente
Unterstützung aus Deutschland.
Am Ende verbindet der gemeinsame Feind: der westliche Liberalismus.
Geteilte Forderungen sind etwa die Einstufung „der Antifa“ als
Terrororganisation, die Stärkung des eigenen Opfernarrativs durch die
Verehrung von Charlie Kirk, das Teilen rassistischer Konzepte wie die
Remigration und die Gegnerschaft zu einer „globalistischen Elite“. Dass man
sich selbst dabei einer Elite der reichsten und mächtigsten Männern der
Welt wie Trump, Musk, Putin und Xi Jinping an den Hals wirft, ist ein gern
ignorierter Nebenwiderspruch.
Eine Schwäche des Datensatzes scheint allerdings, dass er teils mit
LLM-Modellen (sprich: KI) erhoben wurde. So finden sich in den Daten auch
irreführende Angaben – so wird etwa aus einem Stipendium in China zu
Weidels Studienzeiten im Zusammenhang mit jüngeren heimlichen Treffen mit
dem chinesischen Botschafter schnell der Fehlschluss, dass die
AfD-Politikerin jahrelang aus China bezahlt worden sei. Dafür gibt es
zumindest bislang aber keine Belege. Auch gibt es falsch datierte
Propaganda-Postings. Ein Schwarzes Loch bleiben zudem Kontakte zu Trump und
in die MAGA-Bewegung, die gänzlich fehlen. Alle Angaben sind also mit einer
gewissen Vorsicht zu überprüfen.
18 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.bild.de/news/inland/alice-weidel-geheime-treffen-mit-china-botschafter-67ae234a60e9cc5fb5142ca1
(DIR) [2] /AfD-Wahlbeobachter-in-Russland/!5999414
(DIR) [3] /Weidel-bei-Ungarns-Ministerpraesident/!6065409
(DIR) [4] /Schattenaussenpolitik-der-AfD/!6134633
(DIR) [5] https://www.actionfordemocracy.org/aci
(DIR) [6] /Urteil-gegen-Ex-Bueromitarbeiter-von-Krah/!6112895
(DIR) [7] https://www.spiegel.de/politik/deutschland/wladimir-sergijenko-mitarbeiter-eines-afd-abgeordneten-soll-verbindung-zu-russischem-fsb-agenten-haben-a-0aa816aa-21f7-4144-9067-e7c00badeba4
(DIR) [8] https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/leipzig/leipzig-leipzig-land/afd-dornau-landtag-durchsuchung-belarus-immunitaet-100.html
(DIR) [9] /Weidel-Musk-Talk-auf-X/!6061470
## AUTOREN
(DIR) Gareth Joswig
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