# taz.de -- AfD-Spitze nimmt Parteiausschluss zurück: Das bisschen Hitlerjugend
> Nach einem rechten Shitstorm kippt die AfD das Ausschlussverfahren von
> Jugendkader Kevin Dorow. Für dessen NS-Parolen gibt es nur eine
> Ämtersperre.
(IMG) Bild: AfD-Nachwuchspolitiker Kevin Dorow denkt eifrig nach, hoffentlich über sein Verhältnis zum Nationalsozialismus
Die Parteispitze warf ihm so einiges vor: Er differenzierte zwischen Volks-
und Passdeutschen, verwendete eine völkische Parole, die später zum
Leitspruch der Hitlerjugend wurde, zitierte das Treuelied, das auch in der
SS verwendet wurde, und lobte das verfassungsfeindliche Konzept der
„Remigration“ von Martin Sellner – für einen Parteiausschluss reicht all
das aus Sicht der AfD-Chefs nun allerdings nicht mehr. Das bisherige
Vorstandsmitglied der AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland, Kevin
Dorow, darf trotz allem Mitglied der AfD bleiben.
Nach taz-Informationen schwächte die Parteispitze am Montagabend bei einer
Vorstandssitzung das eigentlich schon beantragte Parteiausschlussverfahren
ab. Stattdessen will die AfD-Spitze jetzt eine zweijährige Ämtersperre
beantragen.
Zuvor hatte es erhebliche Proteste des extrem rechten AFD-Umfelds gegeben
und auch innerparteilich gab es deutliche Kritik an den Parteichefs Alice
Weidel und Tino Chrupalla. Der Chef der AfD-Jugend, Jean-Pascal Hohm,
[1][selbst eng mit der Identitären Bewegung vernetzt], hatte intern und
öffentlich Unmut geäußert, ebenso zahlreiche weitere Rechtsextremisten
außerhalb und innerhalb der Partei. Daraufhin wurde die AfD-Jugend noch
einmal zur Anhörung in den Bundesvorstand geladen.
In der Folge ruderte die Parteispitze zurück, und zwar einstimmig – eine
Bedingung für die Rücknahme des Parteiausschlussverfahrens ist nach
taz-Informationen gewesen, dass Dorow zugleich von seinen Parteiämtern
zurücktritt.
## Gemeinsame Sache: Rechtsextremismus
Dem kam Dorow nun nach – er trete mit sofortiger Wirkung aus dem
Landesvorstand der AfD Schleswig-Holstein sowie aus dem Vorstand der
Generation Deutschland aus. Der taz bestätigte der 27-Jährige zudem, dass
er die zweijährige Ämtersperre akzeptieren werde. Allerdings bleibt Dorow
in der Partei und Mitglied der Kreisfraktion Eckernförder-Rendsburg.
Dorow sagte, er begrüße, dass der Bundesvorstand den Parteiausschluss
zurückgezogen habe. Als „Kompromiss“ sei er von allen Ämtern zurückgetreten
– „mein Engagement für die Generation Deutschland und für die politische
Arbeit in Schleswig-Holstein bleibt von diesem Schritt unberührt“, beharrte
er.
Der Vorsitzende der AfD-Jugend, Hohm, sagte: „Ich hätte mir eine
vollständige Rücknahme der Parteiordnungsmaßnahmen gewünscht, da ich sie
nach wie vor für sachlich überzogen halte.“ Der gefundene Kompromiss zeige
jedoch, dass AfD und Parteijugend bereit seien, gemeinsam tragfähige
Lösungen zu finden. Kritische Worte zu den NS-Parolen fand er keine – im
Gegenteil: Dorow verdiene ob seines Rücktritts besonderen Respekt, sagte
Hohm: „Er nimmt sich persönlich zurück und stellt sich voll und ganz in den
Dienst der gemeinsamen Sache.“
Die gemeinsame Sache ist vor allem Rechtsextremismus: Dorow ist radikaler
Burschenschaftler, hat zahlreiche Schmisse im Gesicht und trägt einen
strammen Scheitel. In seiner Rede bei der Neugründung der AfD-Jugend hatte
er die Partei nicht nur als seine [2][„erste Liebe“] bezeichnet, sondern
auch [3][eine der radikalsten Reden gehalten] – was angesichts der vielen
extrem rechten Beiträge gar nicht so leicht war.
## „Nähe zum Nationalsozialismus“
Die Parteispitze hatte die gerichtsfest als gesichert rechtsextrem
eingestufte Junge Alternative, die formal unabhängig war, aufgelöst, um
nach einer Neugründung der AfD-Jugend auch disziplinarisch besser
durchgreifen können. Mit einer Deradikalisierung ging das nicht einher:
Nach Auflösung der Jungen Alternative hatte es Aufrufe aus dem radikalen
Parteiumfeld gegeben, die neue Jugendorganisation erneut zu übernehmen.
Entsprechend radikal ist auch das Spitzenpersonal der AfD-Jugend.
In seiner Rede auf der Gründungsversammlung in Gießen hatte Dorow in den
Saal gerufen, dass man sich nicht vom Umfeld distanzieren wolle, und dann
zum Hitlerjugend-Motto übergeleitet. „Jugend muss durch Jugend geführt
werden“, forderte er. Den Leitspruch der ursprünglich aus völkischen
Jugendbünden stammt, hatte einige Wochen zuvor Björn Höcke als Motto der
neuen Jugend ausgerufen, aber ein Social-Media-Posting wieder gelöscht, als
sich herausstellte, [4][dass er damit mal wieder NS-Parolen verbreitet
hatte]. Dorow hatte sich dennoch positiv auf Höcke und das Motto bezogen.
Entsprechend sah der Bundesvorstand eine [5][„Nähe zum
Nationalsozialismus“] bei Dorow. In der der taz vorliegenden ursprünglichen
Begründung zum Parteiausschluss heißt es: „Wenn er aber wusste, dass Björn
Höcke diesen Satz zitiert hat, dann muss er auch gewusst haben, welches
Medienecho Björn Höcke damit ausgelöst hat – eben weil der Satz als Parole
der Hitlerjugend in Gebrauch war.“ Ähnliches hielt die Parteispitze ihm bei
der Verwendung des Textes aus einem SS-Lied in einem Social-Media-Post vor
sowie bei der positiven Bezugnahme auf die Ausweisung von Deutschen mit
Migrationshintergrund.
Für einen Parteiausschluss reicht das aber offenbar nicht mehr in der AfD.
Weidel wollte das Zurückrudern auf taz-Anfrage nicht kommentieren.
24 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Neugruendung-der-AfD-Jugend-in-Giessen/!6129882
(DIR) [2] https://x.com/AnnLei1/status/1994793763458486675
(DIR) [3] /AfD-Jugend-Generation-Deutschland/!6132388
(DIR) [4] https://www.welt.de/politik/deutschland/plus6894449e8d87bf286ac881a8/AfD-Bjoern-Hoecke-verbreitet-Leitsatz-der-Hitlerjugend.html
(DIR) [5] https://www.welt.de/politik/deutschland/plus69c2404cffcdb2ce7075bd53/kevin-dorow-warum-die-afd-spitze-den-ausschlussantrag-gegen-den-jugendfunktionaer-zurueckzieht.html
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