# taz.de -- Agrarwissenschaftler: Hohe Düngerpreise sind kein Problem für Biolandwirte
> Ökobauern dürfen keine Kunstdünger nutzen, die sich wegen des Irankriegs
> verteuert haben. Davon sollten die Konventionellen lernen, so
> Agrarökonomen.
(IMG) Bild: Biobäuerinnen und -bauern haben in der derzeitigen Weltlage weniger Probleme, als ihre Urea-abhängigen Kolleg*innen
Biobauern leiden nicht darunter, dass sich Kunstdünger wegen des Irankriegs
stark verteuert hat. „In der [1][ökologischen Landwirtschaft] sind
synthetische Stickstoffdünger verboten“, sagt Jürgen Heß,
Agrarwissenschaftler am Forschungsinstitut für Biologischen Landbau.
Deshalb würde es sie nicht treffen, dass die Preise für Düngemittel wie
Harnstoff, Ammoniumnitrat oder Kalkammonsalpeter seit Beginn des Irankriegs
Ende Februar [2][erheblich] gestiegen sind.
Wegen der Krise kostet Erdgas mehr, das sowohl der wichtigste Rohstoff als
auch die primäre Energiequelle für die Herstellung dieser Düngemittel ist.
Zudem werden viele dieser Produkte durch die Straße von Hormus verschifft,
die nun blockiert ist. Kunstdünger verursachen erhebliche
Treibhausgasemissionen bei Produktion und Anwendung.
Die deutsche Landwirtschaft verbrauche aber rund [3][1.000.000 Tonnen
synthetischen Stickstoff] pro Jahr, schreibt Heß gemeinsam mit acht anderen
Agrarforschern wie Sabine Seidel von der Universität für Bodenkultur Wien,
Sonoko Bellingrath-Kimura von der Berliner Humboldt-Universität und Moritz
Reckling vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung. Knapp die
Hälfte des Bedarfs wird demnach importiert, 59 Prozent der Einfuhren
stammten aus Ägypten, Algerien und Katar, der Anteil Russlands sei auf
unter 20 Prozent gesunken. All das seien keine „krisensicheren Staaten“.
Biolandwirte dagegen würden ihre Pflanzen zum Beispiel dadurch düngen, dass
sie Schmetterlingsblütler wie Klee, Luzerne, Bohnen, Erbsen und Soja
anbauen. Diese Leguminosen binden Stickstoff aus der Luft im Boden.
Außerdem nutzten Ökobauern etwa die Exkremente des Viehs wie Gülle oder
Mist häufig effizienter als Dünger. Denn diese Wirtschaftsdünger sind in
der Biobranche anders als in der konventionellen Landwirtschaft knapp, weil
Ökohöfe weniger Tiere pro Hektar halten dürfen.
Dass die Wirtschaftsdünger der Biobauern nun teurer werden, erwartet Heß
nicht. Schließlich würden sie diese überwiegend selber erzeugen. Zudem habe
die konventionelle Landwirtschaft einen sehr großen Gülleüberschuss. Die
konventionell dominierte Landwirtschaft in Deutschland bringt laut
Bundesagrarministerium im langjährigen Mittel rund [4][70 Kilogramm
Stickstoff pro Hektar und Jahr] mehr aus, als sie durch pflanzliche oder
tierische Produkte bindet.
## Leguminosen sind besser fürs Klima
„Die gegenwärtigen Reaktionen auf die Preisentwicklung zeigen aber, dass
die konventionelle Landwirtschaft noch viel zu stark auf mineralische
Stickstoffdünger setzt“, kritisieren die Forscher. Im globalen Vergleich
nutze die Branche in Deutschland das Potenzial von Leguminosen zur
Stickstoffversorgung [5][besonders wenig]. Der Deutsche Bauernverband
fordert, die CO₂-Steuer auf Dünger vorübergehend auszusetzen.
Die Wissenschaftler empfehlen stattdessen, dass auch die konventionellen
Bauern Leguminosen regelmäßig auf jedem Acker anbauen und Wirtschaftsdünger
wie Gülle effizienter nutzen. Das würde zusätzlich die [6][Artenvielfalt
und den Humusaufbau] fördern sowie dazu führen, dass das Grundwasser mit
weniger Stickstoffverbindungen aus Dünger belastet wird, so die Experten.
15 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Schwerpunkt-Bio-Landwirtschaft/!t5022870
(DIR) [2] https://tradingeconomics.com/commodity/urea
(DIR) [3] https://ec.europa.eu/eurostat/web/products-eurostat-news/w/ddn-20250704-3
(DIR) [4] https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/384/bilder/dateien/DE_Indikator_AGRI-01_Stickstoffueberschuss-Landwirt_2026-03-05_0.pdf
(DIR) [5] https://doi.org/10.5281/zenodo.18265759
(DIR) [6] https://doi.org/10.1007/s13165-025-00493-w
## AUTOREN
(DIR) Jost Maurin
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