# taz.de -- Kritik von Ökonomen und Verbänden: Sondervermögen zum Stopfen von Etatlöchern zweckentfremdet
> Ein Jahr nach seiner Verabschiedung stellen Ökonomen und Verbände der
> Verwendung des 500 Milliarden schweren Pakets ein vernichtendes Zeugnis
> aus.
(IMG) Bild: Der Bundestag hatte ein Sondervermögen für zusätzliche Investitionen beschlossen – die gibt es bisher aber kaum
Ein Super-Wumms für Konjunktur und Klima sollte es werden, aber ein Jahr
nach seiner Verabschiedung ziehen Ökonom*innen und Interessenverbände
ein vernichtendes Fazit aus der Verwendung des Sondervermögens für
Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK).
Der überwiegende Teil des [1][500 Milliarden Euro schweren Topfes] sei
bislang nicht für „zusätzliche Investitionen“, sondern zum Stopfen von
Haushaltslöchern verwendet worden, kritisierten am Dienstag die
Wirtschaftsforscher*innen vom konservativen Münchner Ifo-Institut und
dem arbeitgebernahen IW Köln in je eigenen Berechnungen.
Mit dem Geld habe die Politik „ein großes Versprechen abgegeben: das Leben
der Menschen vor Ort spürbar zu verbessern“, sagte auch Stefanie Langkamp
von der Klima-Allianz Deutschland: „Bisher ist davon wenig zu sehen. Trotz
des Sondervermögens stehen für den [2][Klimaschutz] im Jahr 2026 sogar
weniger Mittel zur Verfügung.“
Das Sondervermögen war noch vom vorherigen Bundestag mithilfe der Grünen
zustande gekommen, die mittlerweile in der Opposition sind. Es läuft über
einen Zeitraum von zwölf Jahren. Geknüpft ist das Geld daran, dass es nur
für zusätzliche Investitionen genutzt werden darf.
Die Regierung habe die im vergangenen Jahr aufgenommenen neuen Schulden „zu
95 Prozent nicht für zusätzliche Infrastrukturinvestitionen eingesetzt“,
[3][teilte das Ifo-Institut mit]. So zeige sich, dass die Schuldenaufnahme
im vergangenen Jahr im Rahmen des Sondervermögens um 24,3 Milliarden Euro
erhöht wurde – jedoch lagen die tatsächlichen Investitionen des Bundes nur
um 1,3 Milliarden Euro über denen des Vorjahres.
Das sei „ein großes Problem“, kritisierte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die
Zweckentfremdung sieht das Institut darin, dass die Regierung die
Investitionssumme im Kernhaushalt 2025 verglichen mit dem Vorjahr
reduzierte – so sei es zu „Verschiebungen einzelner Posten vom Kernhaushalt
in das kreditfinanzierte SVIK“ gekommen. Das gelte vor allem für den
Bereich Verkehr.
## IWO kommt zu ähnlichen Erkenntnissen
Das [4][arbeitgebernahe IW Köln] kommt zu ähnlichen Erkenntnissen: Die
Regierung habe 86 Prozent der Mittel zweckentfremdet – tatsächlich seien
die Investitionsausgaben des Bundes im vergangenen Jahr nur um 2 Milliarden
Euro gestiegen. Geplant hatte der Bund demnach, 19 Milliarden Euro aus dem
Sondervermögen auszugeben, letztlich rief die Regierung aber nur 42 Prozent
dieser geplanten Mittel ab.
Auch der Bundesverband nachhaltige Wirtschaft präsentierte eigene
Berechnungen. Danach bremste ein Teil der Gelder sogar den „Weg zum
Klimaziel 2045“. Der Verband pochte auf „mehr Transparenz und weniger
Konsumausgaben ohne Klimanutzen“.
Das SPD-geführte Finanzministerium bezeichnete den erhobenen Vorwurf als
„falsch“. Das Sondervermögen sei erst im Oktober 2025 einsatzbereit gewesen
und die Mittel seien in die Modernisierung von Verkehrsinfrastruktur,
Bildung und Forschung, Digitalisierung, Wohnungsbau und
Krankenhausinfrastruktur geflossen. (mit Agenturen)
18 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Was-bringt-das-Sondervermoegen/!6161807
(DIR) [2] /Hitzeschutz-fuer-Pflegeheime-und-Kitas/!6159518
(DIR) [3] https://www.ifo.de/pressemitteilung/2026-03-17/regierung-95-prozent-neue-schulden-infrastruktur-2025-zweckentfremdet
(DIR) [4] https://www.iwkoeln.de/presse/iw-nachrichten/tobias-hentze-86-prozent-des-sondervermoegens-zweckentfremdet.html
## AUTOREN
(DIR) Kai Schöneberg
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