# taz.de -- Studie zu Klimaschäden: Klimawandel erhöht die Staatsverschuldung
> Die Folgen der Erderwärmung schlagen sich auch wirtschaftlich nieder. Um
> Klimaschäden künftig entgegenzuwirken, muss die EU stärker investieren.
(IMG) Bild: Die EU braucht mehr Investitionen in erneuerbare Energien, sonst sieht es mit dem Klimaschutz düster aus
Höhere Verschuldung, wachsende Ungleichheit und langsameres Wachstum – dazu
könnte es kommen, wenn der [1][Klimawandel] in der europäischen
Finanzplanung und bei der Berechnung, welche Schulden tragfähig sind, nicht
stärker berücksichtigt wird. Das zeigt eine [2][neue Studie der britischen
New Economics Foundation]. Investitionen in den Klimaschutz könnten die
Wirtschaft dagegen EU-weit stabilisieren.
Ohne höhere Ausgaben für Klimaschutz prognostizieren die Expert*innen
einen Anstieg der durchschnittlichen Schuldenquote der EU-Mitgliedstaaten
bis 2050, die 58 Prozentpunkte über bisherigen Schätzungen der Europäischen
Kommission liegt – 2070 wären es 197 Prozentpunkte. Die Schuldenquote
drückt das Verhältnis zwischen den Staatsschulden und dem
Bruttoinlandsprodukt aus. Bei frühzeitigen EU-Investitionen – besonders in
Verbindung mit globaler Zusammenarbeit – würde die durchschnittliche
Verschuldung bis 2050 zwar auch um 4 Prozentpunkte höher ausfallen als
bislang angenommen, bis 2070 könnte sie aber 12 Prozentpunkte darunter
liegen.
Das Problem: Bisher sei die EU zu sehr auf die kurzfristige
Staatsverschuldung fokussiert und vernachlässige die Langzeitfolgen, sagen
die Wissenschaftler*innen.
Die Klimakrise würde vielfältige Schäden hervorrufen: Produktivität,
Infrastruktur und Sektoren wie Verkehr, Landwirtschaft und Energie würden
geschädigt, so die Expert*innen. In Zukunft seien zudem steigende Kosten
für Reparaturen und Wiederaufbau nach Klimakatastrophen zu erwarten.
## Mehr Geld für Klimaschutz
Ausgaben für Klimaschutz würden hingegen die Produktivität steigern und die
Kosten für spätere Klimaschäden verringern. Saubere Energiesysteme,
widerstandsfähige Infrastrukturen und effiziente Wohngebäude schützen nicht
nur die öffentlichen Finanzen. Die Expert*innen sehen auch zusätzliche
Vorteile wie niedrigere Energiekosten, ein besseres Verkehrssystem bis hin
zu gesünderen und sichereren Gemeinden.
Wird die Erderhitzung unter 1,5 Grad gehalten, liegt der Investitionsbedarf
in der EU nach Schätzungen der [3][European Environment Agency (EEA)] bei
circa 40 Milliarden Euro. Bleibt sie unter 2 Grad, wären es bereits 80 bis
120 Milliarden.
Ziel der Studie sei es, darzustellen, was der Klimawandel unter Fortführen
des „Business-as-Usual-Szenario“ im Vergleich zu verschiedenen Szenarien
mit frühzeitigerem Handeln mit den öffentlichen Finanzen der EU machen
werde, erklärt Mitautor Sebastian Mang. Ergebnis: Den besten Ausgang hätte
eine grundlegende Neuausrichtung der wirtschaftspolitischen Steuerung der
EU, die der Klimarealität Rechnung trägt.
Die bestehenden Fiskalregeln würden verlangen, auf grüne Investitionen zu
verzichten, die wirtschaftlich von langfristigem Vorteil wären, sagt Mang.
Die anhaltende Energiekrise sei ein anschauliches Beispiel. „Hätten wir in
den vergangenen Jahren stärker in Bahn, erneuerbare Energien und
Netzinfrastruktur investiert und damit unsere Abhängigkeit von Öl und Gas
verringert, würde uns die aktuelle Krise deutlich weniger hart treffen.“
Würden solche Investitionen früher getätigt, könnten die wirtschaftlichen
Folgen solcher Schocks vermieden oder zumindest gemildert werden.
## Fossile Brennstoffe nicht länger subventionieren
Das Problem sei, dass aktuell die erwartbaren Kosten von ausbleibenden
Klimaschutzmaßnahmen nicht berücksichtigt würden bei der Berechnung, welche
Verschuldung tragfähig sei. Es brauche aber ein präventives Modell, das
keine starren numerischen Regeln aufstelle, sondern Klima- und
Resilienzausgaben qualitativ bewerte, heißt es in der Studie.
Um eine regionale Fragmentierung zu verhindern, müsse die EU gemeinsame
Kreditaufnahmen ermöglichen und den Solidaritätsfonds ausweiten.
Schließlich könne Europa durch den Ausstieg aus Subventionen für fossile
Brennstoffe und den Einsatz eines breiteren Instrumentariums aus
progressiver Besteuerung und geldpolitischer Koordinierung die
Kapitalkosten für grüne Investitionen senken und gleichzeitig eine faire
Finanzierung des Übergangs sicherstellen.
Wenn Deutschland etwa 1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, also seiner
Wirtschaftsleistung, zusätzlich zu den Klima-Anpassungsmaßnahmen für
Klimaschutz ausgeben würde, fielen die Staatsschulden 2050 laut New
Economics Foundation um 30 Prozentpunkte geringer aus. Bisher setze
Deutschland mit dem „historischen Sondervermögen von 500 Milliarden Euro“
zwar schon ein wichtiges Signal, sagt Mang. Jedoch gebe die tatsächliche
Verwendung der Mittel wenig Anlass zu glauben, dass das Signal auch Folgen
hat.
Hoffnung mache aber Spanien als Musterschüler in der EU, so Mang. „Das Land
hat im Januar 2020 den Klimanotstand ausgerufen und seitdem eine der
kohärenteren nationalen Klima- und Transformationsstrategien in Europa
aufgebaut.“ Besonders im Energiebereich würden sich die positiven
Ergebnisse zeigen.
## Nichthandeln ist keine Option
Für Sebastian Watzka vom gewerkschaftsnahen [4][Institut für Makroökonomie
und Konjunkturforschung (IMK)] stützt die Studie, was die politischen
Entscheidungsträger*innen schon längst hätten erkennen müssen:
„Nichthandeln im Klimabereich ist keine haushaltsneutrale Option – es führt
zu höherer Verschuldung und geringerem Wachstum.“ Die Methode der Studie
würden plausibel erscheinen.
Die kausalen Aussagen der Studie seien jedoch mit Vorsicht zu genießen,
sagt Alexander Kriwoluzky der taz. Er ist Leiter der Abteilung
Makroökonomie am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Sie sei
gut geschrieben und „sauber recherchiert“, „aber keine wissenschaftliche
Analyse mit robusten Ergebnissen“.
Darauf entgegnet Mang: Der Anspruch der Studie sei, das erhebliche Ausmaß
der Auswirkungen des Klimawandels aufzuzeigen – nicht eine Prognose zu
erstellen. In den fiskalpolitischen Debatten fehle diese Dimension bislang.
„Im Kern geht es darum, die Öffentlichkeit und politische
Entscheidungsträger*innen auf ein konkretes politisches Problem
aufmerksam zu machen“, sagt er.
13 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Schwerpunkt-Klimawandel/!t5008262
(DIR) [2] https://neweconomics.org/2026/03/the-climate-fiscal-timebomb
(DIR) [3] https://www.eea.europa.eu/en
(DIR) [4] https://www.imk-boeckler.de/de/index.htm
## AUTOREN
(DIR) Philipp Embach
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