# taz.de -- Nach Kritik von Wirtschaftsinstituten: Koalition verteidigt Verwendung von Sondervermögen
> Die Regierungskoalition widerspricht vehement dem Vorwurf, das
> Sondervermögen sei zweckentfremdet worden. Grüne fordern Neuverhandlungen
> über Investitionen.
(IMG) Bild: Mit Geldern aus dem Sondervermögen Bahn und Schiene auszubauen, wäre übrigens eine gute Idee
afp | Nach massiver Kritik an einer angeblichen Zweckentfremdung des
milliardenschweren Sondervermögens haben Vertreter der Regierungskoalition
die Verwendung der Mittel verteidigt. Diese würden „vollumfänglich“ für
zusätzliche Investitionen in Infrastruktur und Klimaschutz ausgegeben,
schrieb der Chefökonom von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD), Jens
Südekum, in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt (Mittwochsausgabe). „Von
Zweckentfremdung keine Spur.“ Während auch die SPD Kritik zurückwies, kam
von den Grünen die Forderung nach Neuverhandlungen über das Sondervermögen.
Zwei führende Wirtschaftsforschungsinstitute hatten in Berechnungen
dargelegt, dass der ganz überwiegende Teil des Sondervermögens bislang
nicht für zusätzliche Investitionen, sondern zum Stopfen von
Haushaltslöchern verwendet wurde. Damit seien die Mittel zweckentfremdet
worden, teilten das Ifo-Institut und das IW Köln am Dienstag mit.
Das 500 Milliarden Euro schwere Sondervermögen war noch vom alten Bundestag
eingerichtet worden. Es läuft über einen Zeitraum von zwölf Jahren.
Geknüpft ist das Geld daran, dass es nur für zusätzliche Investitionen
genutzt werden darf, die nicht ohnehin im Haushalt vorgesehen sind.
## „Mittelabfluss langsam“
Laut der Analyse des Ifo-Instituts flossen 95 Prozent der Mittel im Jahr
2025 nicht in zusätzliche Investitionen, sondern wurden für andere Dinge im
Haushalt ausgegeben. „Das Problem dieser Rechnung ist, dass sie einige
Realitäten ausblendet“, schrieb dazu Klingbeils Chefökonom Südekum. Wegen
des Scheiterns der Ampelkoalition seien der Bundeshaushalt 2025 und mit ihm
der Wirtschaftsplan des Sondervermögens erst ab Oktober in Kraft gewesen.
„Es ist daher wenig überraschend, dass der Mittelabfluss erst langsam ins
Laufen kommt.“
Der Bund habe 2025 nicht einfach Schulden gemacht und das Geld für etwas
anderes als Investitionen ausgegeben, betonte der Ökonom. „Vielmehr braucht
es bloß mehr Zeit, bevor die geplanten Investitionsmittel tatsächlich in
konkrete Projekte umgesetzt werden können.“
SPD-Parlamentsgeschäftsführer Dirk Wiese wies ebenfalls darauf hin, dass
aufgrund der vorläufigen Haushaltsführung noch nicht viele Mittel für
Investitionen abgeflossen sein. Gleichwohl nehme er die Vorwürfe ernst,
sagte er in Berlin. Es sei das klare Ziel, nun die Investitionen
anzukurbeln.
SPD-Fraktionsvize Wiebke Esdar wies auf die langfristig geplante Wirkung
des Sondervermögens hin. Die Studien der Ökonomen „messen ein
Jahrzehntsprojekt mit der Stoppuhr“, sagte sie der Nachrichtenagentur AFP.
„Marode Brücken, Schienen und Energienetze lassen sich nicht einfach mal
zwischen Weihnachten und Ostern reparieren.“ Derzeit würden gerade
Versäumnisse mehrerer Jahrzehnte nachgeholt.
Der CDU-Politiker Tilman Kuban (CDU) äußerte Verständnis für Kritik. „Wenn
man der Politik zu viel Geld in die Hand gibt und nicht vorher Reformen
machen lässt, dann geht das häufig in eine falsche Richtung“, sagte das
Mitglied im Parlamentskreis Mittelstand in der Sendung „Frühstart“ von
RTL/ntv. „Jetzt müssen wir nachjustieren.“
## Grüne fordern Investitionen in Klimaschutz
Deutliche Kritik kam erneut von den Grünen, die das Sondervermögen mit
ihren Stimmen im Bundestag ermöglicht hatten. „Diese Bundesregierung hat
mit diesem Sondervermögen auch nicht klimaschützende Investitionen, sondern
klimaschädliche Investitionen mitfinanziert“, sagte die Vorsitzende des
Haushaltsausschusses im Bundestag, Lisa Paus. „Damit verstößt sie gegen […]
das Grundgesetz.“
Die Grünen-Haushaltsexpertin Paula Piechotta forderte im MDR neue
Verhandlungen über die Verwendung des Sondervermögens mit dem Ziel, dass
das restliche Geld des Sondervermögens „tatsächlich vollständiger in die
Modernisierung Deutschlands fließt“. Nach den Worten der parlamentarischen
Geschäftsführerin der Grünen, Irene Mihalic, würde ihre Partei einem
Sondervermögen erneut zustimmen. Dass die Koalition jedoch mit einfachen
Mehrheiten ein Gesetz gemacht habe, das nicht mit dem Grundgesetz vereinbar
sei, sei nicht die Schuld der Grünen.
## Linke für Befragung Klingbeils im Haushaltsausschuss
Die Linkspartei spricht sich für eine Befragung von Finanzminister Lars
Klingbeil (SPD) im Haushaltsausschuss aus. Die Vorwürfe gegen die
Bundesregierung „wiegen schwer“ und ließen sich nicht mit einem Dementi aus
dem Bundesfinanzministerium aus der Welt schaffen, sagte der
haushaltspolitische Sprecher der Linksfraktion, Dietmar Bartsch, am
Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP.
„Eine Sondersitzung des Haushaltsausschusses mit einer Befragung des
Bundesfinanzministers ist eine mögliche Option“, sagte der
Linken-Haushaltsexperte. Es gehe schließlich um das größte
schuldenfinanzierte Investitionsprogramm eines Bundesfinanzministers. „Wenn
dabei getrickst wird, kann nicht zur Tagesordnung übergegangen werden.“
18 Mar 2026
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