# taz.de -- Schutz der Straße von Hormus: Ein hohes Risiko und viele Neins
> US-Präsident Trump fordert die Nato-Verbündeten auf, die Straße von
> Hormus militärisch abzusichern. Seine Forderung stößt auf Ablehnung.
(IMG) Bild: Uferspaziergang vor der vielbefahrenen Straße von Hormus
[1][Der Irankrieg] ist an einem kritischen Punkt angekommen, vor allem an
der heiß umkämpften Straße von Hormus. Die Meerenge ist für die Schifffahrt
und [2][internationale Öltransporte] von größter Bedeutung – dessen ist
sich die iranische Führung bewusst. US-Präsident Donald Trump fordert nun
Nato-Verbündete auf, die Schifffahrt abzusichern. Eine Militärmission wird
es allerdings zu diesem Zeitpunkt nicht geben.
Der britische Premier Keir Starmer stellte dies am Montag in London
eindeutig klar: „Es wird keine Nato-Mission sein und es war auch nie als
eine Nato-Mission vorgesehen.“ Starmer hatte am Sonntag mit Trump zur
Blockade der Meerenge telefoniert.
Auch von deutscher Seite kam ein Nein zu einer Beteiligung der Bundeswehr.
„So lange dieser Krieg andauert, gibt es keine Beteiligung, auch nicht an
einer Operation, die Straße von Hormus mit militärischen Mitteln
freizuhalten“, sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius in Berlin. Er ließ
den leisen Vorwurf durchscheinen, dass die USA die Bundesregierung vor
Kriegsbeginn auch nicht zu Rate gezogen habe. „Insofern glauben wir, dass
dies auch nicht die Angelegenheit der Nato und der Bundesregierung ist.“
## Klares Nein zu einem Nato-Einsatz
Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte, Schiffe in der Meeresenge
würden durch land- und seegestützte Angriffe bedroht. „Das macht die
Situation so kompliziert.“ Deutschland verfügt mit der „Sachsen“-Klasse
zwar über drei Fregatten, die für die Luftverteidigung von Schiffen
ausgelegt sind. Zumindest eine der Fregatten ist derzeit aber auf der
anderen Seite des Globus beim Nato-Manöver Cold Response nördlich des
Polarkreises gebunden. Zum Standort und der Einsatzfähigkeit der beiden
anderen Schiffe erteilte die Marine auf Anfrage keine Auskunft.
Auch beim Treffen der EU-Außenminister in Brüssel am Montag stand der
Iran-Krieg ganz oben auf der politischen Agenda. Nein zu einem Nato-Einsatz
in der Straße von Hormus, aber möglicherweise eine EU-Mission zur Sicherung
des Schiffsverkehrs: Dies war der Tenor. Die Golfregion gehöre nicht zum
Nato-Bündnisgebiet, hieß es am Rande des Außenministertreffens. Deshalb
könne sich die USA auch nicht auf die Beistandspflicht nach Artikel 5 des
Nato-Vertrags berufen. Ein Einsatz dort wäre eine sogenannte
„Out-of-area“-Operation, der alle Alliierten zustimmen müssten.
Auch Staaten wie Griechenland, für die Handelsschifffahrt enorm bedeutend
ist, lehnen eine militärische Operation ab. „Das steht nicht zur Debatte“,
erklärte der Sprecher der konservativen Regierung, Pavlos Marinakis, in
Athen. In der Krisenregion im Persischen Golf und dem Golf von Oman
befinden sich gegenwärtig laut offiziellen Angaben 178 von griechischen
Reedereien kontrollierte Schiffe.
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas brachte ein UN-Abkommen zur Öffnung der
Straße von Hormus ins Spiel. Sie habe mit UN-Generalsekretär António
Guterres darüber beraten, ob eine Initiative nach dem Vorbild des
Getreideabkommens für das Schwarze Meer möglich sei, sagte Kallas. Das
Abkommen hat es der Ukraine trotz des Krieges mit Russland ermöglicht,
Agrargüter zu exportieren. Kallas prüft nun, ob ein ähnlicher Mechanismus
für die Straße von Hormus geschaffen werden kann.
## EU-Marine-Einsatz Aspides möglicherweise erweitert
Die Außenminister sprachen auch über eine mögliche Ausweitung des
[3][EU-Marine-Einsatzes „Aspides“, die Handelsschiffe im Roten Meer
schützt.] Die Operation „Aspides“ ist unter der Schirmherrschaft der EU
geografisch auf das Rote Meer beschränkt und betrifft nicht die Straße von
Hormus. Außenminister Johann Wadephul äußerte sich skeptisch dazu. Kallas
räumte ein, dass die Zustimmung der EU-Länder nötig sei. „Wenn die
Mitgliedstaaten sagen, dass wir in dieser Sache nichts unternehmen, dann
ist das natürlich ihre Entscheidung“, sagte Kallas.
Klar ist allen, dass ein militärisches Vorgehen gegen die iranische
Blockade von Hormus äußerst schwierig wird. Zwar wurden bereits mehrere
Schiffe der Marine der iranischen Streitkräfte zerstört. Doch einerseits
funktioniert die Marine der Revolutionsgarden weniger wie die eines Staates
und mehr wie eine Miliz oder gar Piraten. Mit kleinen, wendigen Booten sind
sie schnell unterwegs, schwieriger anzuzielen. Laut US-Angaben wurden
einige dieser Schiffe zerstört – aber eben nicht alle. Außerdem sind diese
Boote wohl schnell durch konventionelle Boote zu ersetzen. Selbst das Legen
von Seeminen muss nicht durch spezielle Minenschiffe erfolgen, sagte etwa
ein ehemaliger iranischer Marineoffizier Radio Europe.
## Hohes Risiko, hohe Prämien
Hinzu kommt, dass die Meerenge von Hormus sehr schmal ist: An ihrem engsten
Punkt liegen nur etwa 35 Kilometer zwischen dem Gebiet des Oman und Iran.
Auch von Land aus sind Schiffe in der Meerenge so relativ einfach zu
beschießen. Das Gelände allein erschwert ein Einrücken großer
Kriegsschiffe: Die Gewässer sind in Teilen nicht tief,
Ausweichmöglichkeiten gering.
Der Kampf um die Meerenge macht natürlich auch Reedereien und
Schiffsversicherer nervös. Ist das Risiko zu groß, die Prämien zu hoch,
werden bestimmte Strecken nicht mehr bedient. Selbst dann, wenn weiter
Schiffe unbeschadet hindurchfahren. Eine Operation, die Blockade zu
beenden, würde dieses Problem – zumindest für die Dauer ihrer Durchführung
– ebenfalls nicht lösen.
Dass solche asymmetrischen Kriege gegen einen technisch weit unterlegenden
Gegner für das theoretisch überlegene Militär schwer zu gewinnen sind, hat
sich in der Vergangenheit mehrfach gezeigt: Etwa im Gazastreifen, wo sich
die Hamas trotz eines fast zweijährigen, brutalen Krieges letztlich an der
Macht halten konnte. [4][Oder im Südlibanon], wo der Hisbollah selbst eine
fast zwei Jahrzehnte andauernde Besatzung durch Israel kaum schaden konnte.
16 Mar 2026
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