# taz.de -- Ressourcenkonflikte im Irankrieg: Die dritte große Ölkrise
> Der wirtschaftliche Kollateralschaden des Irankriegs hat die Welt
> erfasst. Trumpf des Mullah-Regimes bleibt die Straße von Hormus. Kommen
> die autofreien Tage wieder?
(IMG) Bild: Ölkrise 1973, gibt es ein Revival? Polizisten kontrollieren1973 am Autobahnkreuz Köln-Nord die Einhaltung des Fahrverbots
Wir erleben „die größte Versorgungskrise in der Geschichte des globalen
Ölmarkts“. Die nach den Energiekrisen der 1970er Jahre als Wachhund
eingesetzte Internationale Energieagentur hat aus gutem Grund die
Alarmtaste gedrückt. Der Angriffskrieg der USA und Israels gegen Iran
besitzt inzwischen das Potenzial, eine dritte große Ölkrise auszulösen.
Mit dem Bombardement der [1][Öl-Insel Kharg] hat der [2][Krieg eine neue
Eskalationsstufe] erreicht. Die Insel ist der Knotenpunkt für die Pipelines
Irans. Dort wird das Öl auf Tanker gepumpt, dort schlägt die
wirtschaftliche Lebensader. Der US-Luftangriff hat zwar „nur“ die
militärischen Schutzeinrichtungen ausgeschaltet. Doch jetzt droht der
US-Präsident mit einem Angriff auf die Öl-Terminals von Kharg – Trump:
„weil es mir Spaß macht“ – falls die Straße von Hormus nicht freigegeben
werde.
Iran wird das Quälpotenzial der Meerenge weiter nutzen – sein größter
Trumpf im Krieg gegen einen militärisch hoch überlegenen Gegner. Gepaart
mit Militärschlägen gegen die Öl-Infrastruktur in den Golfstaaten werden
die USA damit an der für Trump empfindlichsten Stelle attackiert: den
Märkten. Der heftig gestiegene Öl- und Gaspreis trifft Industrien und
Verbraucher und schickt die Börsen auf Talfahrt.
Mit jedem [3][neuen Kriegstag] steigen mit fast naturgesetzlicher Konstanz
die Ölpreise. Zeitgleich verlieren Trumps Wähler ihr Geld – an der Börse
und an der Zapfsäule. Die USA müssen trotz Frackings beträchtliche Mengen
Öl importieren. Auch in den USA ist Benzin teuer geworden, in einem Land,
in dem zwei Grundbedürfnisse nicht verhandelbar sind: das günstige, über
den Tellerrand wabernde Steak und die billig vollgetankten Großlimousinen
und Pick-ups.
400 Millionen Barrel Öl-Notreserven der OECD-Staaten konnten den Markt
nicht beruhigen, zumal die Weltgemeinschaft täglich mehr als 100 Millionen
Barrel des noch immer wichtigsten Energieträgers verbraucht. Der
Tagesverbrauch entspricht dem berühmten Güterzug mit Öl-Waggons von
Sizilien bis Norwegen. Mit der Freigabe eines Teils der Notreserve war
allen klar, dass eine Notlage entstanden ist. Das treibt den Ölpreis erst
recht nach oben.
Jetzt soll die von Trump angekündigte militärische Eskorte die Öltransporte
durch die Straße von Hormus absichern. Es scheint fraglich, dass er damit
Erfolg hat. Zumal jene Länder wie China, Frankreich, Großbritannien
entweder zu Trump auf Distanz gehen oder sich mit den USA in einem absurden
Wirtschaftskrieg befinden. Eine noch so große US-Armada wird die Reeder
kaum überzeugen. Ihre Schiffe sind nicht mehr versichert. Welcher Eigner
riskiert Leib und Leben seiner Crew und den möglichen Totalverlust des
Schiffs?
Wegen der Hormus-Blockade wird aus den Golfstaaten immer weniger Öl
abtransportiert, die Lager laufen voll. Direkte Folge: Die Förderung muss
zurückgefahren werden. Ausweitung und Reduzierung der Ölförderung sind
komplizierte Prozesse. Ein Ölfeld ist kein unterirdischer See, in dem nach
Belieben mal mehr, mal weniger abgepumpt wird. Die Druckverhältnisse dort
sind sensible Größen, die behutsam verändert werden müssen. Wird die
Förderung gedrosselt, kann es Wochen dauern, bis sie danach wieder ihr
altes Niveau erreicht. Selbst nach einer schnellen Waffenruhe wird Business
as usual also noch lange nicht zurückkehren. Zumal die vielen hundert im
maritimen Stau stehenden Öltanker nach Kriegsende nur langsam die Meerenge
von Hormus passieren können.
## Revival der autofreien Tage
Angesichts dieser rabenschwarzen Aussichten ist Energiesparen die dringend
gebotene Antwort. Ist das mit dieser Regierung zu machen? Notwendig wäre
ein Entzug im Autoverkehr, ran an die Herrschaft der Geschwindigkeit.
Tempolimits, wie sie bei der ersten Ölkrise 1973 die Regierung Brandt
durchgesetzt hatte, sparen Sprit und machen die brenzlige Lage allen
bewusst. Oder die Anordnung autofreier Tage. Die waren überraschend populär
und mündeten 1973 in unvergessene Happenings auf leergefegten Autobahnen
mit spielenden Kindern und johlenden Wandergruppen.
53 Jahre später ist es immerhin erstaunlich, wie schnell sich die
[4][schwarz-roten Energiepolitiker bei Benzinpreisen] über zwei Euro von
der heiligen Marktwirtschaft verabschieden. Schluss mit der Abzocke heißt
es jetzt, Übergewinnsteuern werden verlangt und ein Verbot für mehrere
Preiserhöhungen an einem Tag. Gleichzeitig gebiert die Krise aktionistische
Schrullen, wie den Vorschlag, das Fracking auch in Deutschland anzupacken.
Doch bis auch nur ein geeignetes Gebiet ausgewählt, erkundet und eine
Genehmigung erteilt wäre, würden schon mal Jahre ins Land gehen. Das Thema
Fracking ist genauso wie die Atomkraft aus gutem Grund beerdigt worden. Der
Vorstoß zeigt, dass kein Hirngespinst zu abstrus ist.
Hauptsache, [5][man muss nicht anerkennen], dass die erneuerbaren Energien,
dass Wärmepumpen und Elektroautos die mehr denn je gebotenen Alternativen
sind, um der fossilen Falle zu entkommen. Es wäre das Eingeständnis, dass
der grüne Umweltzirkus womöglich recht behalten hat. Wärmepumpen und
Elektroautos erleben derzeit einen fulminanten Anschub. Autohändler
berichten von starker Nachfrage nach Stromern, und mit jeder weiteren
Preiserhöhung an den Tankstellen verstärkt sich dieser Trend. Die
Verbraucher sind offenbar weiter als die Politik. Gut möglich, dass sich
die fossile Krise nicht nur in Autohäusern, sondern auch auf Wahlzetteln
niederschlägt. Parteien, die jetzt noch Verbrenner und Ölheizung als
Zukunftsmodell anpreisen, die die Solarförderung eindampfen und in großem
Stil Gaskraftwerke bauen wollen, geraten in Erklärungsnot.
Weitere [6][Eskalationen in diesem Krieg], eine sich weiter verschärfende
Versorgungslage mit entsprechend tiefer Erschütterung unserer Lebens- und
Wirtschaftsweise mag man sich nicht vorstellen. Schon jetzt sind durch
Angriffe von Drohnen, Bomben und Raketen zehn Länder direkt betroffen. Der
Kollateralschaden hat indes die ganze Welt erfasst.
16 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Manfred Kriener
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