# taz.de -- Iran-Krieg trifft US-Landwirte: Trump will Wähler vor Trump retten
> Die US-Regierung schreibt Raffinerien vor, Sprit mehr Pflanzenöl
> beizumischen. Das soll Farmern helfen, deren Kosten wegen des Iran-Kriegs
> steigen.
(IMG) Bild: Farmer sind eine wichtige Wählergruppe des US-Präsidenten: Ein Feld mit US- und Trump-Fahnen
Für Landwirtinnen und Landwirte in den USA bedeutet der Iran-Krieg vor
allem eins: höhere Kosten. Der Konflikt hat nicht nur für weltweit
steigende Öl- und Gaspreise gesorgt, sondern auch Düngemittel sind seit dem
Beginn des Konflikts deutlich teurer geworden. Deshalb erwägt die
US-Regierung nun weitere Hilfsleistungen für die Agrarbranche. Denn Farmer
sind für Präsident Donald Trump eine wichtige Wählergruppe.
Für Landwirtin Sarah Degn aus Montana werden die Preisschocks schon langsam
zur Routine. „Es ist ein weiterer Tritt in die Magengrube und das, obwohl
wir sowieso schon am Boden liegen“, beschrieb sie die aktuelle Situation in
der US-Landwirtschaft im taz-Interview.
Während der vergangenen Jahre sind die Kosten für viele landwirtschaftliche
Betriebsmittel stark gestiegen, von Treibstoff für Maschinen über Saatgut
bis hin zu Düngemitteln. Degn sagt, der Konflikt im Nahen Osten bedeute für
sie, dass sie am Ende Verluste machen werde. „Der Preis für meinen
Harnstoffdünger ist um 78 Prozent höher als im letzten Jahr“, erklärt sie.
Degn gehört zu den knapp 25 Prozent der US-Landwirte, die ihre
Düngemittelbestellung bis zum Ende hinausgezögert haben.
„Ohne eine strategische Priorisierung der Bereitstellung kritischer
landwirtschaftlicher Betriebsmittel – wie Harnstoff, Ammoniak, Stickstoff,
Phosphat und schwefelhaltige Produkte – riskieren die USA Ernteausfälle.
Dies stellt nicht nur eine Bedrohung für unsere Ernährungssicherheit – und
damit mittelbar auch für unsere nationale Sicherheit – dar; ein derartiger
Produktionsschock könnte zudem zu einem erhöhten Inflationsdruck in der
gesamten US-Wirtschaft beitragen“, erklärte die Lobbyorganisation American
Farm Bureau Federation in einem Schreiben an Präsident Donald Trump.
## Farmer stehen sowieso schon unter Druck
Die US-Regierung verkündete am Freitag zunächst eine Erhöhung der
Agrokraftstoff-Beimischungsquoten. Ölraffinerien werden bei der Produktion
von Treibstoffen angehalten, den Anteil von pflanzlichen Produkten zu
erhöhen. Dies soll Landwirten finanziell helfen, da damit die Nachfrage von
Biokraftstoffen vergrößert werde. Ölkonzerne sehen es hingegen als eine
unnötige Auflage, die die Spritkosten nur weiter in die Höhe treiben würde.
Auch wenn Biokraftstoffe oft als umweltfreundliche Alternative gelten, sind
sie umstritten. Der Anbau von Energiepflanzen verbraucht viel
umweltschädliche Pestizide sowie Dünger und Fläche, auf der Lebensmittel
erzeugt werden könnten.
Da US-Landwirte aufgrund des Iran-Konflikts bereits mit höheren
Energiekosten rechnen müssen, fällt der Preisanstieg bei Düngemitteln
schwerer ins Gewicht. Und das alles zu einer Zeit, in der Landwirte bereits
jetzt schon mit äußerst geringen Gewinnspannen arbeiten müssen.
Wie auch bei den Öl- und Gaspreisen ist der Grund für die stark gestiegenen
Düngemittelpreise Irans Sperrung der Straße von Hormus. Die Meerenge, die
den Persischen Golf mit dem Golf von Oman verbindet, ist eine der
wichtigsten Transportverbindungen der Welt. Mehr als ein Drittel der
weltweit gehandelten Düngemittel passieren laut einer Analyse der Vereinten
Nationen dieses Nadelöhr. Seit dem Beginn des Iran-Kriegs ist der Preis für
Harnstoff (Urea) Düngemittel [1][von etwa 460 Dollar pro Tonne auf fast 670
Dollar] nach oben geschnellt. Dies entspricht einem Anstieg um mehr als 45
Prozent.
## Trump stellte weitere Hilfen in Aussicht
„Wir befinden uns mittlerweile im dritten Jahr in Folge, in dem viele
Landwirte Verluste einfahren, und ich weiß nicht, wie viel länger das noch
alle aushalten können“, sagte Degn.
Bereits der russische Angriffskrieg in der Ukraine hatte den globalen
Düngemittelmarkt in den vergangenen Jahren stark beeinflusst. Grund ist die
Export-Dominanz von Russland im Bereich von Harnstoff (Urea) und anderen
Düngemitteln. Urea ist der [2][meistverwendete Dünger] in der Welt.
Russland könnte also von der aktuellen Situation zumindest finanziell
profitieren.
Erst im Dezember hatte die US-Regierung Hilfszahlungen in Höhe von 12
Milliarden Dollar für Landwirte beschlossen. „Wir bräuchten ein weiteres
Hilfspaket in ähnlicher Größe, nur um unsere Kosten zu decken“, erklärte
Degn. Trump sagte am Freitag während einer Veranstaltung mit Vertretern aus
dem Agrarsektor, dass er den Kongress um zusätzliche Hilfen für Landwirte
bitten werde.
30 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://tradingeconomics.com/commodity/urea
(DIR) [2] https://www.nextchem.com/en/solutions/urea/#:~:text=Urea%20is%20the%20most%20widely%20used%20nitrogen,Nitrate)%20solutions**%20*%20**Adhesives%20and%20specialty%20chemicals**
## AUTOREN
(DIR) Hansjürgen Mai
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