# taz.de -- Analyse des Iran-Kriegs: Eine Frage des langen Atems
> Die Angriffe von Israel und den USA haben das Regime in Iran geschwächt,
> es bleibt dennoch gefährlich. Um zu gewinnen, muss es nur überleben.
(IMG) Bild: Das Mullahregime muss nur überleben, um zu gewinnen: Plakate zeigen den getöteten Ali Chamenei (l) und seinen Sohn Modschtaba
Die Zitterpartie geht wieder los: Kommt nun der TACO-Moment? TACO steht für
„Trump always chickens out“ – Trump zieht immer zurück. Und ist
mittlerweile ein stehender Ausdruck in den USA. Der Präsident hatte in
einem Interview mit dem US-Medienportal Axios vor einigen Tagen erklärt:
[1][Der Krieg mit Iran würde „bald“ enden], es sei „praktisch nichts
übrig“, was man noch angreifen könne.
Einige Analysten sehen das vor allem als Beruhigungsversuch in Richtung
Finanzmarkt. Andere als Vorbereitung des Rückzugs. Der US-Präsident steht
zu Hause unter Druck, der Krieg ist selbst unter seinen Wählern unbeliebt
und macht sich auch im Alltag bemerkbar. Die Benzinpreise sind bereits um
rund 11 Prozent gestiegen.
Dazu kommt die Situation in der Straße von Hormus. Fast 40 Prozent des
global gehandelten Rohöls passierte Clarksons Research zufolge vor
Kriegsbeginn die Meerenge zwischen Iran auf der einen und Oman und den
Vereinigten Arabischen Emiraten auf der anderen Seite. Hinzu kamen fast 20
Prozent des raffinierten Öls.
Das nutzt Iran nun. Manche Frachter – jüngst etwa mit Bezug zu China und
Indien – dürfen passieren, andere werden angegriffen. Zudem sollen die
Revolutionsgarden Seeminen verlegt haben.
## Wie soll es weitergehen?
Dadurch ist der Weitertransport des Öls aus dem Golf auf den Weltmarkt de
facto unterbrochen. Zwar wird nun aushilfsweise Öl mittels einer Pipeline
quer durch Saudi-Arabien ans Rote Meer und damit weiter auf den Weltmarkt
gebracht. Allerdings deutlich weniger als zuvor. Alle ölfördernden Länder
in der Region fahren also die Produktion massiv herunter, [2][was zu
höheren Preisen führt].
Wer die Meerenge von Hormuz kontrolliert, kann Druck ausüben. Momentan ist
das Iran. Dass die USA dem dortigen Regime diese Kontrolle abringen, gilt
derzeit als unrealistisch. US-Schiffe wären schon beim Versuch, in die
Meerenge einzufahren, ein leichtes Ziel für Angriffe.
Wie soll dieser Krieg also weitergehen? Dass Iran geschwächt ist,
bezweifelt kaum ein Analyst. Das zeigt sich exemplarisch in den Daten der
Angriffe Irans auf die Vereinigten Arabischen Emirate. In den ersten beiden
Kriegstagen schoss Teheran insgesamt mindestens 150 Raketen und knapp 550
Drohnen auf das Gebiet. Am 9. und 10. März waren es nur noch 24 Raketen und
53 Drohnen.
Hinzu kommt: Hohe Funktionäre der Revolutionsgarden und des
Verteidigungsapparats sind tot, viele Raketenabschusssysteme, Basen der
Revolutionsgarden und der Schlägertruppe Basij, Polizeistationen, Gerichte
und Einrichtungen der Justiz wurden getroffen. Und nach dem Tod des
Obersten Führers Ali Chamenei ist zwar sein Sohn Modschtaba zum Nachfolger
ernannt worden, soll aber Berichten zufolge verletzt in einer Klinik
liegen. Manche wähnen ihn gar bereits tot.
Doch Berichte von vor Ort zeigen auch, dass das Regime noch existiert. Es
patrouilliert schwer bewaffnet auf den Straßen, schüchtert die Bevölkerung
ein, passt sich an, macht weiter. Um diesen Krieg zu gewinnen, muss es
einfach nur überleben. Ein geschwächtes, aber intaktes Mullahregime wäre
wohl auch für die Golfstaaten das Worst-Case-Szenario.
Ein geschwächtes, aber radikalisiertes Regime in Iran könnte weiter mit
Gewalt Druck ausüben. Etwa gegen die US-Präsenz in der Region oder eine
weitere Annäherung an Israel.
Die Analystin Dania Thafer, Leiterin des Thinktanks Gulf International
Forum, sagt dazu: „Militärisch gesehen sind die USA auf der Gewinnerseite.
Politisch gesehen haben sie und Israel in Bezug auf Iran aber fast nichts
erreicht“.
Wie kommt man aus diesem Krieg also wieder raus? Ziehen sich die USA
zurück, ginge das wohl einher mit Vorwürfen seitens der Golfstaaten – und
einem Gesichtsverlust Trumps, einen Krieg verloren zu haben. Das dürften
auch China und Russland genau beobachten. Hält der Krieg an, klettert der
Ölpreis weiter und weiter, während den USA ebenfalls langsam die Vorräte an
Kriegsgerät wie Luftabwehrraketen ausgehen. Also zurück zum
Verhandlungstisch? Das Regime weiß ja selbst, dass es einfach nur den
längeren Atem braucht.
14 Mar 2026
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(DIR) Lisa Schneider
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