# taz.de -- Ölkrise und Iran-Krieg: Kriegsgewinnler Russland
> Moskau nimmt für sein Öl wieder Geld ein. Doch die Lage ist alles andere
> als rosig für den Kreml. Umweltschützer warnen aber vor
> Sanktionslockerungen.
(IMG) Bild: Der Öltanker „Grinch“ steht unter Verdacht, ein russisches Geisterschiff zu sein, das das Embargo gegen russische Ölexporte umgeht
Der einzige Gewinner der durch den Irankrieg ausgelösten Energiekrise ist:
[1][Russland]. Darin sind sich EU-Ratspräsident António Costa und Sumit
Ritolia, Ölmarktexperte beim Energieberatungsunternehmen Kpler, einig.
Beide beziehen dies auf die enormen zusätzlichen Einnahmen, die der Kreml
wegen der faktischen Sperrung der Straße von Hormus im Persischen Golf für
seine Öl- und Gasexporte bekommt.
Nun nimmt Russland 510 Millionen Dollar täglich für seine Exporte fossiler
Energieträger ein, hat das finnische Center for Research on Energy and
Clean Air (CREA) errechnet. Das seien seit Beginn des Irankriegs am 28.
Februar 14 Prozent mehr als durchschnittlich im Februar.
In weniger als zwei Wochen seit Beginn des Irankrieges wurde „die russische
Kriegsmaschine mit mindestens 6 Milliarden Dollar gefüttert“, kritisiert
Alexander Kirk von der Umweltschutzorganisation Urgewald. 510 Millionen
Dollar am Tag ermögliche Moskau, täglich 15.000 iranische Schahed-Drohnen
zu produzieren, die 35.000 Dollar pro Stück kosteten. Mit diesen in
Russland als Geran-Drohnen nachgebauten unbemannten Kamikaze-Kampffliegern
hat die russische Armee in den Wintermonaten die ukrainische
Energieversorgung massiv getroffen.
Urgewald warnt vor allem vor einer Abschwächung der Sanktionen: „Eine
Rücknahme würde dem Kreml einen Umsatzschub in Milliardenhöhe bescheren,
und das genau in dem Moment, in dem der Sanktionsdruck zu wirken beginnt“,
so Kirk. Die US-Sanktionen gegen russische Ölexporte hatten seit Herbst
Moskaus Erlöse erheblich geschmälert. Allerdings haben die USA angesichts
des stark gestiegenen Ölpreises für 30 Tage den [2][Kauf von bereits in
Tankern befindlichem russischen Rohöl erlaubt], was bisher seit 5. März nur
für Indien galt. Weitere von Russland geforderte Zugeständnisse lehnte die
US-Regierung am Freitagmorgen ab.
## Zusätzliche Einnahmen stärken Russlands Kriegswirtschaft
Jetzt muss Indien mehr für die normalerweise deutlich billigere russische
Urals-Sorte circa 13 Dollar mehr als für die Nordsee-Referenzsorte Brent
zahlen, deren Preis zuletzt auf mehr als 100 Dollar pro Barrel (je 159
Liter) gestiegen war.
Denn seit durch die Straße von Hormus kaum noch Tanker kommen, hat sich die
lieferbare Ölmenge deutlich verringert. Normalerweise werden durch die
Meerenge 26 Prozent der Rohöl- und Flüssiggas-Mengen weltweit verschifft.
Russland profitiert nun von deutlich höheren Einnahmen. Doch der Irankrieg
müsste lange andauern, damit das Land aus seiner tiefen Finanzkrise kommen
könnte. Denn im Januar und Februar haben sich die russischen Öl- und
Gaseinnahmen im Staatshaushalt mit umgerechnet 10,7 Milliarden Dollar fast
halbiert gegenüber den ersten zwei Monaten 2024. Und mit einem
Haushaltsdefizit von 41,3 Milliarden Dollar wurde nach Berechnungen der
Analysten der privaten Moskauer Alfa-Bank bereits fast das für das
Gesamtjahr erwartete Defizit erreicht. Die Staatsausgaben liegen momentan
doppelt so hoch wie die Einnahmen.
## Zweifel an Statistik
Mit seinen Zahlen trickst der Kreml massiv: Im Vorjahr habe das
Gesamt-Defizit um 26,2 Milliarden Euro höher gelegen als offiziell
angegeben, hat der Bundesnachrichtendienst (BND) kürzlich dank
geheimdienstlicher Quellen ermittelt: „Das westliche Sanktionsregime gegen
Russland entfaltet im 5. Kriegsjahr weitreichende Wirkung.“
Urgewald-Aktivist Kirk will, dass das so bleibt: „Wenn Märkte in Panik
geraten, profitieren autoritäre, auf fossilen Exporten aufgebaute Regime“,
so der Umweltschützer. Ein Aufweichen signalisiere, „dass der Westen bei
ausreichend hohen Energiepreisen immer einen Grund findet nachzugeben“.
Kremlherr Wladimir Putin trumpft indes bereits auf und bietet Europa Öl und
Gas an – wenn er „langfristige Verträge“ bekomme und die EU „keinen Druck
mehr auf Russland“ mache. Dabei hat die EU den endgültigen Ausstieg aus
russischem Rohöl, Pipelinegas und verflüssigtem Erdgas (LNG) bis spätestens
1. Januar 2027 beschlossen – aber wegen des kalten Winters zuletzt ihre
LNG-Importe aus Russland deutlich erhöht.
13 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Mathias Brüggmann
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