# taz.de -- Linke Abwehrkämpfe: Gegen den Autoritarismus
> Von Wolfram Weimer bis zum Krieg gegen Iran: Die Linke sucht nach
> Strategien, das Autoritäre aufzuhalten, ist aber oft selbst gespalten.
(IMG) Bild: Gemeinsam gegen geschlechtsspezifische Gewalt – aber zum Teil mit Leerstellen. Demo zum 8. März in Berlin
Es gelte, die Freiheit der Kunst zu verteidigen und die „Korridore der
Sagbaren, Erkundbaren und Darstellbaren möglichst weiten, anstatt ihn zu
verengen“, sagte er – und tat das Gegenteil.
[1][Die autoritären Eingriffe des Kulturstaatsministers Wolfram Weimer
nehmen kein Ende.] Sie reichen von der Ausladung des palästinasolidarischen
Rappers Chefket aus dem Haus der Kulturen der Welt bis hin zu seinen
Versuchen, [2][Berlinale-Leiterin Tricia Tuttle] wegen
palästinasolidarischer Reden abzusetzen. Einen neuen Tiefpunkt markierte
die heimliche Beobachtung linker Buchläden, Initiativen und Vereine durch
den Verfassungsschutz, die Verweigerung eines Preises für drei nominierte
Buchhandlungen, und – die Krönung – anschließend darüber zu lügen.
Die Standardbegründung, mit der Weimer seine Zensurpolitik legitimiert: der
vermeintliche Kampf gegen Antisemitismus. Dass die Union das „Nie wieder“
benutzt, um autoritäre und rechte (Asyl-)Politiken zu legitimieren,
[3][kritisierte der Lyriker Max Czollek bereits 2016.] Um diese
Instrumentalisierung geht es auch in seinem aktuellen Buch „Alles auf
Anfang: Auf der Suche nach einer neuen Erinnerungskultur“, aus dem er am
Montagabend in Wilmersdorf liest. Gemeinsam mit Ko-Autorin Hadija
Haruna-Oelker fragt er darin, wie Deutschland sich als Erinnerungs- und
Aufarbeitungsweltmeister begreifen kann, während Rechtspopulisten Wahlen
gewinnen und „Nie wieder ist jetzt“ zu einer leeren Phrase verkommt.
Die Autor*innen sehen darin auch ein Scheitern der deutschen
Erinnerungskultur. Gemeinsam denken sie über eine neue Praxis nach, die die
Gegenwart so gestaltet, dass sich die Vergangenheit nicht wiederholt. Im
Anschluss wird der Blick mit dem Register Charlottenburg-Wilmersdorf auf
die lokale Erinnerungspraxis gerichtet: Wie steht es im Bezirk um die
Aufarbeitung – und wie bezieht sich die extreme Rechte darauf? (Montag, 16.
März 2026, Haus der Nachbarschafft, Straße am Schoelerpark 37, 18 Uhr)
## Offenes Treffen des Antikriegsrats
Gleichzeitig stimmt: Antisemitismus ist in Berlin auf einem Höchststand.
Ressentiments schimmerten auch durch, als sich antiimperialistische Gruppen
nach dem Angriff Israels und der USA auf Iran lautstark mit Kritik zu Wort
meldeten, zuvor aber zu den brutalen Massakern in Iran geschwiegen hatten.
Kein Raum fand sich dabei für den Fakt, dass viele Iraner*innen den
Angriff – oder zumindest den Tod Chameneis, den er zur Folge hatte –
begrüßten.
Der provisorische anarchistische Antikriegsrat ist überzeugt: „Den guten
Krieg und das gute Militär, die gibt es nicht.“ Am Montagabend lädt der Rat
zu einem offenen Treffen ein, um den Krieg zu analysieren. Die Kernfrage:
Weshalb gibt es bislang keine wahrnehmbaren Proteste gegen diesen Krieg?
Außerdem soll über gemeinsame Handlungsmöglichkeiten gegen diesen und
künftige Kriege gesprochen werden. (Montag, 16. März, New Yorck im
Bethanien, Mariannenplatz 2A, 19 Uhr)
## Vergewaltigt, erschossen, geschlagen, erstickt, geköpft
[4][Der Nahostkonflikt sprengt auch die feministische Bewegung und
zerteilte die Demolandschaft am feministischen Kampftag] in rivalisierende
Lager. Das, was verbinden könnte – geschlechtsspezifische Gewalt –, wurde
zur Trennlinie. In den Grabenkämpfen gerieten ausgerechnet die in den
Hintergrund, um die es am 8. März eigentlich gehen sollte: unterdrückte
Flinta* – in Israel, Gaza und weltweit.
Das Netzwerk gegen Feminizide und das Künstler*innenkollektiv „Lilith
Unveiled“ breiteten auf einer propalästinensischen Demo auf dem Kottbusser
Damm ein 30 Meter langes Transparent aus, auf dem die Namen und Todesdaten
von Femizid-Opfern in Chile, Griechenland und Deutschland aufgelistet
waren. „Vergewaltigt, erschossen, geschlagen, erstickt, erstochen, geköpft,
vergiftet“ stand darüber. Eine eindrucksvolle Aktion gegen
geschlechtsspezifische Gewalt – würden im Demo-Aufruf jüdische Opfer nicht
ausgeblendet werden.
Eindrucksvoll waren die meterlangen rot gewebten Stoffteppiche des
Kunstprojekts „Sangre de mi Sangre“ (Blut meines Blutes), mit denen Frauen
am 8. März weltweit durch verschiedene Städte zogen. Das vom feministischen
Kollektiv Colectiva Hilos initiierte Projekt soll auf Femizide und
gewaltsames Verschwindenlassen in Mexiko aufmerksam machen. Am Dienstag
lädt das Netzwerk gegen Feminizide, das an der Kunstaktion beteiligt ist,
dazu ein, selbst mitzuweben – als Ausdruck kollektiven Widerstands und
Solidarität mit Betroffenen. (Dienstag, 17. März, Museum der „Trostfrauen“,
Quitzowstraße 103, 19 – 21 Uhr)
## Protest zum Weltwassertag
Der Kampf geht nicht nur bei den Flinta* weiter, sondern auch bei den
Umweltschützer*innen. „Jetzt ist auch noch eine Batteriefabrik mitten im
Trinkwasserschutzgebiet geplant, mit 72 Millionen Euro Subventionen vom
Land Berlin“, kritisieren die Bürgerinitiative Grünheide und das Bündnis
Tesla den Hahn abdrehen.
Anlässlich des Weltwassertags am 22. März rufen sie zu Protest auf. Ab
11:30 Uhr fahren sie mit dem Fahrrad vom Bahnhof Erkner los, halten bei
Tesla an und fahren dann in den Wald vor die Fabrik. Auf dem Weg gibt es
Redebeiträge und die Möglichkeit zum Austausch mit Aktiven. Im Wald gibt es
um 13 Uhr einen Spaziergang mit der Bürgerinitiative Grünheide. (Sonntag,
22. März, Fahrradtour ab Bahnhof Erkner, 11:30 Uhr / Waldspaziergang ab
Bahnhof Fangschleuse, 13 Uhr)
16 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Streicht-Wolfram-Weimer-von-der-Ministerliste/!6156865
(DIR) [2] /Streit-um-Berlinale-Chefin-Tuttle/!6159354
(DIR) [3] /Czollek-und-Salzmann-im-HKW/!6131374
(DIR) [4] /Feministische-Grabenkaempfe/!6162251
## AUTOREN
(DIR) Lilly Schröder
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