# taz.de -- Autoritarismus: Globales autoritäres Ökosystem
       
       > Machterhalt als wichtigstes Ziel: Eine neue Studie zeigt, wie autoritäre
       > Akteure weltweit immer stärker zusammenarbeiten.
       
 (IMG) Bild: Großer Bruder beachtet euch: Trump spricht vor seiner Wiederwahl 2024 auf der CPAC in Budapest zu Gleichgesinnten
       
       „Auf dem Weg zum Sieg“ ist der Titel der Conservative Political Action
       Conference (CPAC), zu der sich an diesem Wochenende in Budapest das Who's
       who des globalen Rechtspopulismus versammeln wird. Zu Gast bei [1][Ungarns
       Ministerpräsident Viktor Orbán] sind dem Aufruf zufolge „Patrioten aus
       aller Welt“. Die Agenda ist schlicht: „Keine Migration! Kein Gender! Kein
       Krieg!“. Donald Trump darf [2][trotz seines laufenden Angriffskriegs] gegen
       Iran kommen, gemeinsam will man angeblichen „Intrigen von Brüssel und
       seinen Kumpanen“ – so heißt es im offiziellen Aufruf des CPAC –
       entgegentreten. Denn: „Wenn wir fallen, wird auch Europa fallen. Unsere
       Freunde in der ganzen Welt verstehen das, weshalb alle, die zählen, hier
       sein werden.“
       
       Das Event ist ein Spin-off der gleichnamigen rechtskonservativen Konferenz
       aus den USA. Als europäischer Hauptverbündeter der MAGA-Bewegung richtet
       Orbán sie seit 2022 üblicherweise im Frühsommer aus. Als Hilfe im laufenden
       Wahlkampf hat er sie in diesem Jahr vorgezogen und einmal mehr
       EU-feindliche, antiliberale bis offen rechtsextreme Gesinnungsgenossen aus
       der ganzen Welt eingeladen.
       
       Die CPAC in Budapest ist eines von mehr als 3.200 Beispielen für die
       Zusammenarbeit von Ungarns rechtsnationaler Fidesz-Regierung mit
       autoritären Akteuren in aller Welt – allein seit Januar 2024: mit Parteien
       wie der AfD, der Freiheitspartei in den Niederlanden oder Staaten wie
       Russland, China, Saudi-Arabien oder Aserbaidschan.
       
       Gesammelt hat diese Beispiele der in den USA ansässige Thinktank [3][Action
       for Democracy] (AD). Der veröffentlichte am Mittwoch seinen „Authoritarian
       Collaboration Index“. Eine KI hat dazu aus öffentlich zugänglichen Quellen
       über 72.000 Kollaborationen autoritärer Akteure in den vergangenen 26
       Monaten identifiziert.
       
       ## Orchestriert von Russland und China
       
       An der Spitze eines „globalen autoritären Ökosystems“ stehen demnach
       Russland, Iran und China. Diese Regierungen „orchestrieren gemeinsam den
       institutionellen Export autoritärer Praktiken in Bereichen wie Finanzen,
       Diplomatie, Netzwerkaufbau, Propaganda, Militärtechnologie,
       Informationsaustausch sowie transnationale Repression“, schreibt AD.
       
       Als „autoritäre Akteure“ gelten dabei zweierlei: Zum einen die weltweit 111
       Regierungen von Staaten, die die US-NGO Freedom House (FH) als „nicht frei“
       oder „nur teilweise frei“ einstuft. Diese Einstufung von FH ist seit vielen
       Jahren international weitgehend anerkannt. Aktuell gibt es aber eine enorme
       Leerstelle: Die USA unter Trump gelten dort weiter als „frei“, weshalb sie
       auch nicht als „autoritärer Akteur“ in dem Index auftauchen.
       
       Zu den Regierungen kommen noch etwa 35 einflussreiche autoritäre Parteien
       hinzu, neben der AfD etwa [4][die FPÖ in Österreich] oder die
       „Konföderation“ in Polen.
       
       Der sie alle verbindende Autoritarismus übertrumpfe dabei vermeintliche
       ideologische Differenzen, schreibt AD. So arbeiten dann islamistische
       Theokraten wie die iranischen Mullahs mit nominellen Sozialisten wie der
       Regierung Venezuelas zusammen. Zusammen schweißen vor allem „gemeinsame
       Imperative der Regimesicherheit und der Bereicherung der Elite“, so AD.
       Ihre Ziele sind demnach die „Aufrechterhaltung der Amtszeit, der Schutz von
       Patronagenetzwerken“ und der dazu dienende Umbau des internationalen
       Umfelds.
       
       Die Wege dazu seien vielfältig: Man entsendet gegenseitig Wahlbeobachter,
       die unfaire Wahlen reinwaschen. Politische Parteien werden ebenso verdeckt
       finanziert wie Wahlkampagnen oder gleichgesinnte Medien. Regimes
       legitimieren sich gegenseitig, nehmen im Sinne ihrer Freunde Einfluss auf
       Wahlen. Gemeinsam werden demokratische Normen – etwa ein angeblich
       „westliches“ Verständnis von Menschenrechten infrage gestellt oder
       internationale Standards neu zu definieren versucht.
       
       Ein wichtiges Feld ist die koordinierte Kommunikation und „Angleichung der
       Narrative“, wie AD schreibt. Mit „Propaganda-Allianzen, gemeinsamer
       Desinformation und grenzüberschreitender Legitimierung“ wird versucht,
       Einfluss auf die öffentliche Meinung zu nehmen.
       
       So wurde etwa die russische Lesart des Überfalls auf die Ukraine – der
       Westen sei schuld – erst von den russischen Staatsmedien und dann von der
       chinesischen Staatspresseagentur Xinhua verbreitet. Xinhua wiederum hat
       Dutzende Partnerschaftsvereinbarungen zur gemeinsamen Nutzung von Inhalten
       mit Agenturen in Serbien, Aserbaidschan, Algerien, der Türkei sowie
       Weißrussland, Südostasien, Afrika und Lateinamerika. Die Akademie von
       Putins Staatssender Russia Today bildet in Äthiopien seit 2024 Tausende
       Journalist:innen fort.
       
       Moskaus Presseagentur Tass und Chinas Xinhua richteten im September 2024 in
       Moskau den internationalen „BRICS-Mediengipfel“ aus. Und über das Belt and
       Road Journalists Network haben Staaten wie China und Russland mehr als 110
       Medienorganisationen und mehr als 1,5 Millionen Medienfachleute weltweit
       miteinander vernetzt. Das Ergebnis: Narrative aus Moskau und Peking werden
       im Globalen Süden – ohne direkte Steuerung – zunehmend übernommen. In China
       und Russland selbst können die Regimemedien dann auf internationale
       Bestätigung verweisen.
       
       Mitveröffentlicht hat den Index der berühmte [5][US-Politologe Francis
       Fukuyama]. „Wenn Demokratien auf autoritären Druck nur auf nationaler Ebene
       reagieren, werden sie immer wieder gegen ein grenzüberschreitend
       koordiniertes System den Kürzeren ziehen“, sagt er. Die Erfassung
       autoritärer Zusammenarbeit sei eine Voraussetzung für eine wirksame
       demokratische Gegenstrategie.
       
       18 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
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