# taz.de -- Feministische Grabenkämpfe: Wenn zwei sich streiten, freut sich die solidarische Basis
       
       > Die Nahost-Debatte spaltet die feministische Bewegung. Zwei Demos am 8.
       > März zeigen: Die Lösung ist, sich auf gemeinsame Grundforderungen zu
       > einigen.
       
 (IMG) Bild: „Fight by Night“-Demo: Solidarität mit allen Flinta* statt Nahostdebatte
       
       „Genocide lovers“ steht über dem durchgestrichenen Körper der Frau
       gekritzelt, die kämpferisch eine lila Flagge schwenkt. Das verunstaltete
       Motiv diente als Mobilisierungsposter für die 8.-März-Demo des
       israelsolidarischen Bündnisses „Feminism Unlimited“. Das Bündnis versteht
       sich als antisemitismuskritisches Alternativprogramm für die
       palästinasolidarischen feministischen Gruppen, denen sie vorwerfen,
       jüdische Opfer auszublenden.
       
       Während etwa 8.000 Menschen mit „Feminism Unlimited“ am feministischen
       Kampftag durch Prenzlauer Berg zogen, folgten Tausende andere dem Aufruf
       palästinasolidarischer Gruppen und versammelten sich am Kottbusser Tor zur
       Demo „Rise in Rage. Build in Struggle“. Von dort zogen sie durch Kreuzberg
       und skandierten Parolen wie „Viva, viva Palästina!“ und „There is only one
       solution: Intifada revolution“.
       
       [1][Die beiden Demos stehen exemplarisch für die tiefe Spaltung, die der
       Nahostkonflikt in die feministische Bewegung getragen hat.] In den
       Grabenkämpfen geraten ausgerechnet die in den Hintergrund, um die es am 8.
       März eigentlich gehen sollte: unterdrückte Flinta* – in Israel, Gaza und
       weltweit. Ausgerechnet das, was verbinden könnte – geschlechtsspezifische
       Gewalt –, wird zur Trennlinie. Statt gemeinsam gegen jede Gewalt an Flinta*
       einzustehen, wird die sexualisierte Gewalt auf beiden Seiten infrage
       gestellt, relativiert und geleugnet.
       
       ## Einigen auf gemeinsame Grundforderungen
       
       Wer von den Spaltungen profitiert? Jene, die sich nicht in Nahostdebatten
       verlieren, sondern nach einem gemeinsamen Nenner suchen. In diesem Jahr
       waren das die Gewerkschaftsdemo und die queerfeministische Abenddemo „Fight
       by Night“. Ihr politisches Bindeglied: Lohngleichheit.
       
       [2][Bei der Gewerkschafts-Demo berichteten Betroffene von ihren
       Erfahrungen:] Reden von obdachlosen Frauen oder der iranischen Sängerin
       Faravaz trieben den 30.000 Demonstrierenden Tränen in die Augen; singend
       und tanzend trugen sie ihre kollektive Stärke auf die Straße. Am Abend ging
       der Protest „Fight by Night“ kämpferisch weiter: [3][Schreiend zogen
       Tausende wütende Flinta* durch Kreuzberg, begleitet von applaudierenden
       Anwohner*innen, Pyro und Feuerwerk.] Nationale Flaggen, einseitige Israel-
       oder Palästinasolidarität und moralische Selbstvergewisserung spielten
       keine Rolle.
       
       Die Überwindung von Grabenkämpfen und die Rückbesinnung auf Gemeinsamkeiten
       sollte der gesamten feministische Bewegung als Vorbild dienen – von
       Antiimperialist*innen und Antideutschen bis zu den
       Generationenkonflikten zwischen 68er-Feministinnen und Queerfeministinnen.
       Denn trotz aller Differenzen existiert ein gemeinsames Fundament: etwa die
       Abschaffung von §218, ein wirksamer Gewaltschutz, gleiche Entlohnung für
       gleiche Arbeit sowie die gesellschaftliche und finanzielle Anerkennung von
       Care-Arbeit.
       
       Wer sich auf diese Grundforderungen nicht einigen kann, kann sich ohnehin
       nicht glaubwürdig als Feministin bezeichnen – Nahost hin oder her.
       
       13 Mar 2026
       
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