# taz.de -- Kulturkampf des Kulturstaatsministers: Streicht Weimer von der Ministerliste!
> Wolfram Weimer versucht die Berlinale-Chefin abzusägen und lässt linke
> Buchläden beobachten. Der Kulturstaatsminister kann nicht länger im Amt
> bleiben.
(IMG) Bild: Drängt unter dem Vorwand „Kampf gegen Extremismus“ alles aus dem öffentlichen Raum, was ihm politisch missfällt: Wolfram Weimer
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer inszeniert sich als Vertreter des
Liberalismus. Seine Serie autoritärer und kulturkämpferischer
Interventionen stammt jedoch direkt aus dem Playbook für Totalitarismus.
Regel Nummer 1: Kulturakteure ins Visier der Sicherheitsbehörden stellen
und Buchhandlungen, Verlage, Kultureinrichtungen durch den
Verfassungsschutz überprüfen lassen. Regel Nummer 2: Unliebsame Stimmen aus
dem öffentlichen Raum drängen. Regel Nummer 3: Die Verantwortung anderen in
die Schuhe schieben.
Jüngst hatte Weimer [1][drei für den Deutschen Buchhandlungspreis
nominierte linke Buchläden von der Auszeichnung ausgeschlossen] – aus
„verfassungsschutzrelevanten Erkenntnissen“. Welche das sein sollen, bleibt
geheim, weder er selbst noch der Verfassungsschutz geben darüber Auskunft.
Das Bundesverfassungsgericht erklärte die Datenübermittlungen für
rechtswidrig, die Buchläden haben Klage eingereicht.
Nachdem Weimer die Verleihung des Buchhandlungspreises abgesagt hatte,
stellte sich heraus: [2][Sein Ministerium hat gelogen.] In einer E-Mail des
Weimer-Hauses an die drei Buchhandlungen wurde behauptet, sie seien von der
Jury für die Auszeichnung nicht ausgewählt worden. Die Jury stellte jedoch
klar: Sie hatten die Buchhandlungen durchaus vorgesehen. Offengelegt hatte
dies eine Whistleblowerin. Das Täuschungsmanöver des Ministers offenbart,
sein Anspruch, „Freiheit der Kunst zu verteidigen“ und „Korridore des
Sagbaren, Erkundbaren und Darstellbaren möglichst weiten, anstatt ihn zu
verengen“, ist eine Farce.
## Kampf gegen linke Räume
Unter dem Vorwand „Kampf gegen Extremismus“ drängt Weimer alles aus dem
öffentlichen Raum, was ihm politisch missfällt – zunächst am Rand des
rechtlich Zulässigen, jetzt unverhohlen darüber hinaus. Fragwürdig ist
dabei sein Extremismusbegriff: Die betroffenen Buchläden setzen sich gegen
Antisemitismus, Rassismus, Sexismus ein und wurden in der Vergangenheit
selbst vom BKM ausgezeichnet.
Weimers „Kampf gegen Extremismus“ richtet sich weniger gegen rechte Hetze
als gegen linke Räume. Seine autoritären Eingriffe reichen von der
Ausladung des palästinasolidarischen Rappers Chefket aus dem Haus der
Kulturen der Welt bis hin zu seinen Versuchen, [3][Berlinale-Leiterin
Tricia Tuttle] wegen palästinasolidarischer Reden abzusetzen. Besonders
perfide ist, dass er das Versprechen „Nie wieder“ – den vermeintlichen
Kampf gegen Antisemitismus – als Legitimation für seine Zensurpolitik
nutzt.
Ein Minister, der bereit ist, Grenzen des Rechts auszureizen, um seine
Ideologie durchzusetzen, abweichende Meinungen zu unterdrücken,
zivilgesellschaftliche Akteure zu überwachen, gehört seines Amtes enthoben.
Mit Weimer als Kulturstaatsminister braucht man keine Angst vor einer AfD
zu haben, die linke Kultur zensiert – das erledigt Weimer schon selbst.
11 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Buchhandelspreis-ohne-Verleihung/!6161306
(DIR) [2] /Affaere-um-Buchhandlungspreis/!6161668
(DIR) [3] /Streit-um-Berlinale-Chefin-Tuttle/!6159354
## AUTOREN
(DIR) Lilly Schröder
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