# taz.de -- Umrüstung auf E-Antrieb: Vom Verbrenner zum Stromer an einem Tag
> Umrüsten lässt sich praktisch jedes Auto. Ob sich das wirtschaftlich
> lohnt, hängt nicht nur vom Modell ab. Kunden ist aber eh etwas anderes
> wichtig.
(IMG) Bild: Plötzlich ein E-Auto: Auch Oldtimer können umgerüstet werden – wenn 250 Kilometer Reichweite okay sind
In der Nische, fernab der großen Aufmerksamkeit, entwickelt sich eine
besondere Variante der Verkehrswende: Autos mit Verbrennungsmotor werden
auf Elektroantrieb umgerüstet, zum Beispiel dank der Firma e-Revolt aus
Dachau. Sie hat aus überwiegend marktgängigen Komponenten Umbau-Kits
entwickelt, mit denen Autowerkstätten in etwa neun Arbeitsstunden aus einem
Verbrenner ein E-Fahrzeug machen können. Inzwischen gebe es 200
Partnerwerkstätten, die den Umbau vornehmen, sagt Ralf Schollenberger,
Mitglied der e-Revolt-Geschäftsleitung.
Die größte Herausforderung sei gar nicht die Antriebstechnik selbst, heißt
es bei der Firma in Oberbayern, der Umbau sei vor allem ein IT-Projekt. Die
Motorsteuerung müsse angepasst werden, damit die Fahrassistenzsysteme, wie
das Antiblockiersystem ABS und das Elektronische Stabilitätsprogramm (ESP)
weiterhin funktionieren.
Für die Zulassung ist dann noch wichtig: „Wir ändern die grundsätzlichen
Kenndaten des Fahrzeugs nicht“, sagt Schollenberger. So bleibt die
Motorleistung unverändert, ebenso das Gewicht – ansonsten würde die
Neuzulassung schwierig. Entsprechend überschaubar sind folglich die
Batteriegrößen bei den umgerüsteten Fahrzeugen, was aber die Kunden laut
der Firma nicht stört: „Unsere Zielgruppe kommt mit 250 Kilometern
Reichweite aus.“
Auch für den TÜV ist die Umrüstung schon etablierte Praxis. Bereits 2014
sei zum ersten Mal ein entsprechendes Merkblatt erarbeitet worden, sagt
Frank Schneider, Referent Fahrzeugtechnik beim TÜV-Verband. Dieses
Merkblatt 764 sei „ein Kochrezept“ für Umrüster und Sachverständige, damit
die Betriebserlaubnis, die mit dem Ausbau des Verbrennungsmotors naturgemäß
erlischt, neu erteilt werden kann.
## Auch Oldtimer können umgerüstet werden
Grundsätzlich sei jedes Fahrzeug umrüstbar, [1][heißt es bei e-Revolt],
sogar ein Oldtimer. In diesem Fall würden aber Kosten bis 40.000 Euro
anfallen. Bei gängigen Modellen lägen die Preise bei 12.000 bis 15.000
Euro. Für den Golf VII arbeite das Team aktuell daran, eine allgemeine
Typengenehmigung für das Umrüst-Kit zu bekommen. Das erleichtere die
anschließende Serienzulassung der umgebauten Fahrzeuge, sagt
Schollenberger.
Großes Kundeninteresse zeige sich aber auch beim VW Touran und beim New
Beetle, bei der Mercedes C-Klasse, bei diversen Volvos, beim BMW Z3 und Z4
und beim Audi A2 und TT. Das Alter der Fahrzeuge ist sehr unterschiedlich.
Das älteste, das mithilfe von e-Revolt umgerüstet wurde, sei von 1967
gewesen, das jüngste – wegen eines Motorschadens – von 2023.
Volkswagen wirbt sogar damit, dass „im Grunde jedes Modell“ umgebaut werden
könne, auch Klassiker wie der Käfer und der Bulli. Dann kämen
Antriebsstrang, Batterien und weitere Komponenten direkt von VW; sie seien
baugleich wie jene, die in aktuellen Serienfahrzeugen wie dem ID.3
verwendet werden. Allerdings verliere ein historisches Auto dann sein
H-Kennzeichen.
Zurückhaltend äußert sich der Verband der Automobilindustrie: „Die
Umrüstung von Verbrennern auf Elektroantrieb kann ein möglicher kleiner
Baustein für die Dekarbonisierung von Bestandsfahrzeugen sein“, sagt eine
Sprecherin. Für die breite Masse der Pkws bleibe die Umrüstung jedoch
„aufgrund der hohen Kosten und technischen sowie regulatorischen Hürden nur
bedingt attraktiv“. Der Ansatz eigne sich „vor allem für bestimmte
Fahrzeugsegmente – etwa Oldtimer oder Spezialfahrzeuge –, bei denen ein
Neukauf keine Option ist“. Wie hoch die Zahl der umgerüsteten Fahrzeuge in
Deutschland bereits ist, weiß aber niemand; auch das Kraftfahrt-Bundesamt
führt dazu keine Statistik.
## Experte rechnet mit steigenden Benzin- und Dieselpreisen
Die finanzielle Seite des Umbaus hat unterdessen Michael Krail vom
Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI in Karlsruhe
durchgerechnet. [2][Für den Fernsehsender SWR] erstellte er jüngst eine
Kosten-Nutzen-Analyse. Bei Umrüstkosten für einen VW Golf Diesel von 15.000
Euro und einer Fahrleistung von 14.000 Kilometern pro Jahr kam er auf eine
Amortisationszeit von sieben Jahren – die Kosten für den Umbau wären also
nach sieben Jahren quasi wieder reingeholt, weil ein E-Auto im Gebrauch
preiswerter ist als ein Diesel. Bei einem Benziner-Modell errechnete er
neun Jahre.
Auf taz-Nachfrage legt Krail seine Annahmen dar: leicht sinkende
Strompreise, während [3][die Preise von Benzin und Diesel deutlich
steigen]. Zum Beispiel setzt er die Kilowattstunde Strom von der
Schnellladesäule im Jahr 2039 mit 51 Cent an – heute sind es nach seinen
Zahlen 54 Cent. Dieses Szenario ist zweifelhaft, doch die Preisentwicklung
ist entscheidend für die Frage der Amortisation, besonders für Fahrer, die
auf Strom aus dem Netz angewiesen sind. Wirklich günstig kann die Energie
hingegen bei Nutzung eigenen Solarstroms werden.
Aber die Kostenrechnung birgt auch politische Unwägbarkeiten. Zum Beispiel
bei der Frage, wie lange [4][die Kfz-Steuer-Befreiung für E-Autos noch
gewährt] wird. Und wie werden die wegbrechenden Einnahmen aus der
Mineralölsteuer kompensiert, wenn die Elektrifizierung des Verkehrs
voranschreitet?
In einem Papier mit dem Titel „Kompensation zukünftiger Einnahmeausfälle
des Staates aufgrund der Antriebswende im Straßenverkehr“ machte das
Bundesverkehrsministerium bereits 2022 entsprechende Planspiele für eine
„Fahrstromsteuer“: Es sei „naheliegend“, den Rückgang der Einnahmen aus
Kraftstoffsteuern durch „Konzepte mit gleichen Eigenschaften“ zu
kompensieren. Um mit E-Pkws die gleichen Einnahmen zu generieren wie
derzeit durch Kraftstoffe, müssten etwa 16 bis 20 Cent Stromsteuer pro
Kilowattstunde erhoben werden, rechnete das Ministerium vor. Da auch eine
„Erhebung im Fahrzeug“ denkbar sei, wäre dann sogar der eigene Solarstrom
umfasst.
## Versicherer verlangen höhere Beiträge für E-Autos
Als weiterer Faktor kommen die Versicherungsprämien ins Spiel, die im
Kfz-Markt gerade in Bewegung sind. Aktuelle Modellrechnungen der
Preisportals Verivox zeigen, „dass Versicherer bei etwa der Hälfte der
Vollkaskotarife für die Stromer höhere Preise verlangen als für
vergleichbare Verbrenner“. Die Beiträge für Elektroautos seien „unter sonst
gleichen Bedingungen bis zu 44 Prozent teurer als derselbe Tarif für das
Pendant mit Verbrennungsmotor“, errechnete Verivox und bilanziert: „Die
Zeit der pauschalen Vorschusslorbeeren für E-Autos ist vorbei.“
Bei den [5][Wartungskosten der Elektroautos] lernt die Branche unterdessen
noch. Die Mängelstatistik werde darüber in nächster Zeit immer mehr Daten
liefern, heißt es beim TÜV-Verband. Zum Beispiel könne man davon ausgehen,
dass Bremsbeläge durch die Rekuperation – also das Bremsen mit
Stromrückgewinnung – bei Stromern länger halten. Auch die geringere
Vibration werde wohl der Lebensdauer einiger Komponenten zugutekommen.
Andererseits könne das stärkere Antriebsmoment des E-Fahrzeugs auch
zusätzliche Materialbelastungen hervorrufen.
Doch die Kunden, die ihr Auto umbauen lassen, tun es oft ohnehin nicht so
sehr der Ökonomie wegen, sondern aus Überzeugung. Das ist Ralf
Schollenberger wichtig zu erwähnen: Es gehe darum, Ressourcen bestmöglich
zu nutzen und Fahrzeugen, deren Motor am Ende seiner Lebenszeit ist, „ein
zweites Leben zu geben durch hochwertige Elektrifizierung und
Digitalisierung“. Bisher, sagt er, hätten noch alle angefragten Fahrzeuge
das „Retrofit“ geschafft.
16 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.e-r3volt.com/de
(DIR) [2] https://www.youtube.com/watch?v=8-rN8sZaDJw
(DIR) [3] /Steigender-Oelpreis-und-Klimaschutz/!6161263
(DIR) [4] /Verkehrswende-bei-Pkw/!6117684
(DIR) [5] /Marktluecke-E-Auto-Werkstatt/!6116960
## AUTOREN
(DIR) Bernward Janzing
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