# taz.de -- VW, Kernkraft, Weimer: Der Kulturgesinnungswart
> Ein Traditionsautohersteller vor dem Abgrund, die Abkehr von Kernkraft
> als strategischer Fehler – und eine schwere Zeit für den
> Kulturstaatsminister.
(IMG) Bild: Kulturstaatsminister Weimer
taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht letzte Woche?
Friedrich Küppersbusch: Kanzler Merz kondoliert, „[1][Habermas’] Stimme
wird fehlen“.
taz: Und was wird besser in dieser?
Küppersbusch: Wir brauchen also eine andere kluge Stimme, die Merz
ignorieren kann.
taz: VW [2][baut 50.000 Stellen ab] und verdient die Hälfte weniger.
Überrascht Sie das?
Küppersbusch: Nö. Und jetzt ihr: VW macht 6,9 Milliarden Euro Gewinn und
schüttet eine unerwartet gute Dividende aus. Wie findet ihr das?
Wahrscheinlich nur schwer unter dem ganzen „VW kommt nicht mehr übern
TÜV“-Radau. Dieser mediale Tenor dröhnte ohne Schwalldämpfer durch fast
alle Nachrichten. Und verdeckte die eigentlich doch recht erbaulichen
Neuigkeiten für die Eigentümerfamilie Piëch-Porsche und andere Aktionäre.
Als Ergebnis des Brainwashs war man versucht, die armen VW-Besitzer zu
bemitleiden. Statt an den neuen Tarifvertrag zu erinnern, der Lohnverzicht,
Streichung von Boni und Urlaubsgeld bringt und so auch künftig zu schönen
Dividenden beiträgt. Ja, aber China! E-Mobile! Lohnkosten! Standort!,
brummbrummeln eilends einbestellte ExpertInnen in die Kameras. Dagegen
weigere ich mich, Wirtschaftsnachrichten aus der Sicht von Konzernlenkern
zu framen. Jedenfalls, solange ich nicht ihre Bonuszahlungen bekomme.
taz: Ursula von der Leyen bezeichnet die Abkehr von der Kernkraft als
„strategischen Fehler“. Wie viel ist diese Aussage umgerechnet in
Katherina-Reiche-Einheiten?
Küppersbusch: Deutschland produziert inzwischen mehr Strom aus
Erneuerbaren, als Netze tragen und Batterien speichern können. Ministerin
Reiche lässt sich davon nicht verwirren und etwa Speicher und Leitungen
fördern. Sie packt das Übel an der Wurzel und streicht Förderung für
Erneuerbare. Mit viel Geschick könnte so ein Strommangel entstehen, der
dann mit „Mini-AKW“ behoben werden soll. Die haben den Vorteil, dass es sie
nicht gibt und dass sie nach Gutachten sogar teurer und giftiger
produzieren würden als herkömmliche AKW. Von der Leyen bedient damit
Interessen Frankreichs, das allein in Europa mit Atomtechnik Geld verdient.
Reiche könnte man – wenn schon keinen umweltneutralen Strom mehr – dorthin
exportieren.
taz: Was sollten künftige Generationen von der [3][Affäre um den Deutschen
Buchhandlungspreis] in Erinnerung behalten?
Küppersbusch: Tja, liebe Enkel – damals wurden alle Preise und Förderungen
des Kulturstaatsministers zu einem Porzellanladenpreis fusioniert, wegen
nachgewiesener Expertise des Ministers. Nach seiner Ankündigung,
grundsätzlich den Verfassungsschutz alle Fachjurys entmündigen zu lassen,
herrschte große Bange bei Programmkinos, Bands, Festivalveranstaltern,
Jazzern und vielen anderen Kulturbranchen, die bisher ministeriell bepreist
oder gefördert wurden. Durch Crowdfunding entstand damals das erfolgreiche
Musical „Der Kulturgesinnungswart“; es erzählte die berührende Geschichte,
wie wir als Kinder die Schülerzeitung vor dem Verteilen dem Direktor
vorlegen mussten. Nachdem der Minister überzeugend dargelegt hatte, in der
Kulturbranche beruflich keine Chance mehr zu haben, beließ man ihn
schließlich im Amt und übertrug alle Kulturförderungs-Etats unabhängigen
Stiftungen und Kulturverbänden. Damit baute man auch dem Durchgriff der AfD
vor und immunisierte die Kultur gegen die Politik. Für Weimer war es
allerdings eine schwere Zeit.
taz: Was wäre eine gerechte Strafe für die Bayern-Stars Joshua Kimmich und
Michael Olise, die sich offensichtlich absichtlich eine Gelbe Karte beim
CL-Spiel gegen Atalanta Bergamo abgeholt haben?
Küppersbusch: Aktueller Inhaber des Iffland-Rings für den größten lebenden
Schauspieler deutscher Zunge ist Jens Harzer. Auf Lebenszeit. Die Spieler
könnten also den Ring nicht haben. Aber Bayern Harzer verpflichten.
taz: Und weil das Wort gerade gefallen ist: Fällt auch Ihnen eine Häufung
der Verwendung von „wohl“ und „offensichtlich“ in journalistischen Texten
beziehungsweise Teasern auf?
Küppersbusch: „Personen, die mit der Sache vertraut sind und unter der
Bedingung der Anonymität sprachen“, bedrohen aktuell die Arbeitsplätze der
früher „gewöhnlich gut informierten Kreise“, die nach Informationen aus
gewöhnlich gut informierten Kreisen gern auch mal aus gewöhnlich gut
mitsaufenden Kollegen an der Hotelbar bestanden. Auch „wohl“,
„offensichtlich“ und „dem Vernehmen nach“ sind oft Tumormarker für wacklige
Meldungen, die man raushauen will, bevor’s ein anderer tut. Die Häufung mag
mit Clickbait zu tun haben, wie auch die grassierende Headline „was XY
bedeutet – und was nicht“. Der Artikel darunter handelt also vor allem von
etwas, das nicht ist. Okay, wer’s wissen wollte.
taz: Und was macht der RWE?
Küppersbusch: RWE erstmals auf dem Relegationsplatz 3, mit den meisten
Toren – 59, und allerdings auch 48 Gegentoren. Das spricht so sehr für
Aufstieg wie dagegen.
Fragen: waam
15 Mar 2026
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