# taz.de -- Gebrauchtwagenmarkt für E-Fahrzeuge: Neue Batteriechecks sorgen für Transparenz
       
       > Bordeigene Batterie-Managementsysteme geben nur Schätzwerte über Leistung
       > und Kapazität. Nun entwickelt sich ein Markt für unabhängige
       > Batteriezertifikate.
       
 (IMG) Bild: Häufiges Vollladen, Tiefentladung und hoher Ladestrom wirken sich negativ auf den Gesundheitszustand der Batterie aus
       
       Der Wert eines batterieelektrischen Gebrauchtwagens hängt erheblich von der
       Qualität des Akkus ab. Aus diesem Grund entwickelt sich gerade ein Markt
       für unabhängige Batteriezertifikate, die Käufern und Verkäufern einen
       objektiven Überblick über den Zustand des betreffenden Stromspeichers geben
       sollen.
       
       Weil die Batterie das teuerste Bauteil im Auto ist und Speicherkapazität
       sowie Leistung mit der Nutzungsdauer abnehmen, rät auch der ADAC beim Kauf
       eines Gebrauchtwagens zu einem vorherigen Batteriecheck. Zwar gibt das
       bordeigene Batterie-Managementsystem (BMS) den sogenannten SoH-Wert aus,
       den „State of Health“. Doch obwohl „die SoH-Werte der verschiedenen
       Anbieter oft ähnlich aussehen, sind diese nicht standardisiert und nicht
       direkt vergleichbar“, erklärt der ADAC.
       
       Die österreichische Firma Aviloo, ein Anbieter von Batterieanalysen, nennt
       den SoH einen „rechnerischen Schätzwert“, der „oft nicht der Realität“
       entspreche. Aviloo bezeichnet sich selbst als „Weltmarktführer in der
       Batteriediagnostik für [1][E-Autos] und Plug-in-Hybridfahrzeuge“.
       
       Verschiedene Arten von Tests werden inzwischen am Markt angeboten. Aviloo
       hat zwei Varianten im Angebot, die sich „in Methodik und Zielgruppe
       unterscheiden“, wie das Unternehmen erklärt. Zum einen gibt es den
       „Flash-Test“, der primär für Händler, Flottenbetreiber und
       Leasinggesellschaften vorgesehen ist. Bei diesem Schnelltest wird ein
       Logger an die OBD-Schnittstelle (On-Board-Diagnose) angesteckt. Per
       KI-gestützter Analyse, die auf die weltweit größte Datenbank von
       Batteriedaten zurückgreife, bekomme man in drei Minuten ein Ergebnis, das
       auch den Zustand jeder einzelnen Zelle abbilde.
       
       Präziser noch sei das Premium-Angebot, das sich an Endkunden richtet und
       die Batterie physisch über einen vollständigen Entladezyklus misst. Das
       Fahrzeug muss von 100 Prozent Ladezustand binnen sieben Tagen ohne
       Zwischenladung auf unter 10 Prozent entladen werden. Dabei wird die
       tatsächlich entnehmbare Energie direkt gemessen.
       
       ## 15-Minuten-Tests
       
       Einen gesetzlich verbindlichen Industriestandard für Batterietests von
       Elektrofahrzeugen gibt es bislang allerdings nicht. Aviloo nimmt für sich
       aber in Anspruch, sein Verfahren „de facto als Branchenstandard etabliert“
       zu haben. Man arbeite mit Partnern wie dem TÜV Süd, dem ADAC sowie
       Herstellern wie Mercedes-Benz und Hyundai zusammen. Entsprechend bietet der
       ADAC in vielen seiner Prüfzentren den Test von Aviloo an.
       
       Aber es gibt auch alternative Tests, die unter anderem vom TÜV Rheinland
       oder dem TÜV Nord eingesetzt werden. Der größte Anbieter neben Aviloo ist
       die Dekra, die auf ein eigenes Analysesystem setzt. Auch von diesem gibt es
       zwei Varianten, einerseits den „Read-Out-Report“ und andererseits eine
       Analyse im Fahrmodus. Im erstgenannten Fall erhalte man „innerhalb von
       Minuten“ einen „Hinweis auf den Zustand“ der Batterie, ohne dass eine
       Testfahrt erforderlich ist.
       
       Das zweite Verfahren basiert auf der Messung verschiedener Batteriedaten
       wie Strömen und Spannungen unter Last. Dabei werden die Daten „während
       einer kurzen Beschleunigung auf einer Strecke von circa 100 Metern
       gesammelt, um sie anschließend mit einem patentierten Algorithmus auslesen
       zu können“, erklärt die Dekra. Hinter dem Verfahren stecke „eine
       hochkomplexe, sehr aufwendige Datenbank“. Für jeden einzelnen Fahrzeugtyp
       würden vorab durch Messungen unter verschiedensten Bedingungen die
       Basisdaten ermittelt – ein Prozess, der als Parametrierung bezeichnet wird.
       
       Der Test am Kundenfahrzeug dauert dann etwa 15 Minuten. Voraussetzung dafür
       seien ein Ladezustand zwischen 40 und 80 Prozent, eine Batterietemperatur
       zwischen 10 und 30 Grad Celsius und ein nur geringer Temperaturunterschied
       zwischen den einzelnen Batteriezellen von weniger als 2 Grad. Die RWTH
       Aachen hat das System validiert.
       
       ## Schlecht für die Batterie
       
       Nach ADAC-Empfehlung sollten Fahrzeuge nach 50.000 Kilometern noch einen
       SoH von mindestens 92 Prozent erreichen, bei 100.000 Kilometern noch
       mindestens 88 Prozent. Der Batterietest bringt die Nutzungsweise an den
       Tag: Hohe Temperaturen, häufiges [2][Vollladen], Tiefentladung und hoher
       Ladestrom wirken sich negativ auf den Gesundheitszustand der Batterie und
       damit auf ihre Kapazität aus.
       
       Aviloo gibt auf Basis von 100.000 Batterientests unterschiedlicher
       Fahrzeugmodelle folgende Zahlen an: Nach einem Jahr liege der SoH im
       Schnitt bei 98 Prozent und nach zwei Jahren bei 96 Prozent. Nach fünf
       Jahren liege der Durchschnitt bei 93 Prozent, wobei die Spanne, in der sich
       95 Prozent der Batterien befinden, von 89 bis 97 Prozent reiche. Bei
       Preisverhandlungen ist das eine relevante Differenz.
       
       19 May 2026
       
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